Mittwoch, 13. April 2011

Rezension: Tarean – Sohn des Fluchbringers von Bernd Perplies

Bernd Perplies
Tarean – Sohn des Fluchbringers
Lyx Egmont (15. Aug. 2008)
ISBN: 978-3802581809
Broschiert
347 Seiten
12,95 Euro

Kurzbeschreibung:
Vor sechzehn Jahren wurden die Freien Reiche des Westens vom Heer des Hexenmeisters Calvas überrannt. Bei dem Versuch, den Hexenmeister aufzuhalten, machte sich der Ritter Anreon von Agialon unwissentlich zu dessen Komplizen, und sein Name ist seither mit einem Fluch beladen. Anreons Sohn, der junge Tarean, wünscht sich nichts sehnlicher, als den Namen seines verstorbenen Vaters reinwaschen zu können. Bewaffnet mit dem magischen Schwert Anreons, zieht Tarean aus, um gemeinsam mit dem Irrlicht Moosbeere, der Albin Auril und dem Werbären Bromm das Land von der Herrschaft des grausamen Hexenmeisters zu befreien .“

Für Neueinsteiger in die Highfantasy ist das Buch sehr geeignet. Viellesern des Genres werden die meisten Dinge dagegen bekannt vorkommen.

Bernd Perplies schafft es sehr eindrücklich den Lesern Tarean und seine Quest näher zu bringen. Nach einem kurzen Einstieg in das soziale Umfeld des Jungen und in seine Gefühlswelt, können sich junge Leser sicher sehr gut mit ihm identifizieren.
Des Weiteren hält sich Perplies auch nicht lange mit Einleitungen auf, sondern wirft den Protagonisten direkt mitten ins Geschehen.
Er beschreibt auf wunderbare Art und Weise die Angst, die Gefahren und den Durchsetzungswillen Tareans, ob in der sozialen Interaktion mit anderen Figuren, oder in actionreichen Szenen, wie in verschiedenen Kämpfen, oder auf seiner Flucht.
Allein der Einsatz allzu häufiger Deus ex Machina, können hierbei störend wirken. Schon im ersten Kampf greift Perplies auf dieses Stilmittel zurück. Für Jungleser mag das ein ganz neuer und sehr spannender Ansatz sein. Ältere Leser dürfte das hingegen nicht mehr allzu überraschen.

Doch gerade seine erschaffenen Figuren haben etwas sehr eigenes und wirken auf einfache Art innovativ. So sorgt das quirlige und eigensinnige Irrlicht Moosbeere nicht nur regelmäßige für einige humorvolle Begebenheiten, sondern auch durchaus für die ein oder andere gefühlvolle Szene.
Durch die kluge und starke Albin Auril, kommen auch Fans von romantischeren und emotionalen Geschehnissen auf ihre Kosten. Denn schon nach einiger Zeit dürfte jedem Leser klar werden, dass es zwischen Auril und Tarean zu knistern beginnt. Auch dieser Umstand sorgt für einige Wirrungen, da auch das kleine Irrlicht einen Narren an Tarean gefressen hat.
Perplies beschreibt auch hier sehr vorsichtig und subtil und lässt auch am Ende der Geschichte in dieser Hinsicht einige Fragen offen.
Bromm, der Werbär, war mein ganz persönliches Highlight in dieser Figurenkonstellation. Seine Gemütsruhe und seine Geduld wirken so manches Mal sehr entspannend auf den Leser, denn sobald Tarean seine Reise begonnen hat, lässt Perplies den Gefährten kaum eine Atempause.

Doch nicht nur die Reise an sich ist für junge Leser interessant und abwechslungsreich gestaltet, sondern auch die Endschlacht am Ende des Buches. Hier beginnt Perplies parallel zu erzählen, da man sowohl das Geschehen aus Aurils als auch aus Tareans Sicht erzählt bekommt. So kann er so manches Mal am Ende einer Szene einen spannenden Cliffhangar einbauen. Auch muss sich der Leser immer wieder auf einige Überraschungen gefasst machen.

Leser, die bereits in der Highfantasy zu Hause sind, werden leider deutlich weniger Spaß an diesem Buch haben. Tareans Reise und auch seine Motive sind nicht wirklich neu und auch schon auf viele verschiedene Arten erzählt worden.
Auch die vermeintlichen Überraschungen, die immer wieder eingestreut sind, werden einem Vielleser so manches Mal bekannt vorkommen.
Dennoch könnten die Charaktere, die so liebevoll und interessant daher kommen, auch hier den einen oder anderen überzeugen.

Allein der Prolog hat in meinen Augen einige Fehler. Für Tarean ist es eines der wichtigsten Dinge, herauszufinden, wer sein Vater wirklich war und was damals, vor 16 Jahren am Drakensskal, wirklich geschehen ist.
Dieser Umstand könnte auch für den Leser durchaus interessant sein. Leider nimmt der Prolog schon viele Antworten vorweg und so bleibt das Geheimnisvolle der Geschichte etwas zurück.

Das Ende des ersten Teils ist in sich abgeschlossen, was dem Leser eine kurze Atempause gönnt, trotzdem sind noch einige Fragen offen, so dass sich gut ein zweiter Teil anschließen lässt.

Perplies Sprachstil ist überraschender Weise sehr komplex. Statt mit einfachen und kurzen Sätzen den Leser zu langweilen, bedient er sich die meiste Zeit einem durchaus weitläufigem Satzbau. Er bindet viele beschreibende Nebensätze ein und verbreitet dadurch immer wieder einige informative Details.
Gerade bei Beschreibungen der Landschaft und seiner Welt, kommt das dem Leser zu Gute. Allein bei Kämpfen oder anderen schnellen Szenen, kann der Stil des Autors manchmal unpassend wirken. Hier hätte ich mir, als Leser, manchmal gewünscht, dass Perplies seinen Stil dem Tempo der Erzählung etwas angleicht.

Alles in Allem kann ich nur sagen ist Der Sohn des Fluchringers ein sehr gelungenes Buch für Einsteiger und hat auch für Vielleser noch einige Kleinigkeiten zu bieten. Perplies hat sich mit der Gestaltung seiner Welt durchaus Mühe gegeben und auch die Charaktere wissen zu überzeugen. Allein die Handlung hätte einige innovativere Überraschungen vertragen können.

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