Sonntag, 21. August 2011

Rezension: Im Bann des Nekromanten von Gail Martin


Im Bann des Nekromanten
Gail Martin
Bastei Lübbe (10. Feb. 2009)
ISBN
Originaltitel: The Summorer
Taschenbuch
592 Seiten
8,95 Euro 

 
Das Buch klingt zunächst nicht neu. Aber Martins außergewöhnliche Art zu erzählen macht den ganzen Roman zu einem innovativen Fantasyerlebnis.

 
Kurzbeschreibung:
„Am Fest der Seelen, lässt der Thronprinz von Margolan seine Eltern und seine Schwester ermorden, um den Thron an sich zu reißen. Sein jüngerer Bruder Matris muss mit den wenigen übrig gebliebenen Vertrauten fliehen und einen Weg finden, das Königreich aus den Klauen seines Halbbruders und seines Magiers zu befreien. Doch was er auf seinem Weg findet, sind nicht nur neue Freunde, neue Verbündete, sondern auch seine Macht selbst die Magie zu lenken. Ihr Weg führt sie durch viele Schwierigkeiten und Gefahren. Aber gemeinsam schmieden sie einen Plan.“

Die Weltengestaltung ist im Großen und Ganzen eher nebensächlich. Es gibt sieben Königreiche, die untereinander mehr oder weniger verbündet sind.
Dennoch ist Tris' Reise durch diese Länder sehr interessant und spannend gestaltet, auch wenn man noch nicht so viel von den unterschiedlichen Orten kennen lernt. Die Namensgebung ist der Autorin aber sehr gut gelungen.
So gibt es Orte wie Fahnlehen Stadt, oder den Finsterwald, oder auch der geheimnisvolle Ort mit dem Namen wohlklingenden Namen Ruune Videya. Aber auch die verschiedenen Gattungsbezeichnungen klingen sehr gut, wie zum Beispiel die Gyregon, die an kleine Drachen erinnern oder die Vayash Moru, eine Art Vampir. Einige der Figuren tragen nebenbei ebenfalls interessante Namen. So gibt es dort den geheimnisvollen Söldner Jonmarc Vahanian oder den Vampir Mikhail.

„Aye, mein Lehnsherr, du hast Recht. Jeder, der dich sieht, wird dich als Zauberer und als König erkennen.“ S.544

Die Charaktere sind teilweise sehr tiefgehend und stilvoll gestaltet, auch wenn sie nicht viel von den gängigen Klishess entfernt sind, teilweise bleiben sie aber auch etwas zu blass.
Um ein paar Beispiele zu nennen: Die beiden Protagonisten Kiara und Tris haben sehr viel Tiefe und ein eigenes Gesicht und einen eigenen Charakter. Er ist bescheiden und freundlich, geplagt von Selbstzweifeln, dem Wunsch nach Rache und Gerechtigkeit. Und sie ist die typische Prinzessin, die zum Wohl ihres Volkes bereit ist einen Mann zu heiraten, den sie hasst, aber dann doch fliehen muss und sich natürlich in den Protagonisten verliebt.
Dennoch sind beide Charaktere so sympathisch, dass es nicht schlimm ist, dass es ihre Art schon hunderte Male in anderen Büchern gegeben hat.
Vahanian dagegen entspricht dem Klishee des verschlossenen und geheimnisvollen Söldners ebenfalls nur all zu genau. Dennoch wächst er dem Leser ans Herz. Einige der anderen Charaktere, gerade die Figuren, die Tris am Anfang begleiten, bleiben blass und gesichtslos und deren Schicksal geht dem Leser nicht besonders ans Herz.

Auch die Romantik bleibt nicht auf der Strecke. Sie steht zwar nicht vollkommen im Vordergrund, bildet aber ein angenehmes Randgeschehen für den Roman.

„'Freunde und Geliebte setzen sich nur Gefahren aus und versuchen das Schicksal“ S. 185

Jetzt kommen wir zu dem ganzen Drumherum. Bisher klingt ja alles noch sehr einfach und wenig neu.
Aber durch die Aspekte des Göttlichen erschafft Gail Martin einen ganz interessanten und neuen Ansatz. Ebenso, dass es Gespenster, Geister und Untote gibt und immer schon gegeben hat, bringt sehr viel Abwechslung in das Geschehen. Tris' Magie, die auf seiner Fähigkeit beruht, die Geister zu sehen, mit ihnen zu sprechen und sie zu benutzen, oder zu erlösen, bringt ebenfalls sehr viel Spannung in den Roman, denn so manches Mal geraten die Freunde in böse Gefahren und nur Tris kann sie retten. Manchmal ist es aber auch die Magie, die die Gefährten in Gefahr bringt. So gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Der Tod und seine Begleitaspekte sind also durchgehend allgegenwärtig und gibt dem Buch einen düsteren Klang.
Auch die Vayash Moru sind etwas Besonderes. Im Großen und Ganzen handelt es sich bei ihnen nur um Vampire, die auch einige Eigenschaften von Vampiren haben, die man bereits kennt. Aber in der Mischung und Zusammenstellung aus bekannter Low-Fantasy und Vampiren kennt man beides vielleicht noch nicht und das macht das Ganze auf eine vorsichtige Art und Weise innovativ, ohne zu sehr von dem gängigen Bild in der Fantasy abzuweichen, was das Ganze unglaubwürdig gemacht hätte.

„'Du kannst diesen Körper nicht nehmen', erwiderte Tris unbeirrt und rührte sich nicht von der Stelle. 'Er ist nicht deiner'“ S. 428

Gail Martins Schreibstil ist ebenfalls sehr schlicht und schnörkellos, dafür aber sehr einfach und angenehm zu lesen. Sie erschafft mit wenigen Worten gewaltige Bilder und schafft es, den Leser emotional einzubinden.

Es gibt zwar eine Art Abschluss des Buches, aber die Haupthandlung bleibt unvollendet und das Schicksal der Figuren bleibt im Dunkeln. Das Ende ist sehr offen und macht unheimlich viel Lust auf mehr. Da es sich bei dem vorliegenden Titel um den ersten Band einer Reihe handelt ist dieser Umstand zu verschmerzen.

Fazit:
Der Grundgedanke des Buches ist nicht neu, aber die vielen Details und die vielen neuartigen Kleinigkeiten machen das Buch zu einem bemerkenswert interessanten Leseerlebnis. Ich kann „Im Bann des Nekromanten“ uneingeschränkt empfehlen.

1 Kommentar:

  1. http://lesezimmerchen.blogspot.com/2011/08/gleich-zwei-und-so-hubsch.html

    ;) Lg

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