Montag, 5. Dezember 2011

Rezension: Bauchgefühle sind Kopfsache von Rike Reinau

Rike Reinau
Bauchgefühle sind Kopfsache
Epidu Verlag (Okt. 2011) (*klick*)
ISBN: 978-3942584128
Broschiert
273 Seiten
12,90 Euro

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Kurzbeschreibung:
Florentine steckt in einer aussichtslosen Beziehung. Als diese endlich beendet ist, entschließt sie sich, erst mal Abstand von den Männern im Allgemeinen zu nehmen. Doch das sagt sich leichter, als es ist. Kaum hat sie sich entschlossen, keinen Mann mehr an sich heran zu lassen, verdrehen ihr gleich zwei Männer den Kopf.“

Wer hier einen typisch kitschigen Frauenroman erwartet liegt genau richtig. So bunt und kitschig und schmalzig wie das Cover, liest sich auch dieser Roman.
Leider ist die Geschichte an sich nicht ausreichend durch kombiniert und überzeugt eher mit unschönen Brüchen, als mit einer emotionalen und romantischen Geschichte zum träumen.

Florentine ist zwar im Großen und Ganzen eine sympathische Figur, irgendwie herzig mit ihrer liebevollen Macke Contradictios der deutschen Sprache zu sammeln und manchmal sogar ganz lustig in ihrem Zynismus, bereitete mir aber mit ihrem ewigem Gejammer, ihrer überzogenen Melancholie und ihrem durchgehenden Selbstmitleid zeitweise aber auch Kopfschmerzen. Ab und an hatte ich das arge Bedürfnis ihr in den Allerwertesten zu treten, damit sie aufwacht und zu leben beginnt und nicht nur davon redet es zu tun.
Die beiden männlichen Personen sind beides auch eher Stereotypen, was nicht anders zu erwarten war, aber da beide sehr liebevoll beschrieben werden und beide auf ihre ganz eigene Art auch sympathisch sind, fiel das nicht allzu sehr ins Gewicht. Wenn auch gerade Philipp mit seiner unentschlossenen Art und seinen angeblich so freundschaftlichen Gefühle fast durchgehend sehr unreif wirkte.
Alle anderen Nebenfiguren sind zwar ebenfalls sehr herzlich beschrieben, bleiben aber auch schlichtweg farblos und damit uninteressant und sehr stark im Hintergrund, auch wenn es Versuche von Seiten der Autorin gab diesen Umstand zu ändern.

Die Ich-Perspektive dagegen ist sehr gut gewählt. So muss sich der Leser fast zwangsläufig mit den Emotionen und den tausend gefühlten Abgründen Florentines auseinander setzen und ist bis zum Ende ebenfalls unentschlossenen, wankelmütig und zweifelnd, wie die Protagonistin. Das bisschen Spannung was den Roman begleitet wäre bei einer anderen Perspektive restlos verloren gegangen.

Leider wird der etwas seichte Handlungsfaden und die Leichtigkeit der Lektüre nicht vollständig durchgehalten. Viel zu oft verliert sich die Autorin in philosophischen Betrachtungen, die so gar nicht zu Florentine passen wollen. Ihre Dialoge strotzen von gewollt tiefgehenden Betrachtungen des Lebens, der Liebe und der Welt an sich.
Somit wirkten sowohl der Stil als auch die Protagonistin etwas unrund und damit gleichzeitig auch unglaubwürdig und nur wenig authentisch.

Die emotionalen Szenen waren mir dagegen dann meistens zu platt beschrieben. So ein richtiges Mitfühlen mit der Protagonistin wollte einfach nicht möglich sein. Ich muss auch sagen, dass es mir bis zum (eigentlich recht gut gelungenen) Ende herzlich egal war, für welchen der beiden Männer sie sich schlussendlich entscheiden würde. Ich war nur froh, dass sie irgendwann gelernt hat mit den ganzen Gefühlen etwas humorvoller umzugehen und sich im Verlauf der Geschichte nicht mehr allzu oft im Selbstmitleid ertränkt hat.

Dafür muss man der Autorin auf jeden Fall ein Händchen für die Beschreibungen von Orten bescheinigen. Das Setting veränderte sich zwar nicht groß, was ich auch nicht erwartet hatte, besticht aber mit einigen sehr schön beschriebenen Orten und lud damit dann doch noch etwas zu Träumen ein.
Egal ob es eine Burgruine im Abendlicht war, oder der vollgestopfte Ramschladen, den Florentine entdecken darf. Auch die Kunstausstellung und das Theaterstück waren liebevoll und detailreich beschrieben und wussten zu gefallen.
Leider passten auch einige dieser Einschübe nicht so recht in die ansonsten eher trockene Handlung.

Im Großen und Ganzen ist das Buch eine durchaus unterhaltsame, wenn auch eine stellenweise etwas unschlüssige Lektüre.
Ein Buch zum Schmunzeln für zwischendurch und als solches tatsächlich zu empfehlen.

3 von 5 Punkten 

Danke an den Epidu Verlag und an Blogg dein Buch!!! 

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