Mittwoch, 19. Februar 2014

Buch vs. Film – Eine Betrachtung

Anfängliche Betrachtung:

Manchmal stelle ich mir selbst die Frage, warum ich mich damals für einen Buchblog und nicht für einen Blog über Filme entschieden habe und die Antwort lautet immer gleich. Meine große Leidenschaft sind die Bücher – nicht das Medium Film.

Man darf mich an dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen. Ich mag Beides, Beides eben auf seine Weise. Ich habe ja durchaus auch schon Kurzrezensionen zu Filmen verfasst und auf Grund meines Studiums der Medienwissenschaften habe ich mich natürlich auch zwangsweise mit Filmen aller Art beschäftigt. Dennoch ist mir das Medium Buch in jeglicher Form etwas näher.

Ich möchte hiermit auch nicht zu einer Grundsatzdiskussion aufrufen, ich möchte meinen Blog nur dafür nutzen, einmal den für mich relevanten Unterschied hervor zu heben und meine Liebe zum geschriebenen und gedruckten Wort zu unterstreichen.

Natürlich gibt es viele Ansatzpunkte dieses Thema zu besprechen, ich möchte mich jetzt aber vor allem mit dem Unterhaltungsgenre beschäftigen und werde mich höchstens am Rand auf Themen wie Dokumentationen, Nachrichten oder Sachbücher beziehen. Ich hoffe, dass man mir das nachsehen wird.


Erzählte Zeit:

Die erzählte Zeit kann sowohl beim Buch als auch beim Film sehr variabel sein und ist nicht abhängig vom jeweiligen Medium. Beide Medien können sich auf eine sehr kurze erzählte Zeit beschränken – das heißt nur wenige Stunden – oder eben ganze Jahrhunderte zum Inhalt ihrer Geschichte machen. Gerade die Serie "24" bringt Ersteres auf den Punkt, wo jede Folge auch nur einer einzigen Stunde entspricht – oder die Bücher von Dan Brown aus der Robert Langdon Reihe, wo jedes Buch nur etwa einen Zeitraum von knapp 2- 3 Tagen beinhaltet.
Aber Erzählungen wie zum Beispiel Krieg und Frieden von Leo Tolstoi beziehen sich teilweise auf das Leben von Generationen, die sowohl in schriftlicher Form, als auch filmisch dargestellt werden können.
Im Grunde haben wir hier also keinen Unterschied in den Möglichkeiten, sondern nur im Mittel diese umzusetzen.

Der Film zum Beispiel muss sehr viel mit Schnitten arbeiten und möglicherweise sehr vieles weglassen, da einfach nicht die Zeit dafür da ist, auch alles in genauen Details zu erläutern. Das Buch muss ebenso mit Schnitten arbeiten (Das Buch möglicherweise in Teile unterteilen) – hat aber auf Grund einer möglichen hohen Seitenanzahl die Chance mehrere Jahrhunderte sehr viel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Erzählzeit:

Die Erzählzeit unterscheidet sich bei Film und Buch durchaus schon sehr viel mehr. Ein Film nutzt eine Erzählzeit zwischen etwa einer Stunde (bei Serien oder sehr kurzen Filmen) und möglichen 3 Stunden (wie zum Beispiel bei „Der mit dem Wolf tanzt“). Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen von der Regel, da Kurzfilme teilweise ja nur wenige Minuten lang sind (ebenso wie Nachrichten und Tagesthemen, die hier aber außer Acht lassen möchte). 
Das Buch nutzt eine Erzählzeit zwischen knapp 100 Seiten oder etwas über 1000. Das entspricht in Stunden irgendwas zwischen Einer und 15 – 20.- Je nach Schnelligkeit des Lesers, Schriftgröße, Zeilenabstand etc. Auch hier gibt es Ausnahmen. Witzen, Sketche, Märchen oder Ähnliches können natürlich sehr viel kürzer sein und Bücher wie die Bibel und Ähnlichem können durchaus sehr viel mehr als 1000 Seiten beinhalten, je nach Aufmachung.

Im Grunde möchte ich aber darauf hinaus, dass sich ein Buch meist einer sehr viel längeren Erzählzeit bedient als ein Film. Was natürlich zu Vor- und Nachteilen kommt. Für ein Buch braucht man deutlich mehr Geduld und eben mehr Zeit, als für einen Film, dafür bekommt man aber sehr viel mehr Detailreichtum geboten und man muss (zum Beispiel bei Fantasy- oder Abenteuerromanen) die Welt der Helden nicht so schnell wieder verlassen. Außerdem kann man gefühlt mehr Zeit mit den Charakteren verbringen und lernt sie möglicherweise besser, wenn auch etwas langsamer kennen.

Was man dem Film natürlich zu Gute halten muss. Für kurze, schnelle Unterhaltung ist er bestens geeignet und ein schlechter Film ist schneller vorbei, als ein schlechtes Buch. (Was an dieser Stelle natürlich einen leicht scherzhaften Unterton haben soll)

Wie gesagt, nur am Rande: Nachrichten und Dokumentationen bieten natürlich eine sehr viel schnellere, aber auch sehr viel komprimiertere Informationsaufnahme, als eine gedruckte Zeitung oder ein Sachbuch – also auch hier Vor- und Nachteile des Mediums.

Detailreichtum und Vorstellungskraft:

Beides resultiert natürlich durchaus auch aus der Erzählzeit, wie oben schon erläutert, andererseits aber natürlich auch aus dem Medium an sich.
Charaktere im Film werden gerade durch die Schauspielerische Leistung dargestellt, lassen aber gerade beim Aussehen nur wenig Raum für die eigene Vorstellung des Konsumenten. Eine Figur, die einem äußerlich nicht zusagt, kann durchaus eine negative Meinung hervorrufen, obwohl es sich um eine eigentlich „gute“ Person handelt.  Das Buch beschreibt zwar auch das Aussehen und das Verhalten, lässt aber auf Grund seiner Ungenauigkeit mehr Raum für das was sich im Kopf bei dem Konsumenten abspielt. Und dies ist eine der Haupteigenschaften, die ich am Medium Buch so zu schätzen weiß. 

Während der Film das Verhalten des Charakters darstellt und Emotionen eben nur durch die Taten und weniger durch Beschreibung wiedergeben kann, hat das Buch neben der Möglichkeit Taten und Aussehen zu beschrieben, bei Bedarf (meistens hofft man, dass es dem eben nicht bedarf) auch noch die Chance erklärende Worte einzufügen und kann so Emotionen auf vielschichtigere Weise wiedergeben, als es der Film kann.

Dies ist vermutlich eine der grundlegenden Aussagen über das Buch, die Schuld daran ist, dass mir das Buch eben näher ist, als der Film. Auf Grund seiner Vielschichtigkeit kann mich das Buch auf viel mehr Ebenen bewegen. Auch da es mich als Konsumenten zeitlich meist länger in Anspruch nimmt, kann es bei mir persönlich besser haften bleiben.

Auch Schockmomente, die mich im Film abstoßen, ekeln, aufregen oder erschrecken, mutieren in meinem Kopf noch zu viel viel Schrecklicherem.

Auch der Hintergrund im Film (also die Darstellung der Handlungsorte) sind absolut genau dargestellt – geben also alle Details wieder, lassen eben aber auch wenig Raum für die Imagination im Kopf des Konsumenten. Manchmal wird die Darstellung eines Handlungsortes als unpassend empfunden, während diese im  Buch teilweise sogar noch angepasst werden kann, wenn sie nicht allzu weit von der gewünschten Vorstellung abweicht.

Möglichkeiten für Unterwegs:

Früher wusste ich es sehr zu schätzen, dass ich ein Buch durchaus in eine Tasche stecken und mit mir herum tragen konnte. Sprich das Buch konnte lange Wartenzeiten oder Autofahrten etc. überbrücken, wo das beim Film früher noch nicht möglich gewesen ist.

In der heutigen Zeit gibt es natürlich für beide Medien eine Transportmöglichkeit. Durch Smartphones, Tablets und Laptops ist der Film nun auch bequem mitnehmbar und auch der dickste Wälzer ist durch Smartphones, Tablets und E-Bookreader nicht mehr so schwer in der Handtasche.

Daher kann ich an dieser Stelle kaum ein Vor- oder Nachteil finden. Außer vielleicht, dass der Konsument des Films durch den Ton nicht so schnell abgelenkt werden kann durch Gespräche und Geräusche von außen. Diese Betrachtung spielt für mich aber nur eine untergeordnete Rolle, da ich mich auch beim Buch selten ablenken lasse, es sei denn, das Buch ist wirklich schlecht.

Fazit:

Beide Medien haben natürlich ihre Vor- und Nachteile und ich liebe, wie gesagt beide. Und nutze beide auch viel und gerne, aber eben zu unterschiedlichen Zeiten. Ein Vergleich: Obwohl ich Honigbrot und Steak beides mag, mag ich mein Honigbrot doch eher am Morgen und mein Steak doch eher am Abend. Und das Buch ist mir in seiner Form persönlich einfach lieber. Ich denke ich konnte ungefähr darstellen, warum das so ist, auch wenn ich einsehe, dass das Thema natürlich sehr viel komplexer ist und sicher auch sehr viel mehr Stoff zur Diskussion beinhaltet.


Ich hoffe, es war trotzdem lesenswert und ich wünsche mir, dass der ein oder andere den Text tatsächlich sogar zu Ende gelesen hat, auch wenn er durchaus etwas länger geworden ist.

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