Donnerstag, 21. Juli 2011

Rezension: Das geheime Spiel – Kate Morton

Das geheime Spiel
Kate Morton
Diana Taschenbuch (6. November 2007)
Originaltitel: The Shifting Fog
ISBN: 978-3453290310
Taschenbuch
688 Seiten
9,95 Euro 

Das Buch liest sich so authentisch wie eine wahre Familiengeschichte.

Kurzbeschreibung:
Grace, ein ehemaliges Dienstmädchen auf Riverton, erzählt rückblickend die Geschichte zweier Schwestern und ihrer eigenen Rolle darin. Hannah und Emmeline mussten eines Abends während einer Party miterleben, wie sich ein junger, aufstrebende Dichter das Leben nimmt. Danach haben die beiden nie mehr miteinander gesprochen. Grace hat ihr Geheimnis bewahrt, bis kurz vor ihrem Tod.“

Grace, eine alte Frau, erzählt eine Geschichte von Schuld, Liebe, Hoffnung und dem Leben in den 20er Jahren.
Kate Mortons Schreibstil konnte mich bereits auf der ersten Seite in seinen Bann ziehen. Sie schreibt detailliert, ohne zu übertreiben, und sie beschreibt wunderbar emotional. An keiner Stelle der Geschichte fühlte ich mich von den Charakteren und der Handlung distanziert. Immer konnte ich mich entweder mit Grace, oder später mit Hannah identifizieren.

Die Charaktere sind unglaublich vollkommen ausgearbeitet. Immer wirken sie, wie wirkliche, wirklich gelebte Personen. Selbst die Randfiguren, die nur zur Atmosphäre oder passend zur Szenerie eingefügt worden sind, haben ihr eigenes Gesicht und ihren eigenen Charakter. Sie wirken lebensecht und ringen um die Sympathie des Lesers.
Die Hauptfiguren dagegen sind wahre Meisterwerke. Gegen Ende des Buches hatte ich Hannah, Grace und Emmeline, aber auch einige der anderen Figuren so bildlich vor mir, dass sie quasi meine Schwestern hätten sein können. Ihr Leid ging mir nah, ihre Beweggründe waren absolut nachvollziehbar und ihre Wünsche und Gefühle waren definitiv so perfekt, aber subtil ausgearbeitet, dass sie durchgehend realistisch wirkten.

Auch das Setting und die Umstände zur Zeit des ersten Weltkrieges wirkten glaubwürdig. Immer wieder ertappte ich mich beim Lesen dabei, von der beklemmenden Szenerie vollkommen gefangen genommen zu sein. Jeder Begebenheit haftete etwas nebeliges, etwas träumerisches an. So wurde die Tatsache, dass es sich um Erinnerungen handelten, auf einer weiteren Ebene festgemacht.
Gerade deswegen, hätte ich mir eine genauere Übersetzung des Originaltitels gewünscht. „Das geheime Spiel“ hat definitiv seine bestimmte Rolle in diesem Werk. Aber „The shifting fog“ trifft die Sachlage einfach wie die Faust aufs Auge.

Aber nicht nur die wirklich wichtigen Dinge, haben die Handlung voran getrieben. Gerade all die nebensächlichen, alltäglichen Dinge bargen ihren ganz eigenen Zauber und haben mich teilweise weit mehr fasziniert, als die eigentliche Hauptgeschichte.

Des Weiteren hatte ich keine Schwierigkeiten den Perspektivenwechseln, zwischen gegenwärtigem Erzählstrang und Graces Berichten aus ihrer Erinnerung, zu folgen. Zunächst, von mir unbemerkt, berichtet die Autorin alle Gegenwärtigen Dinge auch tatsächlich im Präsenz. Somit erhalten Inhalt und Stil des Werkes eine bemerkenswerte Verbindung zueinander. Dass mir das gegenwärtige Erzählen am Anfang gar nicht aufgefallen ist, zeugt von einer enormen Kunstfertigkeit der Autorin.

Auch die eingeschobenen Zeitungsartikel und Drehbuchauszüge trugen nur zur Authentizität des Romans bei. Dass das Buch mit einem Brief endet, hat mir das Gesamtwerk auf unerklärliche Weise ganz besonders versüßt. Denn das eigentliche Geheimnis des Buches wird tatsächlich erst auf den letzten drei Seiten gelüftet.
Trotzdem hat das Buch nie an Spannung verloren. Nie habe ich mich dabei ertappt das Ende vorblättern zu wollen. Jede Szene, jede Begebenheit, von der erzählt worden ist, hatte seine eigene Daseinsberechtigung. Somit wurde das große Geheimnis von Grace nach und nach aufgebaut, untermauert und erklärt. Das Ende war gleichzeitig also auch der große Showdown und das absolute Highlight des Buches.

Mein Fazit:
Ein ganz ganz großartiges Meisterwerk. Subtile Gruselelemente und seriöse Familiengeschichte ergeben eine perfekte, spannende und atmosphärische Mischung.
Volle Punktzahl!
 

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