Montag, 28. März 2011

Rezension: Der Schattenbote - Fitz Weitseher (1) 2 von Robin Hobb

Robin Hobb
Der Schattenbote
60 Seiten
Heyne Verlag (1. September 2009)
Royal Assassin Farseer 2
Taschenbuch 

Des Königs Meuchelmörder ist ein würdiger Nachfolger zu Teil 1 „Der Weitseher“.

Kurzbeschreibung:
Fitz ist an den Eid seinem König gegenüber gebunden. Er tut alles was in seiner Macht steht um seine Heimat vor fremden Eindringlingen und den Intrigen Prinz' Edels zu schützen. Aber nicht nur seine verbotene Liebe stellt sich ihm in den Weg, auch politische Machenschaften machen ihm das Leben schwer. Und dann ist da noch diese verbotene Gabe, von der niemand wissen darf, dass er ihrer mächtig ist.“

Das erste Drittel des Buches ist deutlich langatmiger, als man es aus dem ersten Teil gewohnt ist. Viele Szenen scheinen nur Hintergrundmaterial zu sein und die vielen Wiederholungen machen es dem Leser schwer, sich sofort in das Buch hineinfallen zu lassen. Man erwartet hier zu Unrecht heroische Schlachten, spannende Action oder magisches Feuerwerk. Nach und nach taucht man in Fitz' Alltag ein, erlebt seinen Tagesablauf mit und erfährt immer wieder Neues. Auch der Alltag anderer Charakter (auch den von Nebencharakteren) wird dem Leser durch Fitz' Augen näher gebracht. Im Nachhinein hat mir gerade das an dem Buch sehr sehr gut gefallen.
Fitz' große Liebe, Molly, zum Beispiel ist eine von ihnen. Auch sie wird als Figur deutlich näher beleuchtet und tiefgehend charakersiert. Mir persönlich war sie unsympatisch, aber weder blass noch gestaltlos.
Gerade das ist eine große Fähigkeit von Robin Hobb. Allen ihren Charakteren, facettenreiche Eigenschaften zuzugestehen, ob sie nun positiv auffallen sollen, oder negativ. Molly ist also, wie so viele andere auch, ein sehr glaubwürdiger Charakter, wenn auch launenhaft und wankelmütig.
Dennoch war ich wenig begeistert, dass sich Hobb sehr auf diesen Charakter versteift. Am Anfang habe ich mich nur über sie geärgert, später war ich ihrer schnell über.
An manchen Stellen habe ich mir doch sehr gewünscht, dass die Geschichte andere Wendungen nimmt, als sie es dann tat. Aber auch das ist nur zugunsten der Autorin zu verstehen. Sie schafft es immer wieder den Leser zu überraschen ohne dabei ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Im Verlauf der Geschichte zeigt sich dann aber, dass Hobb nicht nur begnadet schreibt, wenn es um ruhige Szenen geht, sondern dass sie ihr Handwerk auch bei spannungsgeladenen und actionreichen Szenen versteht.
Die Kampfszenen gegen die roten Korsaren gefielen mir ausgenommen gut. Sie wirkten überaus authentisch. Auch begeht die Autorin hier nicht den Fehler Fitz als einen Überhelden darzustellen, oder ihm übermächtige Fähigkeiten zuzuschreiben. Er hat seine Stärken, das ist wahr, aber im Großen und Ganzen zeigen sich hier auch die ersten Anzeichen seiner Schwäche, die ihm später noch zum Verhängnis werden sollen.
Dennoch hätte ich mir hier etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Einige Details wurden leider nur angerissen und nicht ordnungsgemäß zu Ende durchdacht. Hier kann man nur hoffen, dass sie auch im dritten Teil eine größere Rolle spielen werden. Doch solche Momente kamen nur sehr selten vor und hinterlassen beim Leser nur ein geringes Gefühl von Unvollständigkeit.
Dieses Ausbrechen aus Fitz' Alltag ist also sehr sehr gut gelungen, macht die Geschichte insgesamt stimmig und bildet mit den vielen Andeutungen sicher eine großartige Gesamtkomposition.
Fitz' „Magie“ steht natürlich auch immer mal wieder im Vordergrund. Anders als in einigen anderen gängigen Romanen jedoch ist seine Magie nicht die Erklärung für Alles und Jeden sondern birgt mehr Schwierigkeiten als Annehmlichkeiten.
In diesem Zusammenhang steht dann natürlich eine weitere Figur, die essentiell für den Roman ist. Nachtauge, der Wolf. Am Anfang nicht unbedingt der größte Sympatieträger, aber mit der Zeit eine Figur, die aus dem Buch nicht mehr wegzudenken ist. Seine Eigenschaften und sein Wesen fesseln den Leser und tragen einen Großteil der Handlung.
Vorallem für das Ende ist er mehr als wichtig.
Viele Dinge bleiben überraschend, andere werden quasi herbeigesehnt. Durch Hobbs Fähigkeit Hintergründe und emotionale Szenen einzustreuen bleibt jedoch der Spannungsbogen bis zum Ende erhalten, ohne den Leser zu langweilen.
Und das Ende ist dann noch mal der Höhepunkt des ganzen Werks. Es ist spannend, überraschend, ruhig aber auch actiongeladen und vorallem emotional.
Das Werk endet mit einem Cliffhangar. Weiter zu lesen ist also fast schon ein Muss.

Alles in Allem kann ich nur sagen, vereint das Buch meisterhaft alles was man sich nur wünschen kann. Es gewinnt immer mehr an Tiefe, die Figuren werden restlos alle bis ins Detail ausgearbeitet, es gibt Überraschungen, viele Wendungen und wunderschöne Details. Dialoge und Weltengestaltung sind authentisch. Ebenso wie der Protagonist und Ich-Erzähler Fitz Chivalric Weitseher.

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