Montag, 28. März 2011

Rezension: Der Schatten des Windes/Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafon

Carlos Ruiz Zafon
Der Schatten des Windes:
563 Seiten
Verlag: Suhrkamp (1. August 2005)
Originaltitel: La Sombra del Viento
Taschenbuch
ISBN: 3518458000

Carlos Ruiz Zafon
Spiel des Engels:
720 Seiten
Verlag: S. Fischer (10. November 2008)
Originaltitel: El Juego del Ángel
Gebunden
ISBN: 3100954009 

Wenn man mich fragt, ist "Der Schatten des Windes" ein Meisterwerk.

Kurzbeschreibung:
Daniel, der Protagonist der Geschichte, wird eines Tages von seinem Vater zum Friedhof der vergessenen Bücher gebracht und das Buch, das ihm dort in die Hände fällt wird mehr und mehr zur Obsession. Ein Unbekannter und seine unbändige Neugierde auf den Autor des Buches führen dazu, dass sich Daniel immer mehr in der Vergangenheit fremder Personen verstrickt und bald selbst in Gefahr gerät. Für ihn wird es immer schwieriger zu erkennen, was Wahrheit war und was Lüge.“

Es ist, wenn auch die ersten 30 Seiten etwas langatmig wirken, eine wunderbare spannende Geschichte. Zafon erzählt dicht und düster, nutzt unheimlich viele Bilder, er malt mit seinen Worten quasi Bilder. Die Charaktere habe Tiefe und sind mit Liebe zum Detail ausgearbeitet worden, jede Figur hat seine Schwächen und seine Stärken. Zafon entwickelt geheimnisvolle Hintergründe und Beziehungen, führt den Leser zu Orten und Zeiten, die fast mystisch wirken.
Hat man einmal angefangen mit dem Buch, muss man weiter lesen, denn auch der Leser befindet sich in den erdrückenden Wirren, einer geheimnisvollen Vergangenheit. Ich als Leser "musste" unbedingt wissen, was mit den Personen der Vergangenheit geschehen ist. Ich habe mit gefiebert und später auch mitgelitten. Ich hatte Angst um den Protagonisten und nicht nur um ihn.
Meine Lieblingsfigur, Fermin, besaß Witz und diesen stichelnden Humor, den ich so sehr geliebt habe. Auch er diente nicht als Lückenfüller, jedes Detail hatte seine Wichtigkeit.
Abstrakte Werte wie Treue, Liebe, Hoffnung und vorallem die Liebe zum Schreiben, werden hervor gehoben. Zafon verdichtet sein Werk bis es sich am Ende in einem leisen Höhepunkt entfaltet.
Von mir bekommt das Buch 10 von 10 Punkten. Eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe.


Um so enttäuschter war ich von
"Spiel des Engels", seinem nächsten Werk für Erwachsene.

Kurzbeschreibung:
Der Protagonist des Buches ist ein einfacher junger Mann, der Lust daran hat zu schreiben. Seine ersten Geschichten werden berühmt, aber dennoch verstrickt er sich immer mehr in der Leidenschaft zu Schreiben. Als dann auch noch ein geheimnisvoller Verleger auftaucht und ihm ein seltsames Angebot unterbreitet, verliert er sich immer mehr zwischen der Welt auf dem Papier und seiner eigenen Realität. Dieses Leben hat seinen Preis.“

Von Anfang an hatte ich das Gefühl eine abgekupferte Geschichte von „Der Schatten des Windes“ zu lesen. Die Figuren blieben oberflächlich, wenn sie auch in Ansätzen alle an die Figuren aus "Der Schatten des Windes" erinnerten. Die Figuren schienen nur neue Namen bekommen zu haben.
Ich hatte zwischendurch das Gefühl, Zafon hat sich eine Geschichte ausgedacht, die nicht wirklich schlüssig ist, die auch nicht logisch aufgelöst wird. Als habe er sie willkürlich mit einigen Figuren besetzt, die alle mal mehr mal weniger mit dem Plot zu tun hatten, hat den Protagonisten wild von einem Ort zum anderen laufen lassen, die alle etwas mit der Hauptgeschichte zu tun hatten und dann aber auch wieder nicht.
Nicht alle Stränge sind ordentlich am Ende zusammen geführt worden. Die meisten nur so im Hintergrund. Ich war wirklich enttäuscht von der Erzählung.
Nichts desto trotz hat Zafon nicht seine Fähigkeit verloren stilistisch wundervolle Bilder zu malen, seine Sprache hat keinesfalls an Qualität verloren. Aber er schafft es nicht, sie in seine Erzählung glaubwürdig einzuflechten. Mir hat die Tiefe seiner ersten Erzählung gefehlt.
"Spiel des Engels" konnte mich nicht fesseln. Ich konnte es zwar recht schnell lesen, aber auch nur, weil ich die Hoffnung hatte, dass der Autor endlich etwas mehr auflösen würde und das vorallem auch stringend.
Ich habe mich getäuscht.
Nichts desto trotz gab es auch in diesem Roman sehr emotionale und dramatische Szenen. Sie waren zwar nicht so perfekt in die Geschichte integriert, wie in „Der Schatten des Windes“, aber durchaus gleichbleibend packend und aufwühlend.

nur 6 von 10 Punkten

Wenn ich eine Empfehlung aussprechen dürfte, würde ich den Lesern empfehlen, entweder nur das erste, oder nur das zweite Buch zu lesen, nicht beide. Allein stehend mag "Spiel des Engels" noch etwas wett machen, aber im Vergleich zu seinem Vorgänger einfach schlecht.
Ich würde empfehlen, "Der Schatten des Windes" zu lesen und das zweite im Buchhandel stehen zu lassen. Für alle wirklich großen Fans wäre aber auch „Spiel des Engels“ kein großer Fehlgriff. Wenn man von einigen Unschlüssigkeiten absieht, hat das Buch zumindest noch ein wenig zu bieten. Auch nicht das schlechteste Buch, das ich gelesen habe.
Ich kann trotzdem nicht begreifen, warum das zweite Buch in Spanien besser verkauft wurde, als das erste.

Cover: "Schatten des Windes"
Naja, nichts besonderes, aber durchaus passend. Irgendwie hat es mich trotz seiner Schlichtheit in der Buchhandlung angesprochen.
Cover: "Spiel des Engels"
Ähnliche Aufmachung. Habe das Buch aber als liebevoll gestaltetes Hardcover im Regal stehen und will es da auch nicht missen.

Preis/Leistung: "Der Schatten des Windes"
9,90 Euro Ohne Frage ein lohnenswerter Preis. Hätte ich sogar mehr für gezahlt.
Preis/Leistung: "Spiel des Engels"
24,95 Euro für ein Hardcover. Ich weiß, dass ist der ganz normale Hardcover Preis (sind mir meistens eh zu teuer) aber für diese, im Vergleich, recht schwache Geschichte einfach zu viel.

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