Montag, 5. Dezember 2011

Rezension: Das Geheimnis des Frühlings von Marina Fiorato

Marina Fiorato
Das Geheimnis des Frühlings
Limes Verlag (Sep. 2010)
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3809025740
Originaltitel: The Botticelli Secret
592 Seiten
19,99 Euro
(Die Taschenbuchausgabe erscheint im Februar 2012)

Kurzbeschreibung:
Luciana ist eigentlich eine ganz normale Straßenhure in Florenz, als sie aber von einem ihrer Freier gebeten wird einem Maler Portrait zu sitzen, beginnt das Abenteuer ihres Lebens. Denn das Gemälde verbirgt ein großes Geheimnis, das alle italienischen Staaten in große Gefahr bringen kann und eine Intrige ungeahnten Ausmaßes in sich birgt.

Dieses Buch ist ein ganz außergewöhnlich gutes Buch. Es ist nicht unbedingt vollkommen neu oder innovativ, aber die Gesamtkomposition ist magisch und spannend und weiß den Leser zu fesseln.
Es handelt sich bei diesem Roman um eine Art historischen Thriller, der alles beinhaltet, was der Leser sich nur wünschen kann.
Eine poetische und bildhafte Sprache. Unheimlich sympathische und gut ausgearbeitete Charaktere, mit authentischen Eigenheiten, das wechselnde Setting weiß zu überzeugen und auch von Romantik bis Aktion sind alle Attribute vorhanden.

Zu Beginn lernt der Leser Luciana kennen, eine Straßenhure in Florenz, jung, gewitzt und schön. Sie ist von Anfang an ein absolut liebenswerter Charakter, mit dem man mitfiebern kann, der einen mit seinem etwas schrägen Humor unterhalten und der auch schwierige Situationen meistern kann, ohne dabei zu einem Übercharakter, einer sogenannten Mary Sue zu mutieren.
Gerade ihre kleine Macke immer allem was sie erlebt drei Fakten oder Tatsachen zuordnen zu müssen, lässt sie sehr real erscheinen und macht sie zu einer authentischen Figur.
Der Leser kann ohne Probleme ihre Emotionen und Ängste nachvollziehen. Gerade ihre Zeit in Venedig macht sie sehr lebendig. Man fühlt und leidet mit ihr. Selbst ihre anfängliche Sturheit führt nicht zu Antipathie.
Auch Bruder Guido hat das gewisse Etwas, was ihn von anderen Charakteren in historischen Romanen abhebt. Er ist wirklich sehr stark in seinen Überzeugungen und bricht nicht schon zu Beginn des Romans und auch auf gar keinen Fall mit Leichtigkeit mit seinem Glauben.
Die Interaktion zwischen den Beiden ist ein Wechselbad an Gefühlen. Von einer spannungsgeladenen Atmosphäre, bis hin zu Witz und Humor ist auch hier alles dabei. Das macht die Lektüre sehr leicht und lässt nie Langeweile aufkommen. Dafür rückt die beginnende Romanze zwischen den Beiden niemals all zu sehr in der Vordergrund.
Ich hatte beide Figuren sehr schnell ins Herz geschlossen.
Im Verlauf des Buches wird der Leser noch viele weitere Figuren (vor allem Nebenfiguren) kennen lernen. Aber auch hier macht die Autorin alles richtig. Keine der Nebenfiguren wirkt blass. Jeder Charakter bekommt mit wenigen Worten sein eigenes Gesicht, wird durch Gestus und Verhalten charakterisiert. So erschafft Marina Fiorato ein sehr lebendiges Bild Italiens und erschafft ein glaubwürdiges Umfeld für ihre beide Protagonisten.

Auch das Setting konnte mich voll und ganz überzeugen. Gerade durch das Krimiartige des Romans ist es möglich, die beiden Figuren einmal quer durch Italien zu schicken. So lernt der Leser nach und nach Florenz, Pisa Neapel, Rom und Genua (und auch andere Orte) kennen.
Jede Stadt hat ihr eigenes Gesicht und wird mit einer Liebe zum Detail beschrieben, die oft ihresgleichen sucht.
Außerdem macht die Autorin nicht den Fehler die Zeit damals zu idealisieren. Sie versucht diese Antithese zwischen Abscheu, Sünde und Verfall genauso zu beschreiben, wie die Schönheit und den Reichtum der Orte. Dieser Balanceakt zwischen Licht und Dunkelheit gelingt ihr ausnehmend gut.

Durch die Aufteilung des Romans in verschiedene Bücher, die immer mit einem Datum versehen sind, ist es sehr leicht sich auch innerhalb der Romanstruktur ohne Probleme und mit Vergnügen zurecht zu finden.

Die eigentliche Handlung und das Rätsel um die Primavera wirkt auf den Leser interessant und schlüssig. Die Autorin scheint sehr gut recherchiert zu haben, was sie auch im Nachwort des Romans zugibt. Alle Fäden, offenen Geheimnisse und Fragen werden am Ende des Werkes zusammengeführt und ergeben ein authentisches Gesamtbild. Doch die Autorin beschränkt sich nicht nur auf die offensichtlichen Fäden, sondern webt auch ihre Nebenfiguren und augenscheinlich zunächst unwichtige Begebenheiten mit in ihre Komposition mit ein. Am Ende schafft es die Autorin den Leser mit Kleinigkeiten zu überraschen.
Der Epilog rundet das Gesamtgeschehen ab und gibt ihm ein klares Ende. Ein Ende, das zwar nicht unerwartet ist, aber das den Leser absolut zufrieden zurück lässt.

Der Schreibstil der Autorin ist ebenfalls hervor zu heben. Er wirkt detailreich und poetisch, ohne zu übertreiben. Er ist immer den einzelnen Situationen angemessen und überzeugt abwechselnd durch eine wissenschaftlich oder philosophische Sprache und dann wieder durch eine Art derbe Gossensprache. Diese Tatsache lässt den Roman weder unausgegoren noch unschlüssig wirken, bewirkt sie doch eher, dass die Figuren noch ein bisschen lebendiger werden, als sie es eh schon sind.

Im Großen und Ganzen muss man zugeben, dass die Autorin nicht unbedingt etwas Neues erschafft, aber die Fähigkeit hat aus einer alten Idee etwas sehr Authentisches und Lebendiges zu erschaffen. Wer die Befürchtung hat, dass Marina Fiorato eine Art „Illuminati“ des frühen Italiens geschrieben hat, wird überrascht sein, auf welch vielfältige Weise, sie dieses gängige Thema umzusetzen weiß. 

Das Cover besticht durch eine schlichte Schönheit.

Das Buch erhält von mir eine uneingeschränkte Empfehlung. 

Danke an:  

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die Rezension!

    Liebe Grüße aus München vom Blanvalet-Team

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