Dienstag, 8. April 2014

Rezension: Blutspur– Rachel Morgan Serie 1 von Kim Harrison

Blutspur

Kim Harrison
Heyne Verlag (6. Dezember 2006)
ISBN: 978 3453432239
Taschenbuch
592 Seiten
13 Euro

Kurzbeschreibung:

Rachel ist Kopfgeldjägerin und Hexe. Sie tritt aus dem aktiven Dienst aus und macht sich selbstständig. Dieser Umstand führt zu vielen Gefahren und Problemen und daher muss sie sich mit dem Vampir Yvi, die sie fürchtet und einem immer grantigen Pixie namens Jenks, zusammen tun – nicht nur um weiter arbeiten zu können, sondern auch um zu überleben.
Bei ihren Nachforschungen trifft Rachel auf den geheimnisvollen Trent, von dem niemand so genau weiß, was er eigentlich ist und womit er handelt. Ein Gegenspieler, dem Rachel kaum gewachsen ist und der sie immer wieder in höchste Gefahr bringt.

Allgemeines:

Im Grunde gehört Blutspiel, bzw. die gesamte Romanreihe sicher nicht zu der Art von Literatur, die ich bevorzugt lese. Wenn irgendwo schon „Vampir“ oder „Hexe“ drauf steht, dann verdrehe ich ja gerne die Augen und lege das Buch wieder zur Seite.

Blutspur habe ich aus zwei Gründen gelesen. Der erste Grund war, dass mein Ex-Freund, damals noch mein Freund, ganz begeistert von der Reihe gewesen ist und mir immer wieder davon vorgeschwärmt hat. Ich war skeptisch. Immerhin wirkte der Klappentext auf mich immer eher wie eine typische Form von Frauenromanen. 
Während der Beziehung habe ich das Buch zwar eine Weile mit mir herum getragen und haderte mit mir. Nach der Beziehung musste ich mich an einem Tag sehr schnell entscheiden, was ich lesen will und habe mich dann ganz spontan für diesen Roman entschieden. Die Skepsis blieb und irgendwie hatte ich auch nicht so wirklich richtig Lust darauf das Buch zu lesen. „Vampire“ wäh, „Hexen“ naja ok, aber wäh. Vorurteile halt.

Ich habe dann mal ein wenig recherchiert und damit kommen wir zu Punkt Zwei der Gründe, warum ich das Buch dann doch gelesen habe: Sowohl Wikipedia, als auch Amazon und diverse andere Seiten machten deutlich, dass es sich bei der Autorin Kim Harrison eigentlich um die Autorin Dawn Cook handelte.

Dawn Cook hatte mich damals ja schon mit der Wahrheiten-Reihe wirklich begeistern können. Vier Bücher, die ich jedes Jahr immer wieder gerne lese. Und an diesem Punkt war mir klar, dass ich der Rachel Morgan Serie definitiv eine Chance geben musste.

Meinung:

Der erste Band der Reihe konnte mich wider Erwarten tatsächlich überzeugen. Vielleicht wirkt die Reihe etwas weniger ausgereift und durchdacht auf mich wie die Wahrheiten Bände, (obwohl – glaube ich, die Wahrheiten Bände zeitlich zuvor entstanden sind) aber das könnte auch an meinen Vorurteilen liegen. Und außerdem gibt es ja schon etliche Folgebände, da wird sich dann zeigen, wie viel Potential noch genutzt wird und wie komplex die Story tatsächlich noch wird.
Fürs Erste bin ich aber sehr zufrieden.

Charaktere:

Die Reihe wird aus der Ich-Perspektive von Rachel erzählt. Ich-Perspektiven bergen immer die Gefahr, dass manche Eindrücke zu oft wiederholt werden, oder die einseitige Beleuchtung einer Figur dazu führt, dass man eine bestimmte Figur schnell über hat, an dieser Stelle aber habe ich keine Bedenken. Rachel ist eine sympathische Figur, die alles andere als perfekt ist. Sie ist trottelig, manchmal unbedacht, manchmal etwas zu voreilig und hat Ängste und Zweifel und Schwächen. Dabei verliert sie aber nie ihren trockenen Humor. Außerdem ist sie nicht allzu zickig und weinerlich, was mich bei weiblichen Protagonisten sehr oft, sehr schnell zur Weißglut treiben kann.
Rachel ist einfach eine perfekte Identifikationsfigur. Selbst ihre Hexenkräfte sind nicht mächtig oder außergewöhnlich genug um unglaubwürdig zu sein.

Die anderen Charaktere bleiben zunächst noch im Hintergrund. Die Vampirin Yvi ist geheimnisvoll und gefährlich und teilweise unkontrolliert, Nick taucht erst gegen Ende des Buches auf, scheint einige Seiten in sich zu bergen, von denen noch niemand etwas ahnt, aber das Misstrauen ist da, der Antagonist Trent birgt wohl von allen das größte Geheimnis und Jenks - …. Ja Jenks, ist einer der besten Charaktere über die ich je gelesen habe. Als Pixie kaum einige Zentimeter hoch, ist er einfach das was das Buch tatsächlich zu etwas Außergewöhnlichem machen. Er ist eigentlich immer schlecht gelaunt (die perfekte Identifikationsfigur für mich selbst) – brummelig, aber dabei loyal und treu. Er und seine Familie sind einfach so herzig, dass man sie lieben muss.
Auch in ernsten oder bedrückenderen Szenen sorgt Jenks für die nötige Prise Witz.

Hintergrund:

Der Hintergrund der Bücher wirkt noch etwas mager. Natürlich wird erklärt, wieso ein Großteil der Menschheit ausgelöscht worden ist und warum die Inderlander, Hexen, Vampire, Pixies, Feen etc. aus ihren Verstecken ans Tageslicht gekrochen sind, es gibt Drogen, Verbote, neue Behörden, die alles regeln und natürlich die Hollows, Vororte in denen fast nur Inderlander leben. Auch die Vampire werden etwas näher beleuchtet, auch die verschiedenen Magiearten – bis hin zu Dämonen etc. Aber irgendwie wirkt das Ganze noch nicht so ausführlich und ausgereift, wie man es sich vielleicht wünschen kann.
Aber ich denke das hängt auch damit zusammen, dass es sich bei Blutspur um den ersten Band handelt und in den Folgebänden noch sehr viel mehr Licht ins Dunkle gebracht werden kann.

Hauptstory:

Das Grundgerüst des Plots ist auf den ersten Blick sehr einfach. Rachel kündigt ihren Job und weil der Vampir Yvi ihr folgt, wird ein Kopfgeld auf Rachel ausgesetzt. Um sich aus ihrem Vertrag freikaufen zu können und so am Leben zu bleiben, versucht sie auf eigene Faust einen großen Fall zu lösen, den vorher niemand lösen konnte und gerät dabei in die Fänge des Antagonisten. So richtig viel mehr will auch gar nicht passieren und wo ich sonst vermutlich die fehlende Spannung oder Kreativität bemängelt hätte, waren es für mich sowieso eher die Details in der Interaktion der Figuren, der verschiedenen Gesellschaftsstrukturen der verschiedenen Kreaturen und so weiter, die mich haben weiter lesen lassen und die mir so außerordentlich gut gefallen haben.

Stil:

An manchen Stelle hätten manche Beschreibungen gerne weniger ausführlich sein können, an anderen Stelle dagegen gerne etwas detaillierter und genauer, so dass bestimmte Zusammenhänge leichter zu erkennen gewesen wären. Manche Dinge wurden mir zu oft wiederholt, sowohl Rachels Angst vor Yvi oder die Art und Weise wie Rachel immer wieder bei Trent einbricht. Aber auch bei der Wortwahl und dem Ausdruck kam es zu einigen Wiederholungen.

Fazit:


Alles in Allem hat mich das Buch aber nebenbei sehr gut unterhalten. Für reine Unterhaltungsliteratur war es gut lesbar und gerade die Charaktere sind ein großer Pluspunkt. An manchen Stellen fehlte die Spannung und manchmal wurden einige Dinge zu oft wiederholt. Auch der Hintergrund darf gerne weiter ausgebaut werden – aber wie gesagt, alles in Allem trotz Vampiren und Hexen irgendwie gut gemacht, nicht allzu düster, kein belangloser Sex, der als Erotik verkauft wird und mit durchaus neuartigen Ansätzen. Ich bin zufrieden. 

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