Samstag, 6. August 2011

Rezension: Tochter des Windes – Rhapsody 1 von Elizabeth Haydon

Tochter des Windes
Elizabeth Haydon
Piper Taschenbuch (Juni 2005)
Originaltitel: Rhapsody
ISBN: 978-3492285483
Taschenbuch
768 Seiten
9,95 Euro

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Es ist nicht schlecht, aber es konnte mich auch an keiner Stelle so richtig begeistern.

Kurzbeschreibung:
„Rhapsody ist auf der Flucht vor ihr Vergangenheit. Als sie von zwei zwielichtigen Gestalten gerettet wird und von ihnen nicht nur auf die andere Seite der Welt geführt wird, sondern auch noch 14 Jahrhunderte in die Zukunft. Und trotzdem müssen sich alle Drei ihren ganz eigenen Gefahren stellen.“

Beginnend mit den Charakteren: Rhapsody, die weibliche Protagonistin, schön, begabt, geschickt, dabei natürlich schlagfertig und absolut bescheiden, ist eine vollkommene Mary Sue. Daher wirkt sie auf mich absolut unglaubwürdig und konnte mir nicht als Identifikationsfigur dienen. Im Verlauf des Buches wird mir ihre wahre Schönheit und ihre Perfektion einfach viel zu oft unter die Nase gerieben. Jeder Mann verfällt ihr, kann nicht mehr klar denken und will sie entweder sofort mit ins nächste Bett schleifen, oder sie (wenn er etwas mehr im Kopf hat) direkt heiraten.
Die männlichen Randfiguren bleiben sowieso immer sehr blass und werden zu sabberten Idioten degradiert.

Die beiden männlichen Protagonisten bedienen zwar beide jeweils ein wohl bekanntes Klishee, gefielen mir aber trotzdem deutlich besser, als die titelgebende Figur. Ahmed ist geheimnisvoll, mysteriös und scheint eine grausame Vergangenheit zu haben, trotzdem entwickelt sich so etwas wie Freundschaft zwischen ihm und Rhapsody. Eigentlich ist er derjenige, der den Ton angibt und das Sagen hat. Manchmal wirkte auch das auf mich sehr unrealistisch. Wenn Rhapsody doch so eine starke Frau sein soll, hätte sie an vielen Stellen einfach mal Ahmed gegenüber den Mund aufmachen müssen. Trotzdem ist er wohl der Charakter, der den Leser zum Weiterlesen fordert. Man möchte wissen, was geschehen ist, was noch geschehen wird und es ist deutlich, dass seine Geschichte daran einen großen Anteil haben wird.

Gruntor dagegen ist sehr sympatisch. Er bedient das Klishee, des großen, groben, aber unfassbar liebenswürdigen Ogerverschnitts. Nur, dass er nicht so dumm ist. Trotzdem hat er natürlich eine ganze Waffensammlung und kann nicht lesen und schreiben. Gruntor zaubert dem Leser immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht und seine Anwesenheit kann langweilige Stellen schon mal lesenswert machen.
Leider führt die Autorin immer wieder Nebenfiguren ein, die dann für ein oder zwei Szenen wichtig zu sein scheinen, aber dann irgendwo in der Versenkung verschwinden. Die meisten Nebenfiguren wirken gleich. Der Autorin ist es nicht gelungen den verschiedenen Personen ein richtiges eigenes Gesicht zu geben.

Die „alte“ Welt, die Welt der Vergangenheit bleibt sehr blass. Eigentlich lernt der Leser diese Welt nur in Form einer einzigen Insel kennen. Da, Rhapsodys „altes“ Zuhause für den Fortgang der Geschichte nicht mehr essentiell ist, hat mich dieser Umstand nicht gestört.

Die „neue“ Welt dagegen ist zwar eine typische mittelalterliche Fantasywelt mit Elfen – räusper- Verzeihung Lirin und Orks – räusper- Verzeihung Bolg, wird dem Leser aber sehr nahe gebracht. Denn nach der Reise durch die Zeit, hört das Reisen nicht auf.
Die Gefährten reisen von einem Ort zum anderen, lernen Menschen/Wesen kennen, retten den ein oder anderen und reisen weiter. Und gerade dieses questlastige hat mich an diesem Roman extrem gestört. Denn die Reisen und Reiseziele hatte den Großteil des Buches keinen roten Faden, schienen zum Teil sinnlos aneinander gereiht. Lange Zeit schien die Handlung ohne wirkliche Grundlage dahin zu plätschern.

Das Magiesystem, in dem Töne, Lieder und die Musik die vorherrschende Rolle spielt, mochte vielleicht nicht neu sein, wurde aber an einigen Stellen durchaus interessant umgesetzt und konnte mich von allen Aspekten des Romans am meisten faszinieren. Leider wurde die Magie irgendwann absolut inflationär gebraucht und Rhapsody bekam ihre neuen Kräfte, „zufällig“ wie es die Situation gerade erforderte. Auch das war der Glaubwürdigkeit des Romans sehr abträglich. Trotzdem mochte ich gerne von der Magie und der Musik lesen.

Gegen 2/3 des Buches kristallisierte sich auch endlich ein Ziel des Romans heraus. An dieser Stelle wirkte es aber bereits, als habe die Autorin einfach nicht gewusst, wie es weiter gehen sollte und hat sich daher kurzfristig für diese Lösung entschieden.
Die vielen Rückblicke in die Vergangenheit der Protagonistin wirken zu Beginn noch interessant, spannend und geheimnisvoll, nerven mit der Zeit aber nur noch.
Die Geschichte endet – sagen wir – halb offen. Einige Stränge werden definitiv zu Ende geführt, aber neue Stränge sind hinzu gekommen und neue Fragen wurden gestellt und so endet das Buch dennoch mit einer Art Cliffhangar.

Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen, dass ich mich die meiste Zeit beim Lesen eher gelangweilt habe. Lange Zeit passiert eben nichts, oder nichts sinnvolles. Jede Gefahr wird natürlich perfekt gemeistert, auch wenn Rhapsody gefühlt auf jeder zweiten Seite, nahe vor dem Zusammenbruch steht. Entweder weil sie körperlich so viel erleiden muss, oder weil ihre Trauer um ihre Familie und ihre Schuldgefühle sie erdrücken.

Der Schreibstil ist bemüht künstlerisch und wirkt daher auf den Leser übertrieben und muss an Ästhetik einbüßen.

Fazit:
Der Roman hat einige gute Ansätze zu bieten, aber das Potential der Geschichte und der Charaktere wird leider nicht ausgeschöpft und geht an einigen Stellen verloren.
Ich kann keine Empfehlung für diesen Beginn der Reihe aussprechen.

Kommentare:

  1. Hallo! Großes Lob an deinen tollen Blog. Ich bin jetzt regelmäßiger Leser deines Blogs und würde mich sehr freuen, wenn auch du meinen Blog besuchen würdest und wenn er dir gefällt, regelmäßiger Leser werden würdest.

    LG Chrisy

    Hier der Link zu meinem Blog: http://rozasleselieblinge.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
  2. Hallo ^^
    ich finde deinen Blog unheimlich schön.
    Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbeischaust: www.buechersymphonie.blogspot.com
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen