Freitag, 17. Juni 2011

Rezension: Ein Sommer aus Stahl von Silvia Avallone

Ein Sommer aus Stahl
Silvia Avallone
Klett- Cotta (Mai 2011)
Originaltitel: Acciaio
ISBN: 978-3608938982
Gebundene Ausgabe
414 Seiten
19,95 Euro

Das Buch habe ich im Zuge einer Leserunde bei Lovely Books gewonnen. Die Kurzbeschreibung hat mich so sehr interessiert, dass ich das Buch einfach haben musste. Letztendlich bin ich etwas enttäuscht.





Kurzbeschreibung:
Piombino, ein Elendsviertel in Spanien, nur 4km von Elba entfernt. Hier leben zwei Mädchen, die besten Freundinnen, und ihre Familien. Beide Mädchen haben gelernt an diesem Ort zu leben. Und beide Mädchen haben Probleme in ihrer Familie.
Francescas Vater verprügelt sie regelmäßig, Annas Vater ist ein Verbrecher und so gut wie nie zu Hause. Als die Freundschaft dann zerbricht, beginnt für beide Mädchen eine schwere Zeit.

Der Schreibstil des Buches, ist wohl das Erste was auffällt. Er ist, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Die Autorin ist sehr direkt in ihrer Wortwahl, hält nichts zurück und beschreibt mit wenigen Worten sehr deutlich, was sie meint.
Dabei rutschen dann aber auch immer mal wieder einige Bemerkungen oder Formulierungen ins Obszöne ab. Ich weiß nicht, ob das eine kunstvolle, neue Art von Sprache sein soll, man kann das sicher so empfinden, aber mich störte das enorm.
Ein Sommer aus Stahl ist definitiv keine leichte Lektüre.

Des Weiteren störte mich auch die Art der inhaltlichen Erzählung. Es scheint keine richtige Plot-Line zu geben. Also es gibt in meinen Augen keinen wirklichen Höhepunkt, keine wirkliche Handlung. Ich empfand es so, als schreibe die Autorin reine Alltagsszenen aus dem Leben der beiden Mädchen und deren Familien.
Auch wenn einige Szenen durchaus schockierend waren, (sehr viele sogar), gab es keinen richtigen Plot, der mich motiviert hätte, das Buch schnell weiter zu lesen.
Das Buch lebt von Beschreibungen. Beschreibungen vom Strand, von der Hitze, vom mörderischen Stahlwerk, Beschreibungen vom Überleben.

Ich war einige Male von einigen Szenen so furchtbar angeekelt, dass ich befürchtet habe Alpträume zu bekommen. Ich glaube, diese vielen erschreckenden Begebenheiten waren das einzige, das mich dazu gebracht hat, das Buch relativ schnell zu beenden.
Ich hatte die absolute Hoffnung, dass die Figuren es schaffen dem Elend zu entfliehen.

Im Endeffekt wurde ich aber auch vom Ende enttäuscht. Es war zwar recht realistisch, aber so abrupt zu Ende, dass ich das Buch erst mal sacken lassen musste.
Das Entsetzen was ich im vorletzten Kapitel empfunden habe, musste erst mal etwas in den Hintergrund treten.

Leider muss ich sagen, dass ich daher auch nicht an der Leserunde teilgenommen habe. Ich war zu verwirrt. Zu persönlich angesprochen.
Das Buch hat mich schockiert, angeekelt und entsetzt. Und weil leider nur negative Emotionen bei mir ausgelöst worden sind, kann ich dem Buch keine positive Kritik entgegen bringen.

Man muss sowohl der Autorin, als auch ihrem Werk natürlich zu Gute halten, dass es aufwühlt, dass es aufrüttelt, dass es Emotionen weckt und dass es auf dieser Ebene anspricht.
Aber ich war wirklich einfach so entsetzt (ich weiß, ich habe das Wort jetzt schon viel zu häufig benutzt, aber es ist auch so treffend), dass ich mehr eigentlich auch gar nicht sagen kann.

Das Buch empfehle ich nur Leuten mit starken Nerven und nur Leuten, die an reinen Alltagsszenen sehr interessiert sind. Auch wenn die Alltagsszenen uns natürlich nicht alltäglich erscheinen.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Buch polarisiert. Ich gehöre leider zu den Kritikern. Ein weiteres Buch der Autorin werde ich wohl nicht lesen.

1 Kommentar:

  1. Tolles Buch. Grandioses Setting, klasse Plot, super Spannungsbogen, aufgefächert in einem vielstimmigen Chor mit einer Sprache, die mit jedem Satz voll ins Schwarze trifft.

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