Freitag, 23. Dezember 2011

Rezension: Ewiglich die Sehnsucht – Ewiglich Trilogie 1 von Brodi Ashton

Brodi Ashton
Ewiglich die Sehnsucht
Oetinger (Januar 2012)
Originaltitel: Everneath
Gebunden
ISBN: 978-3789130403
320 Seiten
17, 95 Euro

Kurzbeschreibung:
Nur die Erinnerung an Jacks Gesicht hält Nikki die hundert Jahre im Ewigseits am Leben und bei Verstand. Nur Jacks Gesicht und ihre unsterbliche Liebe zu ihm.
Dann darf sie für sechs Monate zurückkehren in ihr altes Leben. Abschied nehmen von Jack und von Vater und Bruder. Danach muss sie für immer gehen. Doch ihre Liebe zu Jack lässt sie alles daran setzen einen Ausweg zu finden. Was schwerer ist, als sie sich ausgemalt hatte...“

Ewiglich die Sehnsucht ist ein Buch voller Gegensätze und einfach wunder wunder schön. Es ist einfach romantisch, dramatisch, gefühlvoll, emotional, schrecklich und schrecklich schön, faszinierend und faszinierend traurig und dabei mystisch und magisch.
Schlichter als man denkt, aber wirklich wunderschön. Es ist ein Buch zum träumen, obwohl an der Geschichte an sich eigentlich nichts traumhaft ist. Sogar eher albtraumhaft. Weil es erschreckend ehrlich ist, erschreckend hoffnungslos und hoffungsvoll zugleich.

„Ich bin schon tot. Deine Welt hat mich umgebracht.“ S. 46

Nikkis Situation ist klar umrissen und eigentlich so trostlos, dass es schmerzt. Aber als Leser musste ich ihre Stärke bewundern. Den Schritt zu gehen, ihre Lieben noch ein mal sehen zu wollen, egal was kommt, egal wie sehr sie darunter auch leidet und egal, dass es ihre Situation nur noch verschlimmert.
Sie ist eine sehr sympathische Protagonistin, weil sie reifer wirkt, als sie es für ihr Alter sollte. Hundert Jahre im Ewigseits, hundert Jahre Leid haben sie wachsen lassen. Sie ist nicht mehr das naive Mädchen, von zuvor. Sie steht zu sich und zu ihrer hoffnungslosen Situation. Wenn sie verzweifelte, verzweifelte ich mit, wenn sie liebte, kribbelten meine Fingerspitzen, weil es so echt, so real, so unfassbar authentisch wirkte. Wenn sie hoffte, hoffte ich auf ein gutes Ende. Nikki ist eine Person mit der man sich gerne identifiziert, eine Person, der man bis in die Tunnel und noch weiter folgen würde.

"Jedes Mal, wenn ich in einen Spiegel blickte, war ich überrascht, dass die Risse in meinem Gesicht nicht zu sehen waren. Bei jedem Lächeln hätte es zerbrechen müssen." S. 377

Auch Jack ist einfach liebenswert. Er entspricht eher dem Stereotypen des liebenswerten Gentleman, aber auch er fühlt und leidet so echt, dass es dem Leser ans Herz gehen muss. Nikki und Jack sind einfach ein wunderschönes Paar, ein Paar, dem man alles Glück der Welt wünschen will. Ein Paar dass zu tragischen Helden werden muss, weil die Zeit und Begebenheit es einfach nicht anders zulassen will.
Cole wirkte auf mich zunächst sehr kühl, distanziert und berechnend, wenig liebenswert. Aber es gibt Szenen, in denen auch er großen Eindruck auf mich gemacht hat. Das Bild des Lesers ist durch Nikkis Sicht auf die Dinge getrübt. Doch auch hinter Cole steckt mehr, als man zu Anfang ahnen kann. Auch er brachte meine Fingerspitzen zum Kribbeln.

"' Ich kann nichts empfinden', sagte er, doch seine Worte verrieten sein Gefühl, das ihn so offensichtlich ins Gesicht geschrieben stand, als hätte er nie im Leben etwas so tief empfunden." S. 369

Das Setting wirkte im Großen und Ganzen – lässt man mal die mythologisch gefärbte Welt, die hinter dem Normalen liegt, außen vor – sehr alltäglich. Schule, Familie, Nebenjob, Freunde und das Große Drumherum kennt jeder. Und gerade deshalb ist es einfach sich in diese Welt fallen zu lassen. Sie wirkt darum so real, weil es auch uns passieren könnte. Weil man als Leser oft vergessen will, was am Ende wohl auf Nikki wartet.

Durch die Ich-Perspektive wird das Gefühl der Identifikation und Nähe zu der Protagonistin im Übrigen noch verstärkt. Nikki spricht, wie sie fühlt, wie sie denkt und wie sie ist. Es wird nichts beschönigt. Mit Euphemismen wird gespart. Sie ist ehrlich, ehrlich zu sich selbst und zum Leser.

„Du willst wissen, wie ich es geschafft habe, dir hundert Jahre lang vorzumachen, ich hätte alles vergessen? Weil ich sein Gesicht vor Augen hatte. Und ich dachte, wenn ich ihn noch einmal sehen könnte, wenn auch nur für einen Tag, dann wäre das die hundert Jahre wert. Einen einzigen Tag, mehr hatte ich nicht verdient, und jetzt habe ich schon so viele gehabt. Ich habe gewonnen. Ich habe gewonnen!“ S. 111

Die mythologischen Aspekte werden erst nach und nach in die Geschichte eingebracht und vieles muss man erst zusammen mit Nikki erleben oder herausfinden. Das Puzzle wird Teil für Teil zusammen gesetzt. Es ist spannend zu verfolgen, was es mit dem Ewigseits auf sich hat und wie viel komplexer es ist, als man denkt.
Die Geschichte wird zwar relativ stringent verfasst, aber sehr oft werden Erinnerungen oder Erzählungen von früher in die Geschichte eingestreut. Diese Rückblicke erklären sehr vieles, bringen dem Leser die Figuren noch näher und enthüllen einige Geheimnisse. Vor allem Nikkis Motivation mit Cole ins Ewigseits zu gehen hat so viele Facetten, die man erst nach und nach in seiner vollen Bandbreite erkennen konnte.

"Der Geschmack in der Luft wurde bittersüß, eine Mischung aus Schmerz und Sehnsucht. 'Sag mir, dass du dich erinnerst', sagte er. 'Bitte.'" S. 149

Das Ende kommt zwar irgendwann nicht mehr überraschend. Aber trotzdem fesselt einen das Buch. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich Schwierigkeiten es aus der Hand zu legen. Ich wollte wissen, wie es weiter – wie es aus – geht. Ich wollte, dass der Schmerz ein Ende hat. Wollte dass Nikki Hoffnung haben kann, dass die Liebe über alles siegt.
Als ich das Buch zuklappte, musste ich aber erst mal verdauen. Das Ganze, alles zusammen, war einfach so traurig und dramatisch und dabei so romantisch, dass mich die Figuren eine ganze Weile noch verfolgt haben.

Fazit:
Absolut lesenswert. Zum mithoffen und mitleiden, mitlieben. Sympathische Figuren und ein spannender mythologischer Hintergrund mit einer guten Portion – glaubwürdiger – Romantik. 

Vielen Dank an: 

1 Kommentar:

  1. Ah, das Buch wartet auch noch auf mich. Ich habe nun schon so viele sehr positive Meinungen darüber gelesen, dass ich es kaum mehr erwarten kann.

    Lg Favola

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