Montag, 17. Februar 2014

Rezension: Inferno von Dan Brown

Dan Brown
Inferno
Bastei Lübbe (14. Mai 2013)
ISBN: 978-3785724804
688 Seiten
26 Euro

WARNUNG: DIESE REZENSION KANN GERINGFÜGIGE SPOILER ENTHALTEN

Kurzbeschreibung:
Dante Alighieris »Inferno«, Teil seiner »Göttlichen Komödie«, gehört zu den geheimnisvollsten Schriften der Weltliteratur. Ein Text, der vielen Lesern noch heute Rätsel aufgibt. Um dieses Mysterium weiß auch Robert Langdon, der Symbolforscher aus Harvard. Doch niemals hätte er geahnt, was in diesem siebenhundert Jahre alten Text schlummert. Gemeinsam mit der Ärztin Sienna Brooks macht sich Robert Langdon daran, das geheimnisvolle »Inferno« zu entschlüsseln. Aber schon bald muss er feststellen, dass die junge Frau ebenso viele Rätsel birgt wie Dantes Meisterwerk. Und erst auf seiner Jagd durch halb Europa, verfolgt von finsteren Mächten und skrupellosen Gegnern, wird ihm klar: Dantes Werk ist keine Fiktion. Es ist eine Prophezeiung. Eine Prophezeiung, die uns alle betrifft. Die alles verändern kann. Die Leben bringt. Oder den Tod.

Meinung:
Dieses Buch ist solide Unterhaltungsliteratur in der guten, alten Robert-Langdon Tradition. Ich habe bisher aus der Reihe nur Illuminati und Sakrileg gelesen und Illuminati gefiel mir damals um Längen besser. Inferno reicht meiner Meinung nach, was Action, Spannung und Aufbau angeht durchaus an diesen Roman heran.
Leider begeht Brown auch in Inferno den Kardinalfehler, den er schon im Illuminati macht und vermiest mir somit mit der Auflösung am Ende den Rest des Buches. Was schade ist, denn gerade das Thema „Die (göttliche) Komödie von Dante Alighieri fasziniert mich und auch Florenz und Venedig sind Orte, die ich selbst besucht habe und die mich beide berührt und begeistert haben.

Aufbau und Stil:
Wie schon gesagt, das Buch ist für mich solide, klassische Unterhaltungsliteratur, mit einem durchaus spannenden Plot, einigermaßen überraschenden Wendungen, vielen Geheimnissen zum miträtseln und durchaus interessant gestaltete Figuren, die zur Identifikation einladen.
An manchen Stellen weiß der Plot zu überraschen und führt den Leser auf die falsche Fährte. Leider muss dazu gesagt werden, dass Vielleser, gerade Vielleser dieses Genres, einige der Wendungen durchaus sehr schnell durchschauen können. An einigen Stellen konnte mich die Handlung sogar hinters Licht führen, an anderen Stellen war mein Misstrauen so groß, dass ich einige Lösungen noch vor den Charakteren parat hatte. Dennoch gab es für mich keinen Spannungsabfall, da viele Charaktere und viele Handlungsstränge eben nicht das sind, was sie zu Beginn zu sein scheinen.
Robert Langdon ist mir bereits seit dem ersten Buch außerordentlich sympathisch. Er ist eine Figur mit einer sehr ausgeprägten, teilweise etwas inflationär und übertrieben genutzten Schwäche, aber auch vielen kleineren, weniger auffälligen Charakterzügen, die ihn zu einer Figur machen, mit der man mitfiebert, mitleidet und miträtseln kann. Die man ins Herz schließt und über die man gerne liest.
Die anderen Charaktere haben ebenfalls ein Gesicht, sind aber eben auch die typischen Figuren aus einem solide geschriebenen Thriller. Was sie nicht weniger gut macht.
Positiv hervor zu heben ist, dass Inferno nicht auf die gleiche Weise beginnt, wie Illuminati und Sakrileg, sondern, dass sich Dan Brown hier sogar eine Methode überlegt hat, wie er die größte Stärke Robert Langdons tatsächlich zum Teil aushebeln und negieren konnte. Meiner Ansicht nach, ist ihm das mit Bravur gelungen.

Negative Kritik:
Mal abgesehen vom Ende hat mich nur enttäuscht, dass die Göttliche Komödie nur peripher im Vordergrund stand. Die Rätsel ranken sich um verschiedene Gemälde und Schriften, sind aber nicht von den jeweiligen Künstlern impliziert, sondern werden quasi für Fremdzwecke ge- oder teilweise missbraucht.
Man darf mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen. Mir haben die Rätsel und das Rätselraten darum dennoch sehr interessiert und konnten mich stellenweise wirklich mitreißen (nicht umsonst habe ich das Buch an zwei aufeinander folgenden Tagen durchgelesen), dennoch hätte mich ein Geheimnis, das von Dante selbst inspiriert worden ist wohl noch einen Ticken mehr fasziniert.

Kommen wir nun zu meinem einzigen wirklich gewichtigen Kritikpunkt. Der Auflösung und dem Ende. Im Grunde findet Brown eine elegante Lösung das moralische Dilemma der Charaktere aufzulösen, das muss man ihm an dieser Stelle lassen, dennoch begeht er auch in diesem Buch den Fehler das Ende so zu gestalten, dass das ganze Geschehen zuvor nichtig gemacht wird. Hätte Langdon das Rätsel nicht gelöst wäre das Ganze grundsätzlich am Ende genauso ausgegangen, wie wenn er das Rätsel gelöst hätte. Das gibt mir persönlich immer sehr stark das Gefühl ein wenig verscheißert worden zu sein. Ala „Dann hätte ich mir das Lesen ja auch sparen können.“
Leider versaut mir dieser Gedanke im Rückblick auch gerne das gesamte Buch.

Fazit:

Wie gesagt, solide, interessante Unterhaltung, mit einem Ende, das mir persönlich auf den Schlips tritt. Dennoch muss man zu Browns Verteidigung sagen, dass ein Thema aufgegriffen hat, das sehr aktuell und sehr umstritten ist und er schafft es bemerkenswert geschickt sich aus der Affaire zu ziehen, ohne dabei einen genauen Standpunkt einnehmen zu müssen. Für Wenigleser und Brown-Liebhaber sicher eine wunderbare Lektüre und sicher auch für Menschen, die Florenz und Venedig auf Grund ihrer Kunst sehr schätzen. Für Vielleser vielleicht eher weniger geeignet.   

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