Sonntag, 3. April 2011

Rezension: Melliandra – Das Buch der Worte 1 von J.V. Jones

J. V. Jones
Melliandra
Bastei Lübbe 1997
ISBN: 978-3404283040
Gebundene Ausgabe 

Kurzbeschreibung:
Eine Prinzessin verweigert die Hochzeit, ein Küchenjunge entdeckt seine magischen Fähigkeiten, ein ehrenhafter Ritter jagt die Erfüllung einer Prophezeiung.

„Melliandra“ ist eines der schlechtesten Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe und das ist bei Weitem nicht übertrieben.
Angefangen schon beim Schreibstil, konnte mich die Autorin nicht überzeugen. Spannung wurde einfach durch Gewalt, Mord und Vergewaltigungen (Folter, widerlichem Essen und schlechten Sexszenen usw.) ersetzt.
An den Stellen, wo tatsächlich etwas Aufregendes hätte passieren können, widmet die Autorin ihren Figuren nur wenige Sätze und die Szenen sind vorbei.
Emotionale Identifikation oder Tiefe sucht man hier vergeblich. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass Jones tatsächlich etwas aufgebaut hat, dass sich etwas Spannendes ereignen könnte, aber dann lässt sie den Leser doch wieder in belanglosen Phrasen und Floskeln hängen und jegliche Erwartungshaltung wird nicht erfüllt.

Die Figuren sind ebenfalls ganz fürchterlich. Die Antagonisten sind absolut widerlich beschrieben. Ihre Absichten und ihre Verhalten ist vollkommen verdorben. Es ist für mich nicht realistisch, dass es in einer Welt nur notgeile, vergewaltigende, mordende und lüsterne Figuren gibt.
Selbst die Nebenfiguren sind ein totaler Fehlgriff. Ihre Dialoge sind die meiste Zeit über vollkommen unnütz und dienen ebenfalls nur dazu, einige derbe Lücken zu füllen.
Auch die Protagonisten, oder vor allem die Protagonisten, sind nicht besonders aufregend. Jack, der Küchenjunge, entdeckt seine neuen magischen Kräfte (nachdem er erst mal eine Weile nur beschimpft und geprügelt worden ist) und Melliandra, die Tochter eines Adligen weigert sich einen gewalttätigen und ekelhaften Prinzen zu heiraten.
Mal davon abgesehen, dass diese Geschichten schon 1000 Mal verwendet worden sind, geschieht das hier auf keinerlei innovative Weise. Die Figuren sind langweilig und ohne Tiefe.
Tawl, der Held, der im Zusammenhang mit der Prophezeiung steht, hat auch nicht viel besseres zu tun, als sich bei einer Prostituierten einzuquartieren und seinen Trieben freien Lauf zu lassen.
Generell störte mich das Triebhafte der Figuren.
Melliandra wird zwischendurch von irgendwelchen trieb gesteuerten Dorfbewohnern gefoltert und auch Jack wirft jeder halbwegs ordentlichen Frau lüsterne Blicke nach.

Manchmal wurde sogar Szenen aus der Vergangenheit der Handelnden beschrieben, was ich eigentlich sehr gerne lese, aber erstens werden Dinge offenbart, die vollkommen unwichtig sind und zweitens immer auf brutale und widerliche Art.
Ich kann nicht sagen, dass mir ein Buch gefällt, wo häusliche Gewalt und Missbrauch auf jeder zweiten Seite beschrieben wird und dabei eine vernünftige Handlung ersetzt.

Jones nimmt kein Blatt vor den Mund. Ich würde gern sagen, dass ihre Wortwahl oft ins Obzsöne abschweift, aber das wäre nicht ganz korrektl. Ihre Wortwahl besteht zu 99 % aus Perversitäten.
Auch das Argument, dass Jones damit nur die wahre Natur des Menschen aufzeigt, finde ich etwas gewagt. Denn alle Figuren bleiben durchgehend unglaubwürdig und unrealistisch.
Denn auch ein dicker Mann, der in einem Kellerverlies sitzt und Känguruhoden alá Urin und verdorbenes Fleisch in sich hinein stopft, kann mich nicht recht überzeugen.

Mein Fazit:
Das Buch hat mir den letzten Nerv geraubt. Ich habe mich noch nie so sehr über die Figuren eines Buches geärgert und mich bei einer so nichtssagenden Handlung gelangweilt. Die Erzählung strotzt nur so von Klishees und billigen Anspielungen.
Die allgegenwärtige Gewalt und der Missbrauch haben mir das Buch dann vollständig verleidet.

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