Dienstag, 9. August 2011

Rezension: Der letzte Engel – Goweli 1 von Gian Carlo Ronelli

Der letzte Engel

Gian Carlo Ronelli

Sieben Verlag (April 2008)
ISBN: 978-3940235008
Taschenbuch
200 Seiten
16,50 Euro


Kurz, einfach und schnell zu lesen!

Kurzbeschreibung:
Ein Serienmörder tötet kleine sechsjährige Mädchen, indem er ihnen das Genick bricht und sie in betender Haltung zurück lässt. Am letzten Tatort findet man DNS-Spuren. Doch was das bedeutet, scheint unmöglich zu sein. Die DNS am Tatort ist die selbe DNS, die man auch im Grabtuch von Turin gefunden hat. Das Tuch, das man gemeinhin als das Grabtuch Jesu anerkannt hat. Ist Jesus etwa ein Serienmörder?

Der Autor hält sich nicht lange mit einer Einführung auf. Der Leser wird von Beginn an direkt in die Geschehnisse hinein geworfen. Der Prolog führt den Leser sofort in das Hauptgeschehen ein, indem er einen der Leichenfunde schildert. Hier ist die Sprache des Autors schlicht, mit einem leisen Hang zur Poesie. Mit nur wenigen Sätzen spielt er mit dem Entsetzen des Lesers und macht neugierig auf die weitere Handlung.

Im ersten Kapitel führt Ronelli als nächstes seine drei Hauptcharaktere ein. Alle drei sind sehr interessant gestaltet, ohne zu sehr und zu detailliert in die Tiefe zu gehen. Wie in der Realität baut Ronelli seine Figuren auf, so dass der Leser die Charaktere zunächst kennen lernen muss.
Ron ist Universitätsprofessor und Experte auf dem Gebiet der Theologie. 
Er ist der Gefühlsmensch der Drei und in sofern interessant, dass er eine Berührungsphobie hat, die ihn in der Vergangenheit immer wieder in brenzlige Situationen geführt hat und ihn zu einem eher einsamen Menschen gemacht hat.
Mark, der starke FBI-Agent, hat ebenfalls einiges zu bieten. Er ist ein Indianer und seinen Ahnen sehr zugetan. Doch auch er hat einige dunkle Flecken in seiner Vergangenheit zu bewältigen. Dunkle Flecken und Schuldgefühle, die ihn bis in die Gegenwart verfolgen.
Und Mercy, Mercedes Brightman, deren Vergangenheit ebenfalls von Trauer überschattet ist, ist die Zynikerin, der Kopfmensch. Alle Drei zusammen ergeben eine wunderbare Mischung und eine sehr gut aufeinander abgestimmte Figurenkonstellation. Die nur so und nicht anders funktioniert.
Trotz all der Unterschiede, findet sich auch eine zarte Romanze zwischen den Figuren. Die Liebesszenen sind sehr sanft geschildert und wirken wie wohltuendes Beiwerk. Auf unaufdringliche Weise erzählt Ronelli von Gefahren und Schwierigkeiten dieser Liebe und auch von den großen Schatten, über die die Figuren springen müssen, um zu ihrem Glück zu finden.

Die Nebenfiguren sind dagegen leider etwas blass geraten. Die meisten tauchen nur am Rande auf, oder verschwinden sehr oft (auch auf unschöne Weise) sehr schnell wieder von der Bildfläche. Da das Hauptaugenmerk aber definitiv auf den drei Hauptcharakteren liegt, geraten die Randfiguren sowieso sehr stark in den Hintergrund. Trotzdem hätte ich gerne einen etwas einprägsameren Bösewicht erlebt. Denn auch dieser bleibt zum Großteil gesichtslos.

Der Beginn des Buches ist streng wissenschaftlich geprägt. Die Gespräche über DNA, Hormone und Biologie im Allgemeinen führten zu einigen Längen und wirkten zeitweise etwas ermüdend. Doch spätestens nach der Hälfte des Buches wird die trockene Fachsprache von mysteriösen Geschehnissen abgelöst.
Von Visionen, Träumen, Prophezeiungen und religiös angehauchten Aspekten, wie Engeln und Unsterblichkeit, findet man alles aus diesem Bereich. Doch auch Elemente, die eher der Science Fiction zugeordnet werden könnten, finden sich in diesem Roman. Hier sei zum Beispiel das Zeitreisen genannt.
Gerade die Mischung der unterschiedlichen Anklänge macht den Roman so interessant zu lesen. Dennoch beschreibt der Autor die „übernatürlichen“ Phänomene auf klare und leicht sarkastische Art und Weise, so dass er sich zwar scharf an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit befindet, aber nie in den Bezug zur Realität so gänzlich verliert. 

"Sein Seuftzer schien das Sterben einer ganzen Welt auszudrücken" 

Seine Sprache bleibt durchgehend schlicht, bleibt aber reizvoll. Er führt immer wieder interessante Metaphern und Vergleiche ein, die einerseits sarkastisch und zynisch, andererseits aber auch nachdenklich und teilweise philosophisch wirken. Es wirkt, als habe Ronelli einige Szenen mit einen Augenzwinkern geschrieben.
Neben den wissenschaftlichen und den übernatürlichen Szenen, kommt aber auch der Actionfaktor nicht zu kurz. Neben brisanten Verfolgungsjagden und Kämpfen mit traditionellen und weniger traditionellen Waffen, werden auch immer wieder einige Figuren verletzt oder müssen um ihr Leben kämpfen.
Mehr als einmal gelingt es den Charakteren nur mit Mühe und Not der Gefahr zu entkommen. Die meisten dieser Szenen sind rasant und schnell geschildert und sehr spannend. Erst gegen Ende werden immer etwas zu häufig solche Situationen eingeflochten, so dass es etwas langweilig wurde und leicht unglaubwürdig. An manchen Stellen muss Ronelli auf einen Deus ex Machina zurück greifen, um seine Figuren vor dem sicheren Tod zu retten. Da es sich hierbei mehr um geheimnisvolle, sehr fantasievolle Dinge handelt, lässt sich diese Tatsache verschmerzen.

"Eine weitere Träne verließ das Meer in ihren Augen"

Das Ende wirkt sicher auf den ersten Blick etwas zu einfach. Betrachtet man es genauer, wird einem auffallen, dass ein anderes Ende eigentlich gar nicht möglich gewesen wäre. Auch hier werden wieder die unterschiedlichsten Aspekte miteinander verflochten und zu einem schlichten aber soliden Ende zusammen geführt.
Ein kleines Manko bleibt aber. Die Frage, warum ganze Organisationen der Welt einen Serienmörder schützen, statt ihn einzusperren und dort Experimente an ihm durchzunehmen, wurde für mich nicht zufriedenstellend geklärt und bleibt als leichter bitterer Nachgeschmack zurück.
Der Epilog bildet mit dem Prolog einen wunderbaren Rahmen für das Buch, da es die allererste Szene des Romans quasi wieder aufgreift und etwas verändert.
Auch das minimal offene Ende stört nicht, macht den Roman, ganz im Gegenteil noch ein Stück weit interessanter für den Leser.

Als kleiner Nachtrag: Von der Goweli Serie gibt es noch zwei weitere Bände, in denen alle offenen Enden und Stränge zusammen gefügt werden und so ein rundes Ende ergeben!


Band 2: Die unbefleckte Empfängnis
Band 3: Die Offenbarung
 
Fazit:
Im Großen und Ganzen liegt mit „Der letzte Engel“ ein interessantes und leicht zu lesendes Buch, mit soliden Hauptcharakteren, vor. Ein Buch mit einem großen Unterhaltungsfaktor und einem überraschenden Ende.

4 von 5 Punkten

Danke an den Sieben-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 

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