Sonntag, 1. Mai 2011

Rezension: Tarean – Das Erbe der Kristalldrachen (Band 2) von Bernd Perplies

Bernd Perplies
Tarean, das Erbe der Kristalldrachen
512 Seiten
Lyx (15. April 2009)
ISBN: 978-3802581847
Broschiert
12,95 Euro 

Kurzbeschreibung:
Tarean weiß nicht, was die Zukunft ihm bringen wird, da erreicht ihn plötzlich der dringende Hilferuf eines Kristalldrachen. Das Wesen ist gefangen und liegt im Sterben. Tarean ist der einzige, der es retten kann. Er wird auf eine Reise voller Abenteuer und Gefahren geschickt. Und das Ende ist ungewiss.

Der zweite Teil gefiel mir ein bisschen besser noch als der Erste. Schon angefangen beim Prolog, war ich deutlich zufriedener. Während im ersten Teil der Prolog viele wichtige Dinge vorweg nimmt und somit einigen Geheimnissen die Spannung entreißt, ist hier der Prolog mystischer, geheimnisvoller und verrät nicht so viel.
Außerdem lässt er den Leser lange im Dunkeln und das machte einen Großteil der Spannung aus.
Auch ist Tareans Reise in diesem Band deutlich besser begründet und wirkt realistischer und weniger aus der Luft gegriffen.
Trotzdem gibt es auch hier ein Manko. Am Ende der Reise steht schon wie im ersten Teil ein namenloser Schrecken. Ein so gewaltig böses, furchtbar schreckliches Böse, dass ich als Leser Probleme hatte, die Bedrohung wirklich ernst zu nehmen.
Ebenso unrealistisch wirkten die Unmengen an magischen Artefakten, die Tarean im Laufe seiner Geschichte zugetragen bekommt. Als ich schon angefangen habe, mich darüber zu ärgern, überraschte mich der Autor mit einem sehr netten Satz, der einem Augenzwinkern gleichkam und der mich dann wieder entschädigt hat.

Seite 166, Absatz Mitte
[...] und der Junge in dem unscheinbaren grauen Reisemantel, der mittlerweile wahrscheinlich mehr und mächtigere Artefakte der Alten Macht am Leibe trug als jedes andere sterbliche Wesen in den letzten paar Jahrhunderten.“

Diese Einwurf wirkte auch mich so kritisch und selbstironisch, dass mich die Fülle an magischen Gegenständen im Laufe des Buches nicht mehr gestört hat.
Generell hat mich Perplies diesmal mit seinem Sprachstil deutlich mehr überzeugen können, als im ersten Band. Der Tiefgang der Charaktere bleibt einige Zeit über etwas auf der Strecke, aber durch die wortgewaltige Beschreibung der Umgebung, konnte ich darüber hinwegsehen.
Die Charaktere bleiben überwiegend sehr liebenswert und es gibt auch in dieser Hinsicht einige Entwicklungen, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet hätte.
Bromm, der mit Selbstzweifeln und Hass zu kämpfen hat und Moosbeere, die doch mehr Geheimnisse verbirgt, als man auf den ersten Blick sehen kann, haben mich in dieser Hinsicht beeindruckt.
Generell wird das Gut/Böse Schema etwas aufgeweicht. Es ist ab der Hälfte des zweiten Bandes an manchen Stellen nicht mehr klar definiert, wer nun zu den Antagonisten zählt und wer dann doch die Seiten gewechselt hat. Vor allem Haffta war für mich eine grandiose Aufwertung des Buches. Ich habe die brummige und wortkarge Wolfsfrau einfach geliebt.

Mit den Kristalldrachen kommt noch ein weiterer relativ innovativer Punkt zu der Geschichte hinzu. Ich habe zwar schon oft von Drachen gelesen, aber die Darstellung der Kristalldrachen gefiel mir und wirkte recht neu auf mich.
Außerdem werden häufiger mal bemerkenswert philosophische Betrachtungen zum Thema Schicksal eingebracht. Diese werden dem Leser auch nicht mit einer Moralkeule näher gebracht sondern sind geschickt in die unterschiedlichen Dialoge der Figuren eingeflochten.
Gerade die Gespräche zwischen Auril und Bromm haben mich ein um andere Mal zum Schmunzeln gebracht.

Dennoch war die Gesamtstory für mich nicht immer spannend zu lesen. Manche Zwischenszenen dienten in meinen Augen nur als lückenfüllende Intermezzos, aber die letzten 100 Seiten des Buches gefielen mir dann doch wieder gut.
Spätestens als die Gefährten in den Glutlanden ankamen, war ich wieder einigermaßen zufrieden.
Als erwachsener Leser muss man einfach wissen, worauf man sich einlässt. Auch der zweite Tarean Teil wirkt auf mich, als wäre er eher für jüngere Leser, oder Fantasyerstleser geschrieben. Viele Merkmale der Geschichte sind bereits bekannt und oft behilft sich der Autor mit plötzlichen, fast göttlich wirkenden Einschnitten.
Das Ende dagegen war wirklich untererwartet. Ich würde sagen, ich war fast schon schockiert, mit was für einer Beiläufigkeit Perplies seine Charaktere opfert. Zumindest in diesem Teil der Geschichte, wird Perplies glaubwürdiger.

Alles in Allem gefiel mir das Buch ganz gut, trotz der durchwachsenen Kritik. Gerade Kindern im Alter von 10-12 würde ich das Buch liebend gern zu lesen geben. Denn gerade für diese Altersgruppe dürften die Bücher sehr spannend sein.

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