Samstag, 9. April 2011

Rezension: tot. - Der dunkle Turm 3 von Stephen King

Stephen King
tot.
Heyne (1. Dez. 2003)
Originaltitel: The waste lands
ISBN: 978-3453875586
Taschenbuch
784 Seiten
9,99 Euro

Kurzbeschreibung:
Eddie, Susannah und Roland setzen ihren Weg durch Mittwelt fort. Dort müssen sie vielen Gefahren trotzen und Roland scheint mehr und mehr den Verstand zu verlieren. Beim Kampf gegen Lebewesen, halb Mensch, halb Maschine, finden die Drei endlich den richtigen Weg Richtung Turm. Doch in einer anderen Welt kämpft Jake ebenso gegen den Wahnsinn wie Roland.“

Der dritte Teil ist noch einmal um Längen besser, als seine Vorgänger. Der Bruch zwischen „unserer“ Welt und Mittwelt scheint nicht mehr so stark ins Gewicht zu fallen und King kann sich endlich noch mehr um die Interaktion seiner Charaktere kümmern.
Die Atmosphäre in Mittwelt wird immer bedrückender. Jegliche Lesewesen scheinen ihre eigenen Geheimnisse zu haben und jeder Schritt scheint ins Verderben zu führen.
Allein mit diesen Kniffen schafft es King, die ganze Zeit ein Gefühl der Spannung und Explosivität in seiner Welt hervorzurufen.
Ein ganz besonderer Leckerbissen war für mich natürlich, dass man auch wieder etwas von Jake erfährt. Nur mit ihm scheint das Ka-Tet komplett zu sein. Und nur, als Jake wieder zu den Gefährten stößt, wächst das Buch endgültig zu einer Gesamtheit zusammen.
Sowohl die Szenen in Rolands Welt, als auch die Szenen in New York sind actionreich und bedrückend und dabei unglaublich faszinierend zu lesen.
Am Ende des ersten Teils kommt es zu einem atemberaubenden Show Down, der einen über viele Seiten hinweg nicht mehr zu Atem kommen lässt.
Danach kehrt für einen Moment Ruhe ein. Aber wie die Ruhe vor dem Sturm ist auch dieser Abschnitt trügerisch.

King überrascht einen immer wieder. Er bringt seine Figuren in die unmöglichsten Situationen, aus denen es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Umso überraschender, dass der Autor an keiner Stelle auf einen Deus ex Machina zurück greifen muss.
Er löst alle Szenen stringend und logisch auf. So dass die Handlung und auch die Motivation der Charaktere glaubwürdig und realistisch bleibt.
Es ist eine Kunstform, wie er immer wieder überraschende Wendungen in seine Geschichte einflechtet. Das Geheimnis um den Zug und auch das Geheimnis um die Rätsel waren etwas ganz besonderes und mehr als lesenswert.
Doch auch seine eingeflochtenen Details sind großartig. Denn jedes Detail setzt einen anderen Schwerpunkt und jedes Detail verrät dem aufmerksamen Leser etwas neues über die Vergangenheit von Mittwelt. Er erschafft auf einfache, aber knifflige Art eine Umgebung, die dem Leser immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt.
Allein die Szene, als Roland und seine Gruppe auf den Schwarm der weißen Bienen trifft, ließ mich noch lange darüber nachdenken, was geschehen sein könnte. Und ich denke, dass das unter anderem die Absicht des Autors gewesen sein konnte.
Er lässt den Leser absichtlich lange im Dunklen tappen, ohne dass der Leser irgendwann entnervt aufgibt. Er findet genau den richtigen schmalen Grad zwischen Information, Andeutung und Geheimnis.

Von der Einöde geht es in eine Stadt und plötzlich unter andere Menschen. Im ersten und zweiten Teil habe ich King bewundert, wie er es schafft, in einer leeren, gestorbenen Welt, so viel Spannung auf zu bauen. Jetzt muss ich ihn dafür bewundern, wie er es schafft die unterschiedlichsten Menschen in seine Erzählung zu bringen, ohne dass es schal wirkt.
Aber jede Figur ist so wunderbar ausgearbeitet, dass sie auf den Leser wie alte Bekannte wirken und dabei spielt es keine Rolle, ob die Figur nur zwei oder 200 Seiten lang vorkommt.
Auch die Figuren, die eigentlich keine Menschen sind, haben eindeutige Charakterzüge und ein hohes Maß an Wiedererkennungswert.
Auch Oy, das letzte Mitglied des Ka-Tets ist ein Kunstgriff. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass es mit dem Bumbler genauso endet wie in vielen anderen Fantasyreihen, die ich zuvor gelesen habe, nämlich, dass das Haustier sterben muss und damit nur ein Eindruck von Willkührlichkeit entsteht.
Und wieder hat King mich mit dem überrascht, was er letztendlich aus der ganzen Situation gemacht hat.

Im Großen und Ganzen kann ich keinen Fehler an tot. finden. Angefangen bei der Weltengestaltung , hin zu seinen Charakteren und der konstanten spannungsgeladenen Atmosphäre ist das Buch ein reines Meisterwerk.
Einerseits bleibt nur zu hoffen, dass King, diese Attribute in seinen Folgebänden noch zu toppen weiß, andererseits, erscheint mir das kaum im Bereich des Möglichen zu liegen.
Ein rund um gelungenes Buch. Perfekt!

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