Montag, 28. März 2011

Rezension: Drachenfluch - Drachenerdesaga 1 von Alfred Bekker

Alfred Bekker
Drachenfluch
400 Seiten
Verlag: Weltbild
Gebunden
ISBN: 978-3-8289-9778-3

Dieser Roman ist amüsant, nur leider unfreiwillig amüsant.

Kurzbeschreibung:
Raijin wächst unter dem fremden Namen Bjonn, bei dem fremden Volk der Seemannen auf, immer begleitet von der geisterhaften Stimme eines Weisen in seinem Kopf.
Als sich unerklärliche Geschehnisse in seinem Umkreis häufen, muss er fliehen und steht plötzlich ungewollt vor seinem düsteren, weiteren Schicksal.“

Bekker hat im Großen und Ganzen durchaus fantastische Ideen zur Gestaltung, Geschichte, Bevölkerung, Kultur und Religion seiner Welt, leider gelingt es ihm nicht, diese Fragmente so miteinander zu verbinden, dass sie glaubwürdig und unterhaltsam werden.
Die Geschichte in „Drachenfluch“ folgt klassischen Motiven der Fantasy:
Elternloser Thronerbe (natürlich ist er unwissend) wächst bei Fremden auf und muss sich plötzlich aufmachen, seinen rechtmäßigen Thron zurück zu erobern und die Welt vor finsteren Gefahren zu schützen.
Soweit so gut. Diese Plotkonstruktion bietet keine Neuheiten, kann aber trotzdem, bei guter Umsetzung, ansprechend wirken.
Bei diesem Buch ist das nicht der Fall.
Die Charaktere, sowohl die Guten als auch die Schlechten (wie nicht anders zu erwarten herrscht hier ein extremes Schwarz-Weiß-Denken) bleiben unnötig blass und entwicklungsarm. Ihre Vorhaben und ihre Pläne sind durchweg belanglos und nur ebenso wechselhaft, wie es für den Fortgang der Geschichte notwenig ist.
Jegliches emotionales Konfliktpotential wird durch die Einseitigkeit der Figuren ins Lächerliche gezogen.
Der Weise, der immer nur in Andeutungen spricht und dem Leser damit gehörig auf die Nerven geht. Der Thronerbe, der sich nichts sagen lässt, von einer Gefahr in die andere stolpert (Natürlich auf Grund seiner außergewöhnlichen Kräfte immer wieder davon kommt) und der grundlos arrogant ist.
Ein Bösewicht mit dem Verstand einer Kruste Brot (wenn er sabbernd auf einem Stein sitzt, würde das auch keinen Unterschied in der Geschichte machen) und natürlich einem Haufen böser Kumpanen, die alle einfach ganz fürchterlich böse, sadistisch und schlecht sind.
(Etwa so: „Herr, was sollen wir mit ihnen machen?“ - „Tötet sie!“ - „Oh, darf ich sie vorher foltern?“ - „Nein, töte sie“ ….)
Überspitzt gesagt definieren sich die Bösen, durch übertriebenes Gemetzel, großartiger Dummheit und einem gewissen, recht einseitigen Sadismus.
Alle außer der Held sind schwach und werden vom Feind besiegt. Der Held entkommt jeder Gefahr immer auf die gleiche Weise.
Szenen, die Spannung hätten bieten können, werden in wenigen Sätzen abgehandelt und hinterlassen beim Leser ein recht unbefriedigendes Gefühl. Auch der Hauptkonflikt bzw. Endkonflikt wird wie eine Belanglosigkeit behandelt und ist recht spannungsarm. Ein paar Tote, die Großartigkeit des Helden und ein bisschen Herzschmerz (der schnell vergessen ist und unglaubhaft wirkt)
Auch eines der zentralsten Motive des Romans wird nur in einem Nebensatz erwähnt und ab da an als gegeben hingenommen.
Der Großteil der Seiten ist von Nebensächlichkeiten überfüllt. Einfache Fakten, die immer und immer wieder, fast wortwörtlich wiederholt werden.
So wusste ich nach der zehnte Wiederholung, dass Riesenschneeratten eine gute Nase haben, dass Seemammuts gefährlich sind und dass der Schicksalsgott meinstens betrunken ist.
Da im Gesamtroman nicht viel Wichtiges passiert, wird dem Leser enorm viel Geduld abverlangt. „Drachenfluch“ ist ein, in meinen Augen, enttäuschender Roman, den man nach Beendigung der Lektüre mit einem Schulterzucken zur Seite legt.

3, 5 Punkte von 10

Cover: Das Cover ist für Jüngere Leute sicher ansprechend. Schön dunkel, etwas mysteriös. Leider alles nur schöner Schein.

Preis/Leistung: Bei Weltbild gab es die gesamte Trilogie (je Buch 400 Seiten, Hardcover) für 12,94 Euro. Der Einzelpreis ist also schwindend gering. Bei dem belanglosen Inhalt aber, ist mit fast jeder Cent zu viel.

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