Montag, 28. März 2011

Rezension: Die Stimme der Wölfe - Gallica 1 von Henri Lovenbruck


Henri Loevenbruck
Die Stimme der Wölfe
448 Seiten
Verlag: blanvalet 1. Auflage (10. November 2008)
Originaltitel: Gallica 01 – Le Louvetier
Taschenbuch
ISBN: 3442266009 

Kurzbeschreibung:
Bohem, der Sohn eines Wolfsjägers, hat eine besondere Beziehung zu den Nebeln, gejagden Fabelwesen, von denen es nur noch wenige gibt. Als er in einer Nacht einen Wolf vor dem Feuertod rettet begibt er sich damit in ein großes Abenteuer und ebenso in große Gefahr..“

Grob gesagt lebt das Buch von einer schönen Idee, wartet aber mit einem recht schlechten Stil auf.
Mal davon abgesehen, dass ich Bücher nicht besonders mag, in denen machtpolitische oder kirchenpolitische Scherereien die Hauptrolle spielen, ist das Buch auch einfach etwas zu ungewogen.
Der Klappentext verspricht eine magische Geschichte über die geheimnisvolle Verbindung zwischen Bohem, dem Sohn eines Wolfjägers und den Nebeln, seltenen und gejagten Fabelwesen. Doch in der ersten Hälfte des Buches gibt es gerade mal zwei oder drei Andeutungen zu diesem Thema. Der Rest besteht aus Bohems Flucht, vor all seinen Häschern und den ganzen Ränkespielen zwischen christlicher Kirche, der Krone des einen Landes und natürlich der Krone eines anderen Landes.
Loevenbruck versucht dann mit den geheimnisvollen Handwerksgesellen noch etwas Fahrt in das Buch zu bekommen, führt aber hier meiner Meinung nach einfach viel zu wenig aus und lässt das Thema dann als zu bald wieder fallen.
Auch an der Schreibweise habe ich etwas zu meckern. Die ständigen inneren Monologe aller handelnden Personen wirken mit der Zeit etwas überzogen und mit all den ganzen Widerholungen unglaubwürdig.
Manchmal konnte man das Gefühl haben, dass Loevenbruck mit seiner Erzählung in eine Sackgasse geraten ist und dann händeringend Veränderungen in der Denkweise der Figuren gesucht hat. Daher wirken viele Meinungsumschwünge, plötzliches Herausfinden von irgendwelchen Intrigen und irgendwelche wahnhaften Neigungen erzwungen.
Ständig tauchen Figuren auf, die dann nur wenige Szenen später wieder verschwinden, sterben, fliehen oder einfach zurück gelassen werden, nur damit dann drei Seiten später wieder neue Figuren auftauchen.
Manchmal kann man auch, wenn man böse sein will, behaupten, Loevenbruck arbeite viel zu häufig mit dem Motiv des Deus ex Machina. Die Geschichte bekam kaum Eigenfortschritt, immer hatte man als Leser das Gefühl, so hier ist Ende, hier geht es nicht weiter und zonk tauchte dann wieder eine neue (oder eine Alte) Figur wieder auf um Bohem aus der Klemme zu helfen.
Generell sind zwar die Namen der Handelnden sehr schön gewählt, aber den Protagonisten, wenn man ihn denn so nennen kann, fand ich regelrecht unsympatisch. Ihm wird geholfen und das einzige was er kann (und das über 400 Seiten lang) ist nur fliehen, wegrennen, heulen, jammern und dann jemandem vor den Kopf stoßen und dann, ja wer erahnt es, wieder fliehen.
Die letzten 70 Seiten sind aber nach der all der großen Kritik relativ lobenswert zu erwähnen. Hier treten Bohems Kräfte und die Fabelwesen tatsächlich etwas in den Vordergrund und werden Hauptbestandteil des Romans. Auch die sich ewig wiederholenden Träume Bohems, die lange, lange stagnierten und in denen nichts Neues geschah, werden hier zu einem halbwegs sinnvollen Abschluss gebracht. Außerdem finden hier auch wieder ein paar andere Charaktere zusammen, die (so hoffe ich) im nächsten Band gemeinsam eine Rolle spielen werden.
Auch wenn die beginnende Liebesgeschichte irgendwie belanglos auf mich wirkt.
Im Epilog dagegen schafft es Loevenbruck zum ersten Mal mich zu überraschen. Eine Wendung tritt ein, die ich nicht erwartet hätte und über die ich im nächsten Teil gerne mehr erfahren würde.
Mein Fazit:
Schöne Idee, schlechte Umsetzung, viel zu viele innere Monologe, die an Unglaubwürdigkeit nicht zu übertreffen sind, teilweise recht blasse oder unsympatische Charaktere, viel zu wenig Magie und Geheimnis, dafür viel zu viel Inquisitionsgehabe der christlichen Kirche und zu viel machtpolitisches Blabla zwischen dem König von Gallica und dem König von Brittia.

Leider nur 4,5 von 10 Punkten

Cover: Nun gut. Es ist bräunlich. Die Farbe mag passend wirken, aber diese posende Männerfigur in rotem Umhang mit der Waffe in der Hand ist einfach total überzogen und äußerst unpassend. Keine Ahnung wen diese Abbildung darstellen soll, symbolisiert sie in meinen Augen doch nur das Machtgehabe der Mächtigen.
Preis/Leistung: 8,95 Euro ist natürlich ok für ein deutsches Taschenbuch und für die Geschichte immerhin noch zu verkraften. Nur mehr, würde ich für diese miese Umsetzung nicht ausgeben

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