Dienstag, 3. Januar 2012

Rezension: Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs

Ransom Riggs
Die Insel der besonderen Kinder
PAN (Nov. 2011) *klick*
Gebunden
Originaltitel: Miss Peregrine's Home for Peculiar Children
ISBN: 978-3426283684
416 Seiten
16,99 Euro


Eine märchenhafte Geschichte mit ganz besonderen Charakteren

Kurzbeschreibung:
Jacob ist seit seiner Kindheit mit den Geschichten seines Großvaters vertraut. Irgendwann aber hört er auf die wunderlichen Erzählungen über Kinder, die schweben können, oder die unsichtbar sind zu glauben. Auch die Geschichten über Monster rücken für ihn in den Hintergrund. Doch als sein Großvater plötzlich unter merkwürdigen Umständen stirbt, beginnt für Jacob eine Reise, die er nie vergessen wird. Er besucht einen Ort, der unmittelbar mit der Vergangenheit seines Großvaters verbunden ist. Und auf ein mal wird er wieder mit all den Märchen seiner Kindheit konfrontiert.

Die Geschichte ließ sich lesen, wie ein modernes Märchen, auch wenn es nur wenige märchenhafte Elemente enthält. Trotzdem webt der Autor ein Geflecht an Mysteriösen und Merkwürdigen und verleiht seinem Roman damit einen Zauber, der einen gefangen nimmt und sanft, ganz sanft in die Welt der besonderen Kinder entführt.

Zu Beginn des Romans war mir Jacob nicht besonders sympathisch. Er wirkte distanziert und teilweise etwas selbstmitleidig auf mich. Sein Misstrauen und seine Zweifel waren zwar authentisch dargestellt aber zeitweise etwas übertrieben.
Sobald er jedoch die Insel erreicht und die Ruinen aus der Vergangenheit seines Großvaters zum ersten Mal betritt, setzte bei mir der Zauber ein und Jacob kam mir näher.
Plötzlich hat er wieder etwas Jungenhaftes an sich, das sich sehr gut in die kleine Welt, die Riggs erschaffen hat, einfügt.
Durch die Ich-Perspektive des Romans ist der Leser ebenso unwissend wie der Protagonist und kann seine Verwunderung, seine Neugierde, seine Zuneigung und auch seine Angst hautnah miterleben.

Das raue Setting einer vergessenen walisischen Insel trägt ebenso dazu bei, dass der Leser das Geheimnisvolle und Unwirkliche in vollen Zügen genießen kann.
Das Heim der Kinder bildet dazu einen interessanten Kontrast, da dem Leser hier eine Idylle vorgegaukelt wird, in die er sich erst verliert und aus der er dann, ebenso wie Jacob und die Kinder, unsanft heraus gerissen wird.
Die Geschichte allgemein ist nicht neu und doch sehr stark schwarz-weiß gezeichnet. Dennoch schafft es Riggs dem Ganzen durch die Atmosphäre etwas Innovatives zu geben. Zeitweise hat der Leser das Gefühl in einem typischen Horrorfilm Statist zu sein.
Die Monster – der einzige Teil, der wirklich an ein Märchen erinnert – sind nicht besonders einfallsreich und neu, geben der Geschichte aber den notwendigen Antagonisten. Da der Schwerpunkt auf den Kindern liegt und deren Versuche mit ihrem Leben in dem nicht wirklich selbstgewählten Gefängnis der Zeit zurecht zu kommen, benötigen die Antagonisten in meinen Augen auch keinen weiteren Tiefgang.

Die Idee der Zeitschleife ist ebenso nicht neu, aber so bemerkenswert einfach gezeichnet, dass ich mir hier keine Gedanken zum Thema Logik oder Stringenz gemacht habe. Der Gedanke, des sich immer wiederholenden Tages schien mir nie Schwerpunkt sein zu sollen, sondern eher ein notwendiges Übel Mittel.
Auch die Romanze ist fein gezeichnet und bleibt hintergründig. Nimmt nie zu viel Raum ein und ist so zuckersüß wie die erste Liebe.

Das Ende ist ebenso einfach wie Handlung, vielleicht etwas actionreicher und weniger auf das Innenleben Jacobs gerichtet, sehr offen, aber irgendwie auch ideal.
Im Endeffekt hätte ich mir gern etwas mehr zu den besonderen Kindern gewünscht. Einige werden durchaus sehr stark charakterisiert und haben von nun an einen Platz in meinem Herzen, andere Kinder waren leider nur interessantes Beiwerk und blieben zu blass. Was schade ist, denn gerade an dieser Stelle hätte der Autor sehr viel mehr herausarbeiten können.

Die Aufmachung des Buches ist dagegen sensationell. Nicht nur das Coverbild, sondern auch alle anderen Fotos innerhalb des Buches sind authentisch und real und wurden nur teilweise ein wenig überarbeitet. Gerade diese Idee eine Geschichte um all diese seltsamen Fotografien zu entwickeln hat mich sehr gefesselt. Daher muss man dem Autor nachsehen, dass nicht alle Besonderheiten der Kinder überwältigend neu sind. Er wollte hier keine neuen X-Men erschaffen. So hat man Fähigkeiten, die schon fast an Klischees erinnern (Unsichtbarkeit und Schweben, enorme Stärke etc.) aber auch Besonderheiten, die tatsächlich etwas schräg anmuten können (Bienen, die im Körper wohnen, Jungen, die Golems erschaffen etc.)

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch sehr gut gefallen, da es ein Gefühl von Staub, Vergangenheit, Erinnerung und der Schwere eines vermeintlichen Idylls vermitteln konnte, ohne dabei aufgesetzt, übertrieben oder zwanghaft innovativ zu wirken.
Eine Geschichte, die manchmal wirkte, wie ein Traum oder eine markante Illusion.
 
Vielen Dank an Blogg dein Buch


 
und an den PAN Verlag!

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezension. Ich werde das Buch heute auch beginnen und bin schon ganz gespannt, ob es hält, was es verspricht.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Sehr schöne Rezension. Ich habe das Buch heute Mittag zu lesen begonnen und bin jetzt schon unglaublich begeistert davon :-) Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weiter geht.

    Liebe Grüße
    Ivi

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  3. Um das Buch mache ich eigentlich einen riesigen Bogen - das Cover ist mir einfach zu gruselig, sowas mag mein Bücherregal nicht. ;)

    Deine Rezi allerdings macht es mir dann doch wieder ein wenig schmackhaft. Naja, mal schauen, ob ich mich da irgendwann doch mal rantraue.

    Liebe Grüße
    Reni

    P. S. wenn dir der Film wieder einfällt, der dich an "Starters" erinnnert, sag mit gerne bescheid. :)

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  4. Hi,
    eine tolle Rezi. Fand das Buch auch unheimlich gut und irgendwie mal anders ... und die Fotografien dazu, einfach stimmig.

    LG Isabel

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