Sonntag, 3. April 2011

Rezension: Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley

Marion Zimmer Bradley
Die Nebel von Avalon
1117 Seiten
Fischer - 2. Mai 1999
ISBN: 978-3596282227
Taschenbuch
9,95 Euro

Kurzbeschreibung:
Die Artus Saga einmal aus gänzlich anderer Sicht. Morgaine ist nicht nur die böse Hexe, als die sie gerne hingestellt wird. Sie ist gleichzeitig Frau und Liebende und Spielball in einer Fülle von Intrigen. Wie sie es dennoch schafft ihr Leben und ihre Aufgabe zu meistern, wird in „Die Nebel von Avalon“ berichtet.“

Die ersten drei Viertel des Buches haben mich richtig gefesselt. Ich konnte kaum aufhören zu lesen, ich war fasziniert von dem neuen Blickwinkel. Morgaine wird mit viel Tiefe und Liebe beschrieben und ermöglicht es dem Leser so, sich absolut in sie zu vertiefen. Ihre Freude und ihr Leid und die Neuartigkeit von Avalon ziehen den Leser in seinen Bann.
Was habe ich Avalon geliebt, all die Beschreibungen der Natur und der Magie, die zwischenmenschlichen Ansätze und die Interaktion der Charaktere. Wie habe ich mit Morgaine gehofft und gelitten.
Aber das letzte Viertel zog sich für mich nur noch hin, es wurde immer etwas abstruser, immer wirrer, immer ungeplanter. Die wirklich wichtigen Szenen wurden kürzer, die weniger wichtigen Szenen, aber endlos lang ausgebaut. Ich hatte Schwierigkeiten der Geschichte zu folgen und war emotional immer weniger involviert.
Der Schwerpunkt lag dann noch extremer auf dem Akt geschlechtlicher Liebe, als in den ersten Vierteln des Buches. Und zwar fast ausschließlich. Die Intrigen, die geschmiedet wurden, rückten in den Hintergrund und wenn sie doch wieder am Rande beschrieben wurden, basierten sie auf dem Liebesspiel zwischen den Charakteren. Das eigentliche Drama der unerwiderten Liebe verkommt zu einer Farce. Wo mich jene Szenen zu Beginn noch mehr als fesseln konnten, geraten sie im Verlauf der Erzählung immer mehr zu Lückenfüllern.
Dennoch schafft es die Autorin auch auf den letzten Seiten immer wieder Stellen einzubauen, die mich berührt haben. Gerade die kurze Nebenhandlung um Nimue hat mir sehr gut gefallen. Sie wurde zwar nur kurz erwähnt und war eine der tragischsten Personen in dem Intrigenspiel, aber gerade dieser Abschnitt der Geschichte hat mich ganz besonders ergriffen.
Im Großen und Ganzen ist die Atmosphäre des Buches aber gleichbleibend spannend und mystisch zu gleich. Der Schreibstil der Autorin ist poetisch und wundervoll und nach dem Lesen bleibt ein angenehmes Gefühl zurück.
„Die Nebel von Avalon“ ist aber ein Buch, dass man durchaus mehrfach lesen kann. Durch seinen Facettenreichtum bleiben immer einige Szenen beim ersten Lesen auf der Strecke, die bei einem erneuten Durchgang zu mehr Aufmerksamkeit führen können.
Alles in Allem haben mir die Nebel aus dem Avalonzyklus am besten gefallen. Das Buch ist einfach gewichtiger und mit mehr Strängen behaftet, als zum Beispiel „Die Wälder von Albion“.

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