Mittwoch, 17. August 2011

Rezension: Die Messertänzerin von Susanne Rauchhaus


Susanne Rauchhaus
Die Messertänzerin
Ueberreuter (Januar 2011)
ISBN: 978-3800056033
Gebunden
366 Seiten
14,95 Euro 

Das Buch ist reine Poesie.

Kurzbeschreibung:
Divya gehört zu der niedersten Kaste ihres Landes. Sie ist eine Dienerin und hat zudem noch das Aussehen einer Tassari, dem verhasstesten Volksstamm unter der Regierung des Fürsten. Dennoch ist es Divyas größtest Ziel tanzen zu lernen wie eine Tana. Als die Schule, an der sie dient, überfallen wird, werden Wachen aufgestellt. Und von einer dieser Wachen lernt sie zu kämpfen wie ein Mann. Als sie sich verliebt scheint ihre Situation ausweglos. Denn wie kann sie jemanden lieben, der ihr Volk hasst und zu dessen größter Feindin sie geworden ist?“

Der Schreibstil der Autorin ist magisch. Sie beschreibt mit schlichten und einfachen Worten. Sie benutzt leichte Metaphern und klar verständliche Symbole und dennoch - oder gerade deswegen - findet sie die perfekten Worte um dem Leser die gesamte Bandbreite aller Emotionen und Gefühle näher zu bringen.
Nahezu auf jeder Seite, lässt sich eine Szene oder eine Situation finden, in dem sie fast auf philosophische Weise Dialoge oder innere Monologe einflechtet, die den Leser zum Nachdenken und Mitfühlen anreizen. Ihr Schreibstil macht es dem Leser außerdem sehr einfach, sich in die Figuren hinein zu fühlen und sich vor allem mit der Hauptfigur Divya zu identifizieren.

„'Such mich doch', flüsterte Divya mit der bitteren Stimme der Enttäuschung. 'Aber kann ein Adler eine Ameise fangen?'“ S. 162

Die Charaktere sind generell sehr liebevoll gestaltet. Der Roman ist aus der Sicht eines personalen Erzählers, mit Hauptaugenmerk auf Divya, geschrieben. Und gerade dieses Mädchen, mit ihren Hoffnungen, ihren Gefühlen und ihren Ängsten und ganz besonders mit ihrem absoluten Dickkopf, läd den Leser einfach ein, sich in sie hinein zu versetzen. Die Hauptfigur hat nicht viel Innovatives. Die junge Dienerin, die keine Familie mehr hat, die mehr sein will als sie ist, und die für das kämpft, was sie für gerecht hält, ist kein neues Motiv in der Fantasy, ist in diesem Buch aber so einfühlsam und dicht umgesetzt, dass das Mädchen einem sehr sympathisch wird und sich so ein gewisser Tiefgang entwickeln kann.
Die anderen Charaktere bleiben über fast 200 Seiten relativ blass. Divyas beste Freundin ist sehr stereotypisch beschrieben. Reich, perfekt, aber liebevoll und verständnisvoll. Und dabei bleibt es. Viel mehr erfährt man über Jolissa auch nicht und viel mehr muss man aber auch nicht erfahren. Und auch die späteren Rebellen und Verbündeten bleiben blass, gesichtslos und ohne großen Charme.

„Trotzdem habe ich deinen Namen aufgeschnappt und er wurde geflüstert wie ein Geheimnis.“ S. 61

Dennoch erfindet die Autorin mit den beiden Charakteren Tajan und Maita dagegen sehr ausgearbeitete und interessante Figuren. Der Wächter Tajan ist geheimnisvoll und düster und bleibt lange undurchschaubar. Maita ist streng und gnadenlos aber kämpft auf ihre Weise für das Gute. Beide leiden an ihrer Vergangenheit und so bleibt auch neben der Haupthandlung eine figurenorientierte Spannung erhalten.

„So tief ich in deinen Augen stehe, werde ich nie fallen können“ S. 70

Die fiktive Welt dieser Geschichte ist nicht besonders gut ausgearbeitet, die Regierung mit ihrem faszinierenden Kastensysthem dagegen schon. Und gerade dieses Stände- bzw Schichtenmotiv macht diese Geschichte besonders lesenswert. Denn gerade die herrschende Regierung sorgt durchgehend für ausreichende Konfliktpotential und für den Hauptplot des Geschehens.

Trotzdem steht auch die Romanze zwischen Divya und Tajan ganz besonders im Vordergrund. Die Schwierigkeiten der beiden und das Spannungspotential zwischen den beiden sorgt für ausreichendes Kribbeln in der Magengegend und für genug Emotionen, die den Leser mitreißen und mitfühlen lassen.
Dabei wird die Romanze auf keiner Seite bis ins letzte ausgereizt, bleibt aber auch nicht zu oberflächlich oder einfach.

„Ein Teil von mir kam zurück. Aber heute glaube ich, meine Seele ist noch hier“ S. 314

Das Ende hat ein bisschen was von einem typischen Happy End, was ich etwas schade fand. Denn gerade durch das hervorbrechen alter Konflikte und der Schwierigkeiten einer Revolution, hätte ich mit mehr Gefahren und mit einem etwas spannenderen Showdown gerechnet. Auch die Beziehungen zwischen den Charakteren werden ein bisschen zu schnell und ein bisschen zu verschönt aufgelöst oder wieder zusammen gefügt.

„Tanz ist Verführung – hinter der Maske der Bescheidenheit“ S. 39

Fazit:
Trotz kleiner Minuspunkte bleibt das Buch durchgehend magisch und der Schreibstil der Autorin emotional und sehr poetisch. Gerade das Konfliktpotential in den zwischenmenschlichen Beziehungen des Buches kann einen durchgehenden Spannungsbogen erhalten und auch das Hauptgeschehen des Buches bleibt konstant interessant und lesenswert.
Eigentlich müsste ich 4,5 von 5 Punkten geben, gebe aber im Endeffekt die volle Punktzahl, für wunderschön beschriebene Szenen und eine unheimlich liebenswerte Hauptfigur. 

Danke an: 

Kommentare:

  1. Von dem Buch habe ich bisher noch gar nichts gehört, aber dank deiner Vorstellung muss ich es jetzt einfach auf meine Wunschliste setzen :D

    Danke für die schöne Rezension!

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  2. Schöne Rezension. Das Buch will ich auch unbedingt lesen. Es hört sich unglaublich gut an. Liebe Grüße, Diti

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  3. Ich kann dieses Buch auch wirklich nur jedem empfehlen und dabei hat es auch noch so eine schöne Aufmachung. Gebunden, in einem kleinen Format, ohne Schutzumschlag, dafür ist das Bild direkt auf dem Buchrücken gezeichnet. Das Cover ist wirklich sehr passend!

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  4. Ich fand das Buch ebenfalls großartig. Schön, dass es dir ebenfalls so gut gefallen hat!

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