Sonntag, 8. Mai 2011

Rezension: Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

Jay Asher
Tote Mädchen lügen nicht
cbt (September 2010)
ISBN: 978-3570307342
Taschenbuch
9,99 Euro
288 Seiten 

Kurzbeschreibung:
Clay erhält eines Tages ein Paket mit Kassetten. Auf diesen Kassetten erklärt das Mädchen Hannah, eine ehemalige Mitschülerin des Jungen, aus welchen Gründen sie Selbstmord begangen hat und wer alles daran Schuld hat.“

Kurz gesagt, das Buch hat mir gefallen. Aber trotzdem lässt es mich nicht ganz zufrieden zurück. Einerseits ist der Sprachstil sehr eingängig und mit der Trennung zwischen kursiver Schrift (Hannahs Erklärungen auf den Kassetten) und normalen Schrift (Clays Gedanken, Handlungen und Worte) sehr einfach zu lesen.
Außerdem ist es spannend, da man als Leser wirklich gern erfahren möchte, was Hannah alles zugestoßen ist, dass sie sich wirklich für diesen ernsten Schritt entschieden hat. Des Weiteren interessierte es mich natürlich auch brennend, was Clay im Endeffekt mit der ganzen Sache zu tun gehabt hat. (Und Clay interessierte das auch ^^ )
Im Großen und Ganzen werden diese Erwartungen natürlich auch erfüllt. Der Leser bekommt Hannahs Geschichte vollständig zu hören. Lücken werden durch Clays Gedanken sinnvoll ergänzt. Seine Rolle wirkt logisch. (Wenn auch etwas, -kitschig- , übertrieben)
Somit ist das Ende eigentlich auch befriedigend. Clay hat dazu gelernt und wird vielleicht ein oder zwei Fehler in der Zukunft nicht mehr machen.

Aber dann gibt es da so die kleinen Dinge, die mich gestört haben. Einerseits fühlte ich mich die ganze Zeit wie ein ekelhafter Voyeur. Auch wenn Hannahs Geschichte eine fiktive Geschichte ist, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl etwas zu lesen, was mich eigentlich nichts anging. Etwas, das ich eigentlich nicht erfahren sollte. Und das ich, im Endeffekt auch nicht wissen wollte.
Auch berührt die ganze Geschichte Clay so tief, dass ich mich unwohl gefühlt habe, ihm bei diesen intimen Gedanken zu, - ich würde gern sagen, ertappen – zuzusehen und zuzuhören. Manchmal litt er mir einfach etwas zu viel. Außerdem hatte er mir zu viel Verständnis für Hannah, aber dazu gleich mehr.

Dazu kam, dass mir die Hannah, wie man sie auf den Kassetten kennenlernt, einfach furchtbar unsympathisch war.
Außerdem hab ich bestimmt mehr als einmal die Augen verdreht. Ja sicher, das was Hannah erlebt ist nicht schön und man soll nicht das Leid von Anderen gegeneinander aufwiegen, aber manchmal dachte ich mir bloß: „Bohr, Mädchen, krieg' den Arsch hoch und steh drüber“
Man kann dagegen halten, dass nicht jeder so einen starken Willen hat, und dass das nicht immer so einfach ist und jeder anders wahrnimmt, als der andere und und und. (Alles schon mal gehört, endlose Diskussionen darüber geführt, danke, verzichte!)
Aber da ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe wie das Mädchen, bis hin zu gleichen und auch weitaus Schlimmeren (steinigt mich ruhig, auch schon alles mal erlebt), kann ich mir durchaus ein ganz persönliches und subjektives Urteil dazu leisten. Und ich stehe dazu.

Alles in Allem wirklich ein gelungenes Buch, gerade weil das Medium des reinen Hörens innerhalb des Buches wunderbar funktioniert hat, und trotzdem alle wichtigen Charaktere ein sehr eigenes Gesicht und Bild erhalten haben. Trotzdem war ich nicht ganz zufrieden, aber das nicht weil der Autor hier Mist gebaut hätte, sondern weil ich dem Thema deutlich zu kritisch entgegen stehe und Personen verachte, die den Selbstmord, bzw. wie in diesem Fall die Kassetten (eine Art Abschiedsbrief) quasi als persönlichen Rachefeldzug benutzen. Hannahs Hass hat mich einfach angewidert, auch wenn es teilweise nun mal auch verständlich war.
Ich war also mit der Aufmachung und Durchführung des Buches sehr zufrieden und mehr als einverstanden, mit der Person Hannah stehe ich aber auf persönlichem Kriegsfuß.
Ich kann das Buch trotzdem sehr empfehlen.

1 Kommentar:

  1. Danke für deine tolle Rezi, das Buch habe ich mir auch tatsächlich schon die Tage gekauft.

    LG Kerry

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