Samstag, 5. November 2011

Rezension: Sturmklänge von Brandon Sanderson

Brandon Sanderson
Sturmklänge
Heyne (Oktober 2010)
Originaltitel: Warbreaker
Taschenbuch
ISBN: 978-3453527133
768 Seiten
16 Euro

„Sturmklänge“ ist mein Monatshighlight für Oktober 2011
Ein rundum gelungener Roman.

Kurzbeschreibung:
In Hallandren ist es an der Zeit, dass der Gottkönig Nachwuchs zeugen soll. Siri wird ausgewählt seine neue Braut zu sein. Sie muss den Platz ihrer älteren Schwester einnehmen, unerfahren, ungeübt und so ganz anders, als sich die Hallandrener ihre Königin wünschen.
Dazu kommt, dass Siris Reich und Hallandren kurz vor einem Krieg stehen. Intrigen und Machtkämpfe erschüttern das Reich und nur wenige Personen, können das drohende Unheil noch aufhalten.

„Sturmklänge“ hat alles, was ein gelungenes Buch ausmacht. Ein tolles Setting, ein interessantes Magiesysthem und ausgereifte Charaktere.

Zum Setting:
Der Ausgangspunkt ist das kleine Königreich, aus dem Siri stammt. Es wirkt im Gegensatz zu Hallandren eher standarisiert und überzeugt mit stereotypischen Bräuchen und einer wenig detaillierten monotheistischen Religion, die in ihren Grundzügen an das Christentum erinnert. Es verlangt von seinen Anhängern Demut, Bescheidenheit und Selbstkontrolle. Hier beginnt die Geschichte und gerade vor diesem Hintergrund können die sehr unterschiedlichen Charaktere Vivienna, die ältere Schwester Siris, die eigentlich den Gottkönig heiraten sollte, und ihre jüngere Schwester Sirir, die an ihrer Statt nach Hallandren geschickt wird, eingeführt werden.
Auch Hallandren wirkt auf den ersten Blick nicht besonders innovativ, kann aber auf den zweiten Blick mit einigen neuen und interessanten Aspekten überzeugen.
Hallandren wird von einem geheimnisumwobenden Gottkönig regiert, der quasi als unsterblich und als überaus mächtig gilt. Unter ihm stehen die unsterblichen Zurückgekehrten, die wöchentlich mit dem Hauch anderer Menschen am Leben gehalten werden, an die täglich Bittgesuche eingereicht werden und die in vollendetem Luxus leben. Hallandren ist gleichzeitig äußerst farbenfroh und dekadent. Gleichzeitig schön, faszinierend und abstoßend.
Das Regierungssystem hat einige Fehler und gerade dadurch kann einige Spannung erzeugt werden. So viele verschiedene Parteien, die in der Frage nach Krieg mitmischen und unterschiedliche Wege verfolgen. Priester, Zurückgekehrte, Söldner, Vivienna und Siri und noch viele andere.

Zum Magiesysthem:
Gerade die Form der Magie ist absolut faszinierend und eine gelungene Mischung aus neuen und bekannten Aspekten. Mit dem Hauch, den jeder Mensch besitzt, können Dinge und tote Lebewesen belebt werden. Dieser Hauch kann gesammelt werden und auch weiter gegeben werden. Je mehr Hauch ein Mensch besitzt, desto mächtiger ist er. Denn der Hauch verstärkt auch die Sinne. Im Verlauf der Geschichte erfährt man noch viele andere Details. Und je mehr man erfährt, desto deutlicher wird, wie facettenreich diese Art der Magie genutzt werden kann. Gerade die vielen Details machen das Magiesysthem sehr realistisch und durch den Abwechslungsreichtum auch glaubwürdig.
Vieles erfährt man indem man Vivienna durch ihre Geschichte begleitet, die zu Beginn auch eher unwissend und unbedarft mit dieser Magie in Berührung kommt. Denn je mehr sie erfährt, desto mehr kann auch der Leser erfahren. Es ist eine schöne Entdeckungsreise, auf die sich Figuren und Leser begeben.

Zu den Charakteren:
Wie schon erwähnt, wirken die Charaktere sehr ausgefeilt auf mich. Denn jeder Charakter hat seine Stärken und seine Schwächen und schwankt überwiegend auf der Grenze zwischen Gut und Böse. Bzw. es ist oft nicht alles so wie es scheint. Es gibt die geheimnisumwobenen Charaktere mit interessanter und dunkler Vergangenheit, die eine wesentliche Rolle spielen, so wie Vascher, oder die Charaktere, die den Leser absolut überraschen, weil sie doch so anders sind, als man am Anfang denkt, so wie der äußerst liebenswerte und sympatische Susebron.
Doch gerade Vivienna ist für mich die Figur mit dem größten Entwicklungspotential. Zunächst wirkt sie wie die verwöhnte und selbstgrechte Pirnzessin, doch je mehr sie erleben muss, desto mehr findet sie zu wahrer Demut und einer unerwarteten Stärke.
Lichtsang einer der Zurückgekehrten überzeugt vorallem durch Witz, Charme, Humor und Klugheit. Seine Zweifel machen ihn zu einem Charakter, der dem Leser sehr nahe kommen kann und mit dem man sich ohne Probleme identifizieren kann. (Das gilt aber auch für viele der anderen Charakter) Lichtsang ist ohne seinen Hohepriester Huscher kaum denkbar. Umso schöner, dass auch Huscher, den man als Nebenfigur sehr gut kennen lernen darf, noch seine Rolle spielen darf.
Generell sind einige der Nebenfiguren unerwartet gut ausgearbeitet, ohne dass Sanderson hier viele Worte an sie verlieren muss.
Das Buch lebt auch von zwischenmenschlicher Interaktion, Verrat, Zuneigung, Hilfsbereitschaft und (missbrauchtem) Vertrauen. Viele Dialoge enthüllen Geheimnisse oder schaffen neue Fragen. Gerade die Dialoge, in denen Lichtsang der Redeführer ist, sind interessant, das sie eine Mischung aus Ernst und hintergründigem Humor sind.

Zum Plot:
Der Plot ist fließend und spannend zu lesen, auch wenn er gar keine richtigen Spannungsbögen und Höhepunkte enthält. Durch viel Politik, Intrige und dem drohenden Krieg wird genug hintergründige Spannung ausgebaut, ohne diese mit unnötigen Actionszenen zerstören zu müssen. Auch die schon erwähnten zwischenmenschlichen Beziehungen beinhalten so viel Spannungspotential, dass dem Leser niemals langweilig wird.
Auch das Ende kommt ohne viel Aktion aus, auch wenn es später tatsächlich etwas rasanter wird. Das Ende wirkt zwar recht kurz abgehandelt, führt aber alle wichtigen Fäden der Geschichte zusammen und ist in sich abgeschlossen. Trotzdem wirkt es an manchen Stellen so, als sei Potential für eine Fortsetzung vorhanden.
An dieser Stelle weiß ich nicht, ob Sanderson sich diese Möglichkeit mit Absicht offen gelassen hat, oder ob das leicht sich erneut öffnende Ende gewollt war.

Zum Stil:
Sanderson hat einen sehr angenehmen, leichten Stil, ohgne einfältig zu wirken. Er schreibt teilweise eher schlicht und schnörkellos, aber auch teilweise auffällig philosophisch, fast schon poetisch pathetisch.
Trotzdem ist der Schreibstil den verschiedenen Charakteren angemessen und macht das Buch noch ein Stück weit lesenswerter.

Fazit:
Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch sehr überzeugen, denn gerade was Stil, Charaktere, Magie und Handlungsverlauf angingen, hatte das Buch einiges zu bieten. Und gerade durch die Art und Weise, wie die Geschichte der verschiedenen Figuren erzählt wird, hat einiges Neues zu bieten und birgt eine ganz eigene Spannung.
Kann es nur weiter empfehlen.

Das Cover:
Das Cover ist wunderschön schlicht. Es ist sehr gutgewählt, kombiniert es doch alle Wiedersprüche, die so auch im Buch vorhanden sind. Das helle Grau des Hintergrundes, dass die Leblosen symbolisieren kann, oder die Hauchlosen und vielleicht sogar Viviennas anfängliche Grundhaltung. Das große, schwarze Gebäude aber im Gegenzug den Palast des Gottkönigs und den zügellosen Luxus der anderen Unsterblichen. Ein tolles Cover, das zum Nachdenken anregt. Sturmklänge ist im großen Taschenbuchformat erschienen und daher ist das Preis-Leistungsverhältnis absolut gerechtfertigt.

1 Kommentar:

  1. Dann sollten wir uns schon langsam ein bisschen auf das Spiel einstimmen. Gutes Essen, Kerzen anzünden, und eine kuschlig warme Decke bereit legen. Bei Horrorbiene und Steppenwolf habe ich auch schon so viel Gutes zu den Büchern von Brandon Sanderson gelesen. Ich finde, dass die Bücher allerdings extrem teuer sind, und konnte mich deswegen noch nicht zum Kauf durchringen.
    Grins, ich gebe definitiv zu viel Geld für Bücher aus. :)

    Ich wünsche dir ein tolles Wochenende!

    Liebe Grüße,
    Tanja

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