Montag, 28. März 2011

Rezension: Das Lied der Dunkelheit von Peter V. Brett

Peter V. Brett
Das Lied der Dunkelheit
800 Seiten
Heyne Verlag (4. Mai 2009)
Originaltitel: The painted Man
Taschenbuch
ISBN: 978-3453524767 

Kurzbeschreibung:
Jede Nacht kommen die Dämonen mit der Dunkelheit. Und jede Nacht verstecken sich die Menschen in ihren Häusern, nur geschützt durch uralte Siegel. Manchmal versagen die Siegel und die Dämonen kommen und holen die Menschen.
Als eines Tages bei einem Angriff seine Mutter ums Leben kommt, fasst Arlen einen folgenschweren Entschluss.“

Die Geschichte, die in „Das Lied der Dunkelheit“ erzählt wird, ist zwar sehr stringend verfasst, aber unglaublich vielschichtig.
Angefangen bei den Charakteren und deren Ambitionen, bis hin zur Welt und Kulturgestaltung. Brett verzichtet auf fadenscheinige Begründungen und platte Erklärungen und bleibt so unheimlich glaubwürdig.
Die Bedrohung durch die Dämonen, die schleichende Angst der Menschen und Arlens Entschluss etwas gegen die Feigheit der Menschheit zu unternehmen sind die Schlüsselthemen um die sich die ganze Geschichte rankt.
Ähnlich wie bei einer Biografie begleitet der Leser den Protagonisten (besser die drei sehr verschiedenen Protagonisten) von Kindesbeinen an durch ihr Leben. Er erlebt mit, wie Arlen immer älter wird, immer mehr Erfahrungen sammelt und zuletzt eine bemerkenswerte Entwicklung durchmacht.
Währenddessen erfährt der Leser immer wieder Neues von den unterschiedlichen Orten der fiktiven Welt und von den verschiedenen Lebensweisen der Bewohner.
Auch das Mysterium der Dämonen wird erst nach und nach entschlüsselt und bleibt auch am Ende nach wie vor geheimnisvoll.
Im Großen und Ganzen ist „Das Lied der Dunkelheit“ ein ganz bemerkenswertes Buch, das trotz der vielen Stationen und der sehr unterschiedlichen Protagonisten immer sehr rund erscheint. Man muss dazu sagen, dass Brett weder seine Protagonisten noch seine Nebencharaktere schont. Durch die Fehler und Schwächen der Figuren, bleiben fast alle Handlungsträger sehr real und der Leser bekommt die Möglichkeit sich mit ihren Entscheidungen und Einstellungen zu identifizieren, oder sich davon zu distanzieren.

Die Entscheidung sowohl den Prolog als auch einige Zwischensequenzen zwischen dem 16. und dem 17. Kapitel aus dem Buch heraus zu nehmen ist sehr gelungen.
Bei Ersterem bekommt der Leser die direkte Möglichkeit, die Welt aus Arlens Augen genauer wahrzunehmen, da er sofort in das direkte Geschehen hinein geworfen wird und nicht erst durch eine Einleitung aufgehalten wird.
Die Zwischensequenzen zu entfernen, halte ich für eine interessante Idee, da so die Ambitionen des Protagonisten tatsächlich deutlicher zu Tage treten.
Die herausgeschnittenen Szenen dann in dem Büchlein „Der große Basar“ als eine Art Kurzgeschichtensammlung zu verlegen, ist äußerst gelungen.
Ich habe auch diese wenigen Szenen mit Genuss gelesen. Nichts davon ist wichtig für die direkte Handlung, gibt aber (für Liebhaber) einen schönen Einblick in die Gefühlswelt verschiedener Nebenpersonen.
Das kurze krasianische Lexikon dagegen empfand ich als überflüssig, die kurze Liste der eingeführten Siegel aber waren sehr interessant, da es durch die Komplexität der Siegel nicht so einfach ist, sie durch eine einfache Beschreibung darzustellen.

Man kann sowohl erst „Das Lied der Dunkelheit“ lesen und dann die Kurzgeschichtensammlung, als auch beide Bücher in chronologischer Reihenfolge. Das wird dadurch begeünstigt, dass unter jeder Kapitelnummerierung auch die fiktive Jahreszahl steht.

Cover: Ein sehr schönes, farblich interessantes, aber wenig aufdringliches Cover, mit einem schönen hervorgehobenen Schriftzug. Allein die Größe des Formats ist ein wenig unhandlich, sieht im Regal aber sehr sehr schön aus.

Preis/Leistung: 15 Euro ist nicht wenig. Aber für diese wunderbar durchdachte Geschichte niemals zu viel.

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