Freitag, 7. Oktober 2011

Rezension: Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird von Philipp Lahm

Philipp Lahm
Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird
Kunstmann(29. August 2011)
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3888977299
269 Seiten
19,90 Euro

Kurzbeschreibung:
Als Junge hat er bloß gern Fußball gespielt. Jetzt ist Philipp Lahm Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern München. Wie gelingt so eine Karriere als Spitzenfußballer? Und was muss ein moderner Fußballer dafür alles mitbringen? Philipp Lahm berichtet in vielen überraschenden Details über seinen Aufstieg vom Nachwuchsspieler des FC Bayern zu einem der besten Außenverteidiger der Welt. Er erzählt von unvergesslichen Momenten deutscher Fußballgeschichte und schildert, was hinter den Kulissen von Bundesliga, Champions-League und großen Turnieren geschieht. Und er beantwortet entscheidende Fragen: Welchen Anforderungen muss ein Spitzenfußballer heute genügen? Was bedeutet es, permanent in der Öffentlichkeit zu stehen? Was heißt es, im richtigen Moment Zivilcourage zu zeigen und wie kann man als Einzelner eine ganze Mannschaft mitreißen?“

Durch die Zitate und dem damit in Verbindung stehenden „Aufruhr“ in den Medien, bin ich – als bekennender Fußballfan (wenn auch nicht des FC Bayern München) – auf dieses Buch aufmerksam geworden. Neugierig, wie ich nun mal so bin, war mir bewusst, dass ich mir mein eigenes Bild von diesem Werk machen wollte.

Im Großen und Ganzen kann ich diese Aufregung rund um die Aussagen Philipp Lahms nicht so ganz teilen. Der Großteil des Textes ist eine Alltagsbeschreibung des jungen Rechtsverteidigers. Eine Alltagsbeschreibung eines Profifußballers. Mit all seinen Höhen und Tiefen, all den Ängsten und Zweifeln, all den Erfolgen und Misserfolgen und mit samt aller Missverständnisse, die sich im Leben nun mal so ansammeln können.
Lahm schreibt über seine Kindheit und die Anfänge seiner Fußballbegeisterung. Im weiteren Verlauf der Autobiografie beschreibt er die – für ihn – wichtigsten Turniere, seine Verletzungen, schreibt über Siege und Niederlagen und teilweise auch über seine Familie und seine Freunde. Im Zusammenhang damit erklärt er auch die Wichtigkeit des Rückhalts durch seine Betreuer und Berater innerhalb und außerhalb seines Vereins.

Der Schreibstil wirkt an manchen Stellen relativ distanziert und leidenschaftslos. Auf Grund dieser Tatsache vermittelt Philipp Lahm dem Leser auch nicht den Eindruck, das Buch geschrieben zu haben, um mit ehemaligen Trainern der Nationalmannschaft oder des FCB abzurechnen. Kein Satz ist als ernsthafte Beleidigung zu sehen, sondern eher als persönlicher Erfahrungsbericht.

"Alles ist sehr schnell gegangen, sodass ich das Gefühl habe zu fliegen. Aber ich habe etwas gelernt. Wer fliegt, darf keine Angst haben zu fallen" Seite 73

Außerdem arbeitet Lahm auch brisantere Themen auf durchaus objektive Art und Weise auf. So geht es auch um die Homosexualität unter Spielern, um das eigene Privatleben und auch um die Arbeit mit der Presse und anderen Medien.
Die Meinung des Autors kann man teilen, oder eben auch nicht. Zumindest leistet das Buch aber, dass sich der Leser kritisch mit den erwähnten Themen auseinandersetzen kann.

Alles in Allem ist das Buch so geschrieben, dass es sowohl als kurzweilige und recht interessante Lektüre, oder auch als Aufarbeitung des Fußballs im Zusammenhang mit der Öffentlichkeit gelesen werden kann.
Meiner persönlichen Meinung nach wäre das Buch in den Medien weniger berücksichtigt worden, hätten sich bestimmte Personen, (Trainer etc.) nicht auf eine derartige Weise angesprochen – oder besser angegriffen – gefühlt. Eine etwas gediegenere Reaktion der Betroffenen hätte sowohl Philipp Lahm, als auch ihnen selbst einige Höhen und Tiefen erspart.

"Wir waren tot, aber jetzt leben wir, und wie wir leben! Plötzlich spürt die Mannschaft, wo ihr Herz schlägt, wie ihre Leidenschaft erwacht. Plötzlich ist der Hunger da, der unstillbare Hunger nach Erfolg, der große Mannschaften auszeichnet." Seite 211

Der wahre Grund, warum dieses Buch geschrieben werden musste, wird wohl im Dunklen bleiben müssen. Denn ehrliche Ratschläge und Tipps für angehende Fußballprofis, die versprochen wurden, findet man hier eher vergeblich, oder nur – wer sehr aufmerksam hinsieht - sporadisch zwischen den Zeilen versteckt.

Dennoch kann ich das Buch all denen empfehlen, die interessante Einblicke in das Leben eines Profifußballers bekommen wollen. (Und natürlich allen glühenden Anhängern des FC Bayern München)
Fans anderer Vereine könnten sich durch einige etwas unglückliche Äußerungen unter Umständen ein wenig auf den Schlips getreten fühlen.
Im Endeffekt hat mich die Lektüre des Buches durchaus unterhalten und hat mir geholfen einige Aspekte des professionellen Fußballs mit anderen Augen zu sehen. 
 
Vielen Dank an den Kunstmann-Verlag:

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