Donnerstag, 31. März 2011

Betrachtung: Heinrich von Ofterdingen von Novalis

Novalis
Heinrich von Ofterdingen
255 Seiten
Reclam – 1. Ausgabe Januar 1900
ISBN: 978-3150089392
6 Euro 

Kurzbeschreibung:
Heinrich geht von Zuhause fort und entdeckt die Menschen, die Natur und die Welt. Nur um darauf die Liebe zu finden und wieder zu verlieren. Jede seiner Erfahrungen lassen ihn einen Schritt weiter zum Dichter heran reifen.

Novalis, der bekanntlich ein recht zwiegespaltenes Verhältnis zu Goethes Werken hatte, hat sich zu seinen Lebzeiten mit dem Heinrich von Ofterdingen zum Ziel gesetzt, Goethes Werk „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, das er für leer und aussagelos hielt, zumindest inhaltlich, wenn auch nicht stilistisch, zu übertreffen.
Und tatsächlich sind einige Parallelen zu entdecken. So werden Heinrich wie Wilhelm im Laufe der Erzählung einige Geschichten und Märchen erzählt, die ihre ganz eigene Aussage verbergen.
Anders als in den Lehrjahren zum Beispiel sind die Geschichten aber enger in die eigentliche Erzählung eingebunden.
Die übermäßig philosophischen Betrachtungen zur Dichtung, Moral, Natur und Soziologie tragen im Heinrich von Ofterdingen deutlich romantischere Anklänge, während die Lehrjahre noch Anzeichen des Sturm und Drangs tragen und die Wanderjahre eindeutig klassizistische Merkmale aufweisen.

Gerade die blaue Blume, die als DAS Sinnbild der Romantik gilt, spielt im Heinrich von Ofterdingen eine übergeordnete Rolle. Generell die Farbe Blau zieht sich als zentraler Gegenstand der Betrachtung durch die gesamte Erzählung.

Des Weiteren sind der erste und der zweite Teil durch ein Märchen zum Wesen der Dichtung, auf subtile Art und Weise verbunden, so dass der zeitliche Sprung zwischen „Die Erwartung“ und „Die Erlösung“ nicht zu einem Bruch in der Stilistik führen.
Dennoch muss der zweite Teil des Heinrich von Ofterdingen leider Fragment bleiben. Novalis verstarb drei Monate nach dem Beginn seiner Aufzeichnungen zur Erlösung.

Die vorliegende Ausgabe enthält aber neben dem fragmentarischen Roman auch noch einen Bericht Tiecks, der ein Freund Novalis' war, über die Fortsetzung des Heinrich von Ofterdingen. Er hält sich, nach eigener Aussage, kurz, um die Ideen Novalis', die er durch Bruchstücke und Erzählungen beobachten konnte, nicht zu verfälschen.
175 Seiten des Heinrich von Ofterdingen, die Novalis selbst schrieb, sind erhalten. 175 Seiten, die durch die Fülle philosophischer Betrachtungen nicht leicht zu lesen sind. Will man das ganze Ausmaß des Romans und von Novalis Aussagen begreifen, ist Konzentration und Durchhaltevermögen gefragt.

Alles in allem ist der Heinrich von Ofterdingen eines der klassischen romantischen Werke, seiner Zeit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen