Dienstag, 13. Dezember 2011

Rezension: Grim – Das Siegel des Feuers von Gesa Schwartz

Gesa Schwartzs
Grim – Das Siegel des Feuers
Egmont Lyx (März 2010)
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3802583032
688 Seiten
19,95 Euro

Kurzbeschreibung:
Grim wäre gerne so, wie andere Gargoyles. Aber schon ein mal hat er seiner Liebe zu den Menschen nachgegeben und wurde tief verletzt. Doch als der junge Jacob in Besitz eines geheimnisvollen Dokuments gelangt und kurz darauf stirbt, muss er alles daran setzen seine Schwester Mia, die das Dokument geerbt hat, zu schützen.
Denn dunkle Mächte wollen sowohl Menschen als auch Gargoyles für immer versklaven.

Zu Beginn des Buches schien es mir, als hätte dieses Werk alles, was man sich als Leser nur wünschen konnte. Ein unfassbar poetischer Scheibstil. Eine magische Geschichte über Ehre und Treue und Tradition und eine ungeheuer atmosphärische Stimmung, ein stimmiges Setting. Einfach alles. Doch je näher das Buch seinem Ende kam, desto weniger gefiel es mir. Die Szenen wurden immer abgehackter, düsterer und zusammenhangsloser. Teilweise wurden Begebenheiten so kurz abgehandelt, dass sie mich emotional nicht mehr besonders berühren konnten. Außerdem wurden plötzlich Namen wichtig, die zuvor höchstens eine gutgemeinte Randnotiz gewesen sind.

Er sah ihnen nach, bis sie in der Nacht verschwanden, einer nach dem anderen, wie erlöschende Funken.“ S. 276

Aber von Anfang an:

Der Schreibstil der Autorin ist wohl das Wichtigste und gleichzeitig auch Beständigste dieses Werkes. Gesa Schwartz schreibt so, als würde sie Bilder malen. Magisch, poetisch, bildreich, teilweise schlicht, teilweise sehr detailreich und im Großen und Ganzen einfach nur schön. Manche Szenen geraten vielleicht etwas zu episch, an manchen Stellen ist ein Dialog oder ein Gedankengang vielleicht zu übertrieben. Aber es passt zu der Geschichte, denn in vielen Momenten geht es um innere Stärke, Kameradschaft Freundschaft, Brüderlichkeit und vor allem um Magie. Und daher bekommt allein der Schreibstil ganze fünf von fünf Punkten von mir.
Die Autorin zeigt währenddessen einfach, dass nicht alles Gute wirklich gut ist und das nicht alles Schlechte wirklich Böses hervor bringt. Es ist alle sehr ambivalent und vielfältig gezeichnet. Es ist zu Beginn und im Mittelteil alles so voller Emotionen. Davon kann man sich schon mal erschlagen fühlen.

"'Aber kennst du nicht dieses Gefühl - zu fallen und auf den Aufprall zu warten, der nicht kommt?' Er hob leicht die Schultern. 'Ich falle nicht,' sagte er, ' Ich fliege.'" S. 474

Die Figuren sind ebenfalls wunderbar ausgearbeitet in ihrer Schlichtheit. Weder Grim – mal davon abgesehen, dass er ein Gargoyle ist – noch Mia entsprechen dem absoluten Standard. Sie wirken zwar auch nicht sehr innovativ, aber sie wirken fast durchgehend sympathisch.
Mia ist zärtlich und stark und ebenso menschlich. Man traut ihr zu, dass ihre zarte, aufkeimende Liebe ein Herz aus Stein erobern kann.
Grim ist dagegen so stur und misstrauisch, wie man es fast schon auf Grund seines Namens erwarten würde. Doch auch er hat seine guten Seiten. Sein Beschützerinstinkt, der nicht zu übertrieben wirkt, und auch sein Herz für Mia und – auch wenn er es nicht zugeben will – sein Herz für alle Menschen machen ihn ebenso sehr sympathisch.
Der Antagonist, mit dem vielleicht etwas übertriebenen Namen Seraphin, war mir dagegen aber ein Dorn im Auge. Er hatte zwar eine schlüssige Hintergrundgeschichte, die mehr oder weniger erklärte, warum er so geworden ist, wie er ist, dennoch wirkte er auf mich einfach nur nervtötend, weil er so vollkommen uneinsichtig und störrisch war. Seine wankelmütige Art empfand ich als Bruch in der Erzählstruktur.
Die Nebenfiguren gerade Remis – sind einfach sehr herzige Figuren. Die Nebenfiguren wirken fast schon innovativer und durchdachter, als die beiden Protagonisten. Da gibt es denn Zierkürbiszüchtenden Drachen, den Kopf Geheimpolizei der Gargoyles, der auf Samtumhänge und Kitsch steht, der verrückte, haarige Kobold Remis und viele viele andere.

"'Es ist noch nicht zu spät. [...] Kehr um. Du hast von neuen Welten geträumt - Welten jenseits von Tod und Zwang. Aber du hast deinen Weg verloren. Du hast deine Träume erstickt, die du noch immer fühlst, in jedem Augenblick deines kalten Daseins - wie den Tod, den du in dir trägst. Ich bitte dich - als dein Bruder.'" S. 648

Das SettingRom und Paris – ist perfekt gewählt und wird natürlich sofort mit den steinernen Wasserspeiern assoziiert. Der Leser hat also keine Schwierigkeiten sich in Grims Welt zurecht zu finden. Denn je nachdem, ist die Umgebung, düster, melancholisch, romantisch oder bedrückend und dabei gleichzeitig fast so bezaubernd, dass es zu Tränen rührt.
Auch die fiktiven und fantastischen Worte, die die Autorin erschafft sind durchdacht, fein ausarbeitet und geheimnisvoll. Dennoch verliert auch hier der Leser nicht den Überblick. Der einzige Ort, der mir einfach zu übertrieben und „zusammengeklebt“ vorkam war die Unterwelt, mit all ihren Gefahren und Figuren.

Am Ende meinte er, sie hätte geseufzt – aber es hätte auch ein Lachen sein können, ein irres, verfluchtes Lachen aus der Dunkelheit.“ S. 16

Leider ist das letzte Viertel des Buches nicht mehr so ganz nach meinem Geschmack.
Die Autorin erschlägt einen irgendwann mit der Dramatik des Ganzen. Gegen Ende reiht sich eine über-dramatisierte Szene an die Andere. Es kommen auch immer mehr Geheimnisse dazu, die gelüftet werden, manche wirken überraschend, manche überhaupt nicht.
Leider wirkt es gegen Ende so, als wollte Gesa Schwart die Geschichte möglichst schnell abschließen. Es geht alles so unfassbar schnell, dass ich Schwierigkeiten hatte, auch weiterhin emotional eingebunden zu bleiben.
Dennoch wirkte alles in Allem durchaus schlüssig und verwob sich im Allgemeinen zu einem Großen und Ganzen.

'Doch besinne dich! Bereue, was du getan hast, sei anderen deines Schlages ein Vorbild zum Guten, und dir wird vergeben werden, in dieser Welt oder der nächsten.“ S. 159

Vor allem auf Grund des Schreibstils und der Neuartigkeit der Geschichte, kann ich das Buch nur empfehlen und verstehe voll und ganz, warum die Autorin für dieses Werk einen Preis gewonnen hat. 
 
Danke an: 

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