Montag, 28. März 2011

Rezension: Dämonenkind - Cheysuli Saga 1 von Jennifer Roberson


Jennifer Roberson
Dämonenkind
736 Seiten
Verlag:Heyne 1.Dezember 2007
Originaltitel: Shapechangers Song of Homana 1
Taschenbuch
ISBN: 345352392X 

Kurzbeschreibung:
Alix hat eigentlich schon genug Probleme mit ihrer Schwärmerei für den Prinzen, doch dann gerät sie auch noch in die Hände der Cheysuli, ausgestoßenen Wilden, und muss feststellen, dass es für sie ein ganz anderes Schicksal gibt, als sie es sich erhofft hatte. Und dass sie die Aufgabe hat die Welt von falschen Überzeugungen rein zu waschen.“

Beim ersten Anlauf habe ich das Buch nach 80 Seiten erstmal zur Seite gelegt. Und auch jetzt, nachdem ich es beendet habe, bin ich noch immer zwiegespalten. Auf Grund des Klappentextes hatte ich in die Handlung große Hoffnungen gelegt. Ich bin dann zunächst erstmal ziemlich enttäuscht worden. Die Charaktere waren mir im ersten Teil bis auf den Stammesführer Duncan ausnahmslos furchtbar unsympatisch. Erstmal blieben sowieso alle Personen recht blass und gesichtslos, als sich das dann mit der Zeit etwas änderte, war ich verärgert über ihre Sturheit, ihren Egoismus oder ihre umgreifende Dummheit. Des Weiteren erfährt man bis zum Ende herzlich wenig über die Rasse der Cheysuli. Die Autorin vergeht sich in Anspielungen und verwirrenden Halberklärungen. Am Interessantesten blieben bis dahin noch die Lir, die Begleiter der Cheysuli-Männer. Das sogenannte Tahlmorra, war schon wieder zu verwirrend beschrieben um auch nur halbwegs verständlich zu sein.
Eigentlich passiert generell herzlich wenig. Manche Szenen und manche Dialoge haben durchaus Potential. Sie werden aber oft zu schnell abgehandelt, direkt abrupt abgebrochen oder nicht ordentlich ausgeführt. So wirkt die Geschichte an vielen Stellen zu sprunghaft und bleibt dadurch streckenweise unglaubwürdig.Auch manche Handlungen des Oberbösen, am Ende des ersten Teils, ließen an Logik vermissen. Der zweite Teil bedeutet einen ganz groben Bruch in der Erzählstruktur. Man muss nicht nur mit einem Zeitsprung von plötzlichen fünf Jahren zurecht kommen (obwohl der erste Teil nur unzureichend beendet wurde) sondern auch noch mit einem Wechsel von einer personalen Erzähler aus der Sicht der Protagonistin zu einem Ich-Erzähler aus der Sicht eines anderen Protagonisten.
Hat man im ersten Teil immerhin noch ansatzweise etwas von den Mysterien der Cheysuli mitbekommen, so beschränkt sich der zweite Teil sehr auf menschliche Intrigen und vorallem auf die Politik. Nichts wird ordentlich ausgeführt und so bleibt immer der Eindruck des Belanglosen.
Der Protagonist des zweiten Teils zieht immer mehr den Ärger des Lesers auf sich. Zumindest ging es mir da so. Er wirkt stur, uneinsichtig und scheint einen Fehler nach dem anderen zu begehen. Eine ganz bestimmte Handlung von ihm, sorgte dafür, dass er keinerlei Mitleid mehr von mir bekam, geschweigedenn freundliche Gedanken.
Dennoch werden auch noch einige interessante Figuren eingeführt, aber auch sie bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen eigentlich zugestanden hätte. Die meisten von ihnen werden auf möglichst einfache Weise ausgeklammert um dem Protagonisten weiterhin seinen Weg für seine Dummheiten zu ebnen. Oft wirken deshalb eingeführte Charaktere wie Lückenfüller.
Die wenigen Cheysuli Rituale, die noch eingeflochten werden, werden leider in unglaublicher Kürze und mit wenigen Details abgehandelt. Ebenso schafft es die Autorin nicht emotionale Momente tiefgehend zu beschreiben, es bleibt immer der Eindruck, von etwas Unfertigem, oder dem Versuch verzweifelt an einer Oberfläche zu kratzen.
Eigentlich schade, daher auch mein Zwiespalt, die Erzählelemente hatten einiges an Potential. Gerade die Cheysuli hätten eine Menge leisten können, da sie aber viel zu schnell in den Hintergrund geraten und nur noch als Mittel zum Zweck dienen, hat das Buch einfach zu viele Längen.
Mein Fazit:
Dieses Buch weist einige nette Details auf, bleibt aber oberflächlich und fährt nur blasse oder unsympatische, vorallem wenig glaubwürdige Charaktere auf.
Cover: Das Cover landet weder mit Farbe noch mit Gestaltung ein wirkliches Highlight. Es wirkt langweilig und in einer Buchhandlung vermutlich wenig ansprechend. Auch wenn der stilisierte Falke auf dem Buchdeckel durchaus Neugierde zu wecken weiß.
Preis: 9,95 Euro für ein deutsches Taschenbuch ist schon ok, auch wenn die Geschichte für den Preis etwas flach ausfällt. Bei über 700 Seiten mit relativ kleiner Schrift mehr als ok.

1 Kommentar:

  1. Hey, also ich stimme dir nicht wirklich zu. Mhm, um genau zu sein bin ich ein ziemlicher Fan von diesem Buch :D Mir gefällt vor allem, dass eben nicht immer alles gut ausgeht (wie das doch nur allzu oft der Fall ist...); dass die Charaktere alles andere als flach sind und ihre inneren Konflikte den Leser wirklich mitfiebern lassen. Desweiteren finde ich, dass Jennifer Roberson hier eine Welt erschaffen hat, in der es nicht an Fantastischem mangelt, ohne dass sie überfrachtet wirkt. Was man vielleicht insgesamt noch dazu sagen muss, ist, dass die Bücher auch als "Cheysuli-Zyklus" bezeichnet werden, was für mich mehr ausdrückt als "Cheysuli-Roman", wie es auf dem Cover steht. Roberson beschreibt hier nämlich die Schicksale mehrerer Generationen, vom Wiederaufstieg der Cheysuli und von der Machtpolitik rund um das Land Homana.
    Ich möchte dich keinesfalls belehren oder umstimmen, dass wäre ja auch Schwachsinn, im Gegenteil - ich wollte hier nur noch einmal die Gegenposition darstellen :) Ich finde deine Seite richtig gut :) Daumen hoch, weiter so! :D

    AntwortenLöschen