Mittwoch, 11. September 2013

Leserunde: Der Übergang von Justin Cronin (Update 3)


Bis Ende Teil II

Eine Zusammenfassung der einzelnen Kapitel spare ich mir ausnahmsweise und gebe einen Gesamteindruck wieder.
Cronin macht das, was ich nie in so einem Ausmaß erwartet hatte. Natürlich sterben Charaktere, aber normalerweise sterben nicht ALLE Charaktere (bzw. alle bis auf Amy, von der wir nach ihrem Abschied von Wolgast nichts mehr erfahren haben bisher.) Bei manchen weiß man einfach, dass sie Kanonenfutter werden, man ahnt es zumindest. Aber so -
Aber glaubwürdig und authentisch wirkt es trotzdem, vielleicht nicht trotzdem, sondern genau deswegen. Und immer wieder werden Szenen eingestreut, die einem kurz das Herz stehen bleiben lassen. Der Schreibstil macht es so unfassbar einfach sich in den Beschreibung und Handlungen zu verlieren. Als ein Mann bei Wolgast auftaucht, schon vom Virus befallen:

„Du musst genau hier hin schießen“ sagt er und deutet auf die empfindliche Stelle unterhalb des Brustbeins. „Genau hier hin“ Wiederholt er, „Ich würde es selbst tun, wenn ich eine Waffe hätte“
Und Wolgast nickt, bringt ihn in den Wald und tötet den Mann, danach begräbt er seine Geldbörse mitsamt seinen Erinnerungen. Ich war betroffen. Sehr sogar.
Eine nukleare Explosion erschüttert dann die Berge und trifft auch das Camp von Wolgast und Amy. (Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass ein Atomsprengsatz die Muties auslöschen könnte und ich habe Recht behalten) Der Virus wurde dadurch nicht eingedämmt. Aber Wolgast siecht an der Strahlenkrankheit dahin. Amy ist an seiner Seite, während er nur noch dahindämmert. Dann ist Amy auf einmal verschwunden und der gute, starke FBI Agent, schleppt sich mit letztem Willen nach draußen, wenigstens den Ort des Todes selbst bestimmen, und stirbt letztendlich mit Amys Namen auf den Lippen. Hier war ich nicht nur betroffen, sondern ziemlich erschüttert.

Teil III

Der Tagebucheintrag von Ida „Auntie“ erinnert mich sehr an das Buch „Sternenkinder“ – sowohl von der ruhigen, fast träumerischen, kindlichen Schreibart her, als auch auf Grund des Geschehens. Auch wenn im dritten Reich die Kinder deportiert worden sind um zu sterben, und die Kinder hier evakuiert werden.
Aber ich hatte durchgehend einen schlimmen Kloß im Hals. Die Entscheidung der Eltern ihre Kinder fort zu schicken, in der Hoffnung, dass sie danach sicher sind. Die Kinder, die zusammen gepfercht am Bahnhof stehen und weinen. Dann die Schüsse, die vielen Toten, Menschen den Tod riskieren um in einen der Züge zu kommen, dann Berge von Leichen und dann der Fremde, der Amy packt.

„Jemand muss dieses Kind nehmen. Jemand muss ihr helfen“
Und Amy wird geholfen und der Mann wird sterben. Szenen die einem im Kopf bleiben.

Die ganze Zeit über weiß man, dass es irgendwo eine Zukunft gibt, wo es einige Menschen überlebt haben, aber dennoch kann man sich dieser Erzählung nicht entziehen. Herzzerreißend, als Ida schreibt, dass sie vor ihrem Tod nur noch ein einziges Mal die Sterne sehen mag. Die Sterne, die nachts hinter dem grellen Scheinwerferlicht verschwinden.

Dann die Hausordnung, die eigentlich aus trockenen Fakten bestehend, trotzdem ans Herz geht, denn die schlimmste Strafe ist ein Aussetzen vor die sicheren Mauern. Und die Anweisung zur
„Gnädigen Hinrichtung durch die Wache“
wenn ein Mensch vom Virus befallen wird.

Dann Kapitel 19 (Anfang Teil IV)

Wir lernen einen neuen Protagonisten kennen. Peter. Der Wache steht, sieben Tage lang, auf seinen Bruder Theo wartet, um ihn zu erschießen, wenn er sich nähert, denn Theo ist befallen. Denn das tun die Männer für Ihre Väter, Söhne und Brüder. Die gnädige Hinrichtung. Und viele befallene Rückkehrer stehen nur da, so als bitten sie um die Kugel.
Aus Peters Sicht tauchen wir in die Vergangenheit ein und lernen, wie das Virus sich ausgebreitet hat, wie fast alle Länder nur noch Dead Lands bzw. Dark Lands sind. Wie die Muties agieren, wie die Sozialstrukturen aussehen und wie aussichtslos eigentlich das Leben ist.

Während des Lesens hatte ich Gänsehaut und wir war übel.

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