Montag, 28. März 2011

Rezension: Verrat - Kushiel 2 von Jacqueline Carey


Jacqueline Carey
Verrat
9,95 Euro
Taschenbuch
864 Seiten
Heyne Verlag (1. September 2009)
Originaltitel: Kushiel's Chosen 

Kurzbeschreibung:
Phedre führt ein glückliches Leben mit ihrem Gefährten Joscelin, aber die Bilder der Vergangenheit lassen sie nicht in Ruhe. So ersinnt sie einen gefährlichen Plan und begibt sich auf eine verhängnisvolle Reise. Allein, nur begleitet von ihren treusten Freunden, stellt sie sich ihrem schlimmsten Albtraum.

Das Buch lässt mich doch sehr zwiegespalten zurück.
Einerseits kann ich nur immer wieder den großartig, poetischen Sprachstil der Autorin hervorheben. Auch in der Übersetzung ist er sehr gut eingefangen und wiedergegeben. Sie kann alles, auch wirklich alles auf unglaublich ästhetische Art und Weise beschreiben.

Ich war auch sehr zufrieden mit dem ersten Teil (also mit den ersten 200-250 Seiten).
Ähnlich wie im ersten Teil (Das Zeichen) gefiel mir die Zeit in Terre D'Ange sehr gut. Mystisch, politisch, poetisch und emotional, doch sobald das vertraute Territorium verlassen wird (im ersten Teil auf diese seltsamen Inseln und dann nach Skaldia) im zweiten Teil nach La Serenissima, beginnt bei mir zunehmend die Langeweile.
Ständige Wiederholungen, wie viel Geduld Phedre aufbringen muss, wie oft sie warten muss, wie viel Langweile sie hat. Irgendwann übertragen sich genau diese Umstände auch auf den Leser. Intrigen hin oder her, aber es passierte lange Zeit einfach nichts.

Für einen kurzen Moment, als das Problem zu einem Höhepunkt kommt, konnte Carey mich wieder überraschen. Aber die Handlung flachte sehr schnell auch wieder ab. Dann kam La Dolorosa und ich hatte Hoffnung, dass jetzt wieder Spannung aufkommen würde. Aber ich lag daneben. Wieder geschah lange Zeit einfach nichts. Dann wieder ein kurzer Moment Action. Viel Leid, viel Schmerz und ständige Selbstzweifel und Selbstmitleid. Da habe ich mich stellenweise durch das Buch beißen müssen. Aber man hat ja Hoffnung, dass es wieder besser wird.

Irgendwann habe ich zwischendurch einfach die Nerven verloren und das Buch zur Seite gelegt. Für diesen Band habe ich im Vergleich zu anderen Büchern extrem lange gebraucht.
Als ich es wieder zur Hand nahm, wurde ich mit einigen interessanten Szenen mit den Illyriern und auf Kriti belohnt. Aber wie gesagt, auch das beschränkte sich auf einige Szenen. Die meiste Zeit wird das Innenleben der Protagonistin beleuchtet. Und Phedre wurde mir zunehmend unsympathischer. Gott sei Dank führt Carey einige neue Charaktere ein, die mit ihrem Charme und ihrem Lebensgeist ein wenig Pepp in die Sache bringen.

Der große Showdown war vorhersehbar und irgendwie zu gestreckt. Mit einigen Sachen war zwar nicht zu rechnen, aber die permanente Schwäche der Hauptfigur ging mir irgendwann so sehr auf die Nerven, dass ich das Buch am liebsten gegen die Wand geschmissen hätte.
Erst als sich einige der Intrigen endlich auflösten kam wieder etwas mehr Fahrt auf. Ich bekam auch mehr über die Sympathieträger der Geschichte zu lesen und das entschädigte mich dann doch ein wenig.
Am Ende musste ich mich wieder zusammen reißen um nicht vor Ärger die Seiten herauszureißen. Ich finde diesen Trend unmöglich, eine unglaublich schwache Figur zu einer Heldin zu machen und sie am Ende dann mit allen Ehren und so weiter zu belohnen, obwohl die ganzen Figuren um sie herum, die eigentlichen Helden gewesen sind. Das wird ganz oft vollständig, oder auch nur zum Teil außer Acht gelassen und das ärgert mich.
Manchmal wirkt das einfach ein wenig zu gestellt.
Auch hat das Buch „Begründungsschwächen“ nenne ich das mal. Damit meine ich, dass einige Beweggründe der Figuren einfach nicht nachvollziehbar sind und überzogen wirken. Da hätte man sich an manchen Stellen deutlich mehr Mühe geben können, was schade ist.

Ich hoffe sehr, dass es sich hier um den obligatorischen, meist eher schwächeren zweiten Teil einer Trilogie handelt und der dritte Teil an die Brillianz des Ersten anschließen kann. Trotz meiner eher negativen Meinungen ist „Der Verrat“ nicht schlecht. Vor allem ist er sprachlich überzeugend. Daher werde ich auch mit Sicherheit auch den dritten Teil noch lesen.

Preis und Cover sind vollkommen in Ordnung. Das Cover entspricht der Geschichte, ohne aufgetragen zu wirken. Da das Buch sowohl in einer teureren, als auch in einer günstigeren Ausgabe zu haben ist, ist wohl für jeden Geschmack etwas dabei.
Wobei ich sagen muss, dass die kleinere, billigere Ausgabe doch etwas handlicher ist, als die andere.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen