Mittwoch, 13. Juli 2011

Rezension: Die Saat des goldenen Löwen – Das Lied von Eis und Feuer 4 von George R.R. Martin

Die Saat des goldenen Löwen
George R.R. Martin
Blanvalet (1.Okt. 2000)
Originaltitel: A clash of kings 332-728
Taschenbuch
608 Seiten
12 Euro 

(Coverbild entspricht der neuen (noch nicht erschienenen Ausgabe)

Ich liebe diesen Band. Anders kann man es nicht ausdrücken. Teil 3 war in meinen Augen etwas schwächer, als die beiden ersten, aber der vierte Teil hat mich wieder voll und ganz überzeugt.

Kurzbeschreibung:
Der Krieg ist in vollem Gange. Vier Könige kämpfen um den Eisernen Thron, ihre Liebsten und ihr Land. Jeder von ihnen hat seine eigene Armee, seine eigenen Methoden. Jeder von ihnen wird geliebt und gehasst. Und im Norden hinter der Mauer tobt ein weiterer Krieg. Und jede Schlacht kostet Menschenleben, jede Schlacht verlangt Opfer.“


Schon auf den ersten Seiten, konnte mich das Buch wieder in seinen Bann ziehen.
Der Autor hat mich mit seiner Grausamkeit schockiert, mit seiner Poesie fasziniert und mit seinen Wendungen überrascht.
Martin macht mit seinen Charakteren was er will und dabei bleibt er absolut realistisch. Er lässt sie handeln, leiden und lieben und das ganz nebenbei, ganz belanglos teilweise, ganz still. Manchmal hat man das Gefühl, man habe sich verlesen, man kann nicht fassen, was geschehen ist, noch hat man dann Hoffnung. Man redet sich auch ganz gerne ein, dass manches gerade nicht passiert ist. Und dann kommt der Augenblick, an dem man plötzlich erkennt, dass man Unrecht hatte.

Man muss erkennen, wie kunstvoll Martin seine Geschichte gestaltet hat. Und wie kunstvoll manche Szenen geschrieben sind. Nur mit einem einzigen Satz, schafft er es das Herz des Lesers zu erringen, oder direkt in zwei Teile zu reißen.
Sein Schreibstil ist unheimlich großartig. Er findet fast immer die richtigen Worte, schafft es mit Andeutungen, die Spannung zu steigern, oder einfach nur die Fantasie des Lesers anzuregen.

Viele Szenen sind unglaublich episch geschrieben. Und einige Zitate konnten mich wirklich tief berühren. Gerade weil sein Schreibstil so poetisch ist, ohne übertrieben zu wirken. Er schreibt halt faszinierend tiefgehend, ohne schmalzig zu werden, unglaublich plastisch, ohne zu viel im Vorhinein zu verraten und unglaublich detailliert, ohne dabei die Atmosphäre zu zerstören.

In diesem Band schreibt er teilweise sogar richtig philosophisch. Immer wieder kommen einige Anmerkungen vor, die einen zum Nachdenken anregen. Aber auch diese Einschübe sind perfekt in die Gesamterzählung eingebettet. Martin verliert also weder seine Geschichte aus den Augen, noch verliert er den Bezug zu dem Geschehen.

Auch seine Charaktere haben nicht an Vielseitigkeit und Fülle verloren. Jeder Charakter, also auch die neu eingeführten Charaktere haben ihr eigenes Gesicht.
Ebenso ist jedes beschriebene Setting einzigartig und die meisten bekannten Orte, erhalten immer mehr Tiefgang. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken.
Jeder Ort, jeder Charakter, jede Handlung hat seine eigene Atmosphäre.

Immer wieder habe ich das Gefühl einen Charakter schon sehr gut einschätzen zu können, habe Sympathien entwickelt und trotzdem verliert das Buch nicht an Spannung. Das Grauspektrum seiner Charaktere ist wahnsinnig breit gefächert. Immer wieder wechselt eine Person seine Ansichten, orientiert sich um, oder entwickelt sich in eine vollkommen andere Richtung. So bleibt das Buch glaubwürdig und realistisch.
Nicht jede Figur kann ein klassischer Held sein, nicht jede Figur kann nur abgrundtief böse sein. Trotzdem – oder gerade deswegen – kann man sich wunderbar in seine Charaktere hinein versetzen. Man findet immer eine Person, mit der man sich identifizieren kann.

Manchmal fiel es mir schwer am Ende eines Kapitels einen bestimmten Ort, bzw. eine bestimmte Figur zu verlassen. Teilweise wollte ich unbedingt wissen, wie es mit ihr oder mit ihm nun weiter ging, aber das Gefühl hielt immer nur für ein paar kurze Momente. Denn jedes neue Kapitel zog mich noch tiefer in seinen Bann. Und als das Buch plötzlich zu Ende war, war ich überrascht und traurig und absolut überzeugt.

Man sieht, ich liebe dieses Buch und halte es für eines der großartigsten Werke, die ich je gelesen habe.

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