Montag, 29. August 2011

Ich lese gerade....

…. „Die Kuppel“ von Peadar Ó Guilìn 

Die liebe Sabrina von Meine Leidenschaft: Lesen  fragte mich gestern nach meiner vorläufigen Meinung zu "Die Kuppel", da sie sich das Buch ebenfalls gekauft hat.
Daher wollte ich einen (eigentlich kurzen) Beitrag zu diesem Buch schreiben, bevor ich es ganz beendet habe und es dann eine ausführliche Rezension geben wird. Leider ist der Beitrag dann doch länger geworden, als geplant und hat fast schon die Ausmaße eines richtigen Reviews. Trotzdem möchte ich euch meine Meinung nicht vorenthalten. 

Das Buch ist „anders“. Bemerkenswert anders und auf besondere Weise innovativ.

Die Kuppel“ beschreibt eine degenerierte Welt, die von Verfall und Elend geprägt ist und in der jegliches Wissen verloren gegangen ist.
Eine Welt, die von „Menschen“ bevölkert ist, die mehr – so auch im Buch irgendwann genannt – an Wilde erinnern, als an Menschen. Und neben den Menschen leben dort die sogenannten Bestien. Wesenheiten, vom Aussehen mehr Tier als Mensch, mit unterschiedlichen sozialen Strukturen und einer wahnwitzigen Physiologie. Insgesamt eine düstere Mischung.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Denn Niemand, oder besser nichts, ist ultimativ böse. Das Leben in dieser Welt ist geprägt vom täglichen Kampf ums Überleben. Hier gilt nur das Recht des Stärkeren. Es heißt, fressen oder gefressen werden. Wer körperlich oder geistig nicht mithalten kann, endet als Frischfleisch für andere. Und auch denen, die zu alt werden um noch nützlich sein zu können, ereilt das gleiche Schicksal.
Es ist eine hoffnungslose und bedrückende Welt.

Die Menschen wirken in den Augen des Lesers so fremdartig, dass es im ersten Moment schwer fällt, hier eine Identifikationsfigur zu finden. Aber der Protagonist Stolperzunge, ein junger, unsicherer, aber kluger Mann, mit dem Makel des Stottern, ist solch ein Sympathieträger, dass er es dem Leser einfach macht, sich nach und nach in seiner Welt zurecht zu finden. Dennoch bleibt eine gewisse Distanz bestehen. Und durch diese Distanz fiel es mir schwer mit Stolperzunge zu lieben und leiden. Immer ist es ein wenig so, als würde ich ihn und seinen Stamm durch eine Art Glasscheibe betrachten und nicht wirklich mit ihm fühlen.
Aber auch Indrani, die geheimnisvolle Frau, die irgendwann in dieser Welt landet, und die – sagen wir – dem Leser eigentlich näher sein sollte, als die Wilden, dient nicht als Identifikationsfigur. Ihre Gefühle und ihre Ambitionen bleiben lange im Dunkel und sind zunächst nicht nachvollziehbar. Außerdem ist sie als Figur zu erhöht, also auf andere Weise zu fremdartig für den Leser. Mit der Zeit entwickelte sich bei mir sogar eine richtige Antipathie gegen diese Figur, da sie immer arroganter wird und immer gefühlskälter.

Auf den ersten Seiten war mir zunächst auch nicht klar, worauf die Geschichte hinaus laufen sollte. Die Beschreibungen waren eher dem Alltag angepasst, wirkten wie die Erläuterungen normaler Abläufe. Was spannend zu lesen war und auch wichtig um sich zurecht finden zu können, aber an mancher Stelle auch etwas arm an Höhepunkten, was dazu führt, dass das Buch keinen richtigen Sog entwickelt konnte.
Dennoch ist es bisher absolut empfehlenswert. Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wo das Ganze hinführen soll und hier beginnt dann auch die wahre Spannung – und auch das wahre Entsetzen.
Denn der Autor schont seine Leser nicht. Die Hoffnungslosigkeit der Welt und das bedrückende Gefühl der sich immerfort wiederholenden Verhaltensweisen und Handlungen machen das Buch auf unvergleichliche Weise bedrückend und schwer.

Trotz der relativ einfachen Zutaten und des einfach gestrickten Handlungsbogens ist das Buch nicht unbedingt ein Buch für Zwischendurch. Es lädt auch zum Nachdenken ein, zum Nachdenken über unsere heutige Situation und unser Verhalten in dieser Welt. Wie fremd sind uns die Wilden wirklich?
Ansonsten kann ich das Buch bisher nur schlichtweg empfehlen. 
Die Aufmachung des Buches ist wunderschön, gebunden, mit einem Prägedruck auf dem Schutzumschlag. Das Buch darunter ist blutrot und schlicht gehalten. Format und Zeichengröße sind angemessen und angenehm. Aber auch inhaltlich hat das Buch einiges zu bieten. Es weicht auf interessante Weise vom normalen Mainstream des Genres ab.

Für jeden, der gerne Mal über den Tellerrand, der „normalen“ fantastischen Literatur blicken möchte, ist das Buch (bisher) definitiv geeignet.

Kommentare:

  1. danke ;-) Jetzt weiß ich, dass ich mich auf das Buch freuen kann ;-) Wirklich eine ausführliche und tolle "Ich lese" Meinung ;-)
    Liebe Grüße
    Sabrina

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  2. Hi,
    tatsächlich ist es garnicht mal leicht unter all den Mainstreamwerken wirklich originelle Fantasy zu finden. Ich persönlich liebe phantastische Literatur und bedanke mich daher für deine "Rezension" und einen neuen Punkt auf meiner Wunschliste.

    LG Rekymanto

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