Dienstag, 20. Dezember 2011

Rezension: Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness

Deborah Harkness
Die Seelen der Nacht
Blanvalet (Sep. 2011)
Gebundene Ausgabe
Originaltitel: A Discovery of Witches
ISBN: 978-3764503918
800 Seiten
19,99 Euro

Kurzbeschreibung:
In Dianas Adern fließt magisches, uraltes Hexenblut. Doch nach dem Tod ihrer Eltern hat sie sich geschworen, dass die Magie niemals über ihr Leben herrschen soll. Sie hat sich der Wissenschaft verschrieben und versucht die Magie so gut sie kann aus ihrem Leben zu verbannen.
Doch eines Tages fordert sie bei ihren Studien ein altes Manuskript an, das ihr Leben von nun an verändern soll. Denn das Manuskript ist magisch und seit Urzeiten mit einem Bann belegt. Dämonen, Hexen, Vampire, sie alle wollen dieses Dokument und sind auch bereit dafür über Leichen zu gehen. Dann trifft Diana auf Matthew, einem uralten Vampir, der ihr verspricht, sie zu schützen und zu lieben. Doch kann sie ihm vertrauen?

Das Faszinierende an diesem Buch ist, dass es fast alles hat, um den Leser zu begeistern. Die Geschichte folgt nicht dem Schema – im Moment typischer - Mainstream-Romanen aus der Vampirszene und ist so eindrücklich geschrieben, dass es wirkt, als sei es mitten aus dem Leben gegriffen.
Leider sagen mir beide Hauptfiguren nicht besonders zu. Während alle Nebenfiguren einfach ganz wunderbare Charaktere sind, raubten mir sowohl Diana als auch Matthew immer wieder die Nerven.

Deborah Harkness weiß aber zu schreiben. Ihr Schreibstil ist sehr seicht und ruhig und sie lässt sich Zeit mit dem Beschreiben der Handlung. Einige ihrer Sätze haben fast schon philosophischen Charakter. Gerade die Ortsbeschreibungen und die Darstellungen von Düften und Geschmacksrichtungen sind dabei sehr realistisch und so genau, dass sie in den Vorstellungen des Lesers ein deutliches Bild hinterlassen.
Auch wenn die Handlung dadurch teilweise etwas arm bleibt an Höhepunkten, kommt beim Leser niemals Langeweile auf. Der Fokus sowohl der Handlung als auch des Schreibstils liegt ganz klar weniger auf Aktion, als viel mehr auf Emotion und Reaktion.

Auch die unmittelbaren Ausflüge in die Vergangenheit in Form von Erzählungen, Briefen und Erinnerungen gehören zu den großen Pluspunkten des Romans. Die Autorin beschreibt die Vergangenheit so lebendig, dass sie dem Leser manchmal näher wirkt, als die Gegenwart. Sie gibt dem Leser den Raum sich in den Beschreibungen zu verlieren, ohne den Bezug zu den wichtigen Strängen des Buches zu verlieren.
In den vielen kleinen Details, zeigt sich die Recherchearbeit, die unvermeidlich für „Die Seelen der Nacht“ gewesen sein muss. Bekannte und weniger bekannte Figuren, der Geschichte werden so lebendig beschrieben, dass sie dem Leser irgendwann fast ans Herz wachsen.

Ganz anders als es Diana oder Matthew tun.
Diana ist mir die meiste Zeit über absolut zu stur und in ihrer Sichtweise auf die Welt und im Besonderen auf ihr Hexenerbe deutlich zu eingeschränkt. Ihre Launen – der ständige Wechsel zwischen Wutausbrüchen und Selbstmitleid – wirkten zu gekünstelt, um glaubwürdig zu bleiben.
Matthew ist der typische, starke, unbesiegbare Beschützer, der es mir mit seiner Kontrollsucht, aber an vielen Stellen einfach zu weit treibt. Einerseits stellt er sich selbst da, als unnahbar und geheimnisvoll und – natürlich – unbesiegbar, andererseits liebäugelt er mir dann doch wieder zu oft mit seinen Schwächen. Das Schwanken zwischen seiner liebevollen Ader und seinen etlichen Zornausbrüchen wirkt ebenfalls nicht realistisch genug, um mich als Leser emotional noch einbinden zu können. Außerdem soll er an manchen Stellen gefährlich wirken, was leider nie so richtig gelingen mag. Sehr häufig wirkt seine Selbstdarstellung lächerlich.
Ganz anders dagegen sind die vielen verschiedenen Nebenfiguren. Die alle ohne viele Worte ein sehr eindrückliches Wesen bekommen, die so natürlich wirken, als seien sie direkt aus dem Leben gegriffen. Egal ob es sich dabei um Personen handelt, die auf Dianas Seite stehen oder um Personen der Gegenseite.

Auch die Darstellung der Magieeine Mischung aus Klischees und Neuem – konnte mich überzeugen. Vor allem das Haus von Dianas Tanten – ein ganz besonderer „Charakter“ - konnte mich abwechselnd zu Tränen rühren oder mich zum Lachen bringen.

Das Ende lässt etwas auf sich warten. Aber die Vorbereitungen sind minutiös und perfekt und daher spannend zu verfolgen. Und wenn man das Buch dann letztendlich zuklappt, sind viele Fragen offen, denn die Handlung kam nicht zu einem Abschluss. Man kann nur hoffen, dass die Autorin bald einen zweiten Band auf den Markt bringt, der die Geschichte von Diana und Matthew weiter verfolgt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass das Buch an vielen Stellen durchaus zu gefallen weiß und es gerade durch den Schreibstil der Autorin fast zu einem kleinen Highlight wurde. Nur Diana und ihr männlicher Gegenpart sind manchmal etwas zu anstrengend und verhindern, dass ich mich der Geschichte voll und ganz hingeben konnte. 

Vielen Dank an: 

1 Kommentar:

  1. Vielen lieben Dank für Deine Rezension!
    Wir freuen uns, dass Dir das Buch gefallen hat.
    Liebe Grüße vom Blanvalet Presse-Team

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