Sonntag, 15. Mai 2011

Rezension: Göttlich verdammt von Josephine Angelini

Josephine Angelini
Göttlich verdammt
Dressler Mai 2011
ISBN: 978-3791526256
Originaltitel: Starcrossed
496 Seiten
19,95 Euro

Vorneweg, ich habe das Buch als Vorab-Leseexemplar vom Cecille Dressler Verlag erhalten. Ich bedanke mich ganz herzlich dafür.
Laut Verlagsseite und Amazon etc. wird das Buch noch in diesem Monat in einer schönen gebundenen Aufmachung erscheinen. Das Cover besticht einfach durch die Farben und das hübsche Frauengesicht als Blickfänger. Diese Komposition darf ruhig durch eine Hardcover-Ausgabe gewürdigt werden.

Kurzbeschreibung:
Helen wohnt bei ihrem Vater, arbeitet nebenbei im Familien eigenen Touristenshop und geht wie ein ganz normaler Teenager zur Schule.
Kurz gesagt, sie führt ein ganz normales Leben. Doch alles ändert sich als eine neue Familie auf die Insel zieht. Plötzlich empfindet sie einen brennenden, irrationalen Hass auf die Mitglieder dieser Familie, erst als sie fast stirbt, ändert sich ihre Einstellung und sie entdeckt plötzlich, dass sie etwas ganz besonderes ist und dass ihr Herz für Lucas, dem Sohn der neuen Familie, schlägt. Doch auch mit Lucas stimmt etwas nicht und Helen muss sich ihrem Schicksal und ihren Gefühlen stellen.“

Ich befürchte, dass die größte Kritik der Leser sein wird, dass das Buch viel zu stark der Basisgrundlage der Twilightromane und Konsorten folgt. (Gut, es geht hier definitiv nicht um Vampire, sondern um Götter und Halbgötter aus der griechischen Antike, aber das Fundament scheint ähnlich)
Ein neuer Schüler, wunderschön, begabt, perfekt, ein Mädchen, das in Liebe zu diesem Jungen entbrennt. Unfassbare Fähigkeiten, eine Familienfehde und eine unerfüllte Liebe inklusive.
Da ich selbst – Asche auf mein Haupt – die Bis(s) Romane nicht gelesen habe und nur vom Hörensagen einiges aufgeschnappt habe, kann ich mir dazu kaum ein Urteil bilden.
Zum Thema „Vampire“ hat die Autorin auch eine schöne Szene eingeflochten, die genau dieses Thema auf wunderschöne und ironische Weise betrachtet. Wenn ihr an dieser Stelle ankommt, wird euch auffallen was ich meine und ich hoffe, dass ihr genauso schmunzeln müsst wie ich.

Mir persönlich gefiel „Göttlich verdammt“ sogar bemerkenswert gut. Helen war mir unheimlich sympathisch. Sie ist zwar sehr schüchtern – und das bin ich ganz und gar nicht – aber sie ist die perfekte Identifikationsfigur. Sie hat einen kleinen Nebenjob neben der Schule, möchte gern später auf ein College gehen und muss sich um ein Stipendium bewerben, sie hat Freunde und auch Jungs im Kopf und hat die gleichen Interessen wie jedes normale Mädchen in ihrem Alter. Nur, dass sie sich etwas anders fühlt, nicht ganz richtig am Platz. Aber wer hatte dieses Gefühl nicht ab und an mal in seiner Jugend?!
Der Leser wird auch nicht lange auf die Folter gespannt. Denn schon bald werden auch die Figuren der zugezogenen Familie ins Spiel gebracht und Helens Probleme brechen durch.
Da sind seltsame Fähigkeiten, Träume und vor allem dieser unglaubliche Zorn, den sie verspürt, wenn sie nur an die „Neuen“ auf der Insel denkt.

Die ganze Geschichte ist gespickt mit Geheimnissen. Zusammenhänge werden nach und nach enthüllt und konnten mich tatsächlich – mehr als einmal – überraschen. Vorkenntnisse in der griechischen Mythologie sind im Übrigen nicht notwendig. Alle wichtigen Geschehnisse aus der Vergangenheit werden erwähnt und viele der Legenden werden fiktiv (absichtlich!!!) verfälscht oder weitergesponnen.
Genau wie Helen ist der Leser zu Beginn absolut unwissend und wird zusammen mit ihr in alles eingeweiht. (Vielleicht ist Unwissenheit hier tatsächlich sogar ein Vorteil, ich kann mir vorstellen, dass das die Spannung der Erzählung um einiges steigert)
Die Charaktere werden zwar nicht alle in allen Facetten und mit absoluter Tiefe beschrieben, aber sie haben alle ihr eigenes Gesicht und ihren eigenen Charakter und besitzen somit durchaus einen Wiedererkennungswert. Die Autorin schafft es die Charaktereinführung relativ kurz zu halten und sie dem Leser trotzdem sehr nahe zu bringen.
Auch die Liebesgeschichte (und auch alle anderen emotionalen Situationen) ging mir – eher untypisch für mich - sehr ans Herz. Ich habe mit Helen geliebt und gelitten und auch gehasst und gewütet. Auch wenn ich aus dem Alter der Teenie-Romanzen eigentlich schon hinaus bin, hat es quasi auch in meinem Bauch gekribbelt und manchmal hat mir sogar ein bisschen das Herz geblutet. Wer hat mit 17 nicht auch schon mal geliebt und bekam im Endeffekt nicht das, was er sich erhofft hat?!

Im Großen und Ganzen gefiel mir der Roman sehr gut. Nur an manchen Stellen ging es mir einfach etwas zu schnell. Zum Beispiel wenn es um die Erklärungen an Außenstehende ging und deren Reaktionen darauf, wirkte die Geschichte teilweise etwas unglaubwürdig.
Gegen Ende zieht die Autorin das Erzähltempo noch mal an und die Ereignisse überschlagen sich. Und auch hier wirken manchen Szenen einfach unrealistisch. Gerade auf den letzten 70-80 Seiten hätte ich gerne etwas ausführlichere Szenen gesehen. Ich hätte dafür auch mit Kusshand 100 Seiten mehr in Kauf genommen.

Göttlich verdammt“ scheint zudem der erste Teil einer Reihe zu sein – oder zu werden. Das offene Ende spricht doch sehr dafür.
Viele Fragen bleiben offen, viele Geheimnisse sind noch nicht gelüftet und es sind auch einige Fäden angefangen und noch nicht zu Ende geführt worden.
Die Geschichte hat in meinen Augen eine Menge Potential für weitere Bände.

Ich bin alles in allem sehr zufrieden mit dem Roman. Es hat für mich alle Gefühle und Reaktionen in mir aufgerufen, die ich beim Lesen so gerne genieße. Vom Drama bis zu einem herzhaften Schmunzeln ist alles dabei gewesen.
Das Cover ist für mich - und ich mag Frauengesichter auf Romandeckeln eigentlich nicht so besonders – ein absoluter Hingucker.
Der deutsche Titel ist in meinen Augen sogar in diesem Fall deutlich treffender als der englische Originaltitel.

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