Donnerstag, 30. Oktober 2014

Rezension: Kind der Magie – Dämonenkind-Trilogie 1 von Jennifer Fallon

Kind der Magie
Jennifer Fallon
Heyne (Februar 2008)
Taschenbuch
ISBN: 978-3453523838
Originaltitel: Medalon (Demon Child 1)
752 Seiten

Kurzbeschreibung:

Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das geboren wurde, um die Welt zu retten. Stirbt sie, stirbt die Hoffnung eines ganzes Volks: Eine dunkle Schwesternschaft herrscht über Medalon. Nur ein Dämonenkind, das Kind eines Gottes und eines Menschen, könnte sie stürzen. Als sich ein Bote der Götter aufmacht, dieses Kind zu suchen, trifft er auf eine Gruppe Rebellen. Ist unter ihnen die Auserwählte?

Allgemeines:

Die Dämonenkind-Trilogie ist die erste Reihe der Autorin Jennifer Fallon. Ich habe dennoch mit der Trilogie Legenden von Hythria begonnen, obwohl sie erst nachträglich verfasst worden sind, da diese zeitlich zwei Jahre zuvor endet und in der gleichen Welt angesiedelt ist. Die Dämonenkind-Trilogie spielt in Medalon statt in Hythria, sprich in einer anderen Region der Welt.

Die Legenden haben mir leider bisher sehr viel besser gefallen, als die vorliegende Trilogie, denn die Politik und Kultur wirkte komplexer, weniger klassisch und die Charaktere wirkten ausgereifter. Dennoch habe ich mich sehr gefreut einige alte Gesichter wieder zu treffen und immer wieder Anspielungen auf die Geschehnisse in der Vergangenheit zu erkennen. Außerdem möchte ich damit nicht sagen, dass mir das Buch gar nicht gefallen hat. Ich würde es nur nicht als Meisterwerk bezeichnen. Im Grunde ist es besserer Durchschnitt.

"Eingebildete Sorgen konnten eine schlimmere Marter als wirkliches Leid sein." Seite 423

Aufbau und Stil:

Bei der Dämonenkindtrilogie gibt es einige Details, die mich durchaus sehr gestört haben und die mich gerade gegen Ende daran gehindert haben das Buch zügig zu beenden.

Da hätten wir zum einen die ständigen Wiederholungen innerhalb des Hauptplots. R’Shiel und Tarja befinden sich durchgehend auf der Flucht, werden gefangen genommen und immer wieder im letzten Augenblick gerettet. 
Das Thema zieht sich endlos durch das Buch und soll spannungstragend wirken. Leider ist es nach den erst zwei drei Malen einfach schon so bekannt, dass man bei jeder weiteren Gefangennahme nur darauf wartet, dass irgendwer zur Rettung eilt.

Leider hängt ein weiterer Kritikpunkt genau damit zusammen. Die Szenen wirken einfach unausgegoren teilweise. Jede Interaktion wird schnell abgehandelt, bleibt oberflächlich, lässt an Atmosphäre vermissen und konnte mich nur selten emotional erreichen.

"Das Heimweh, das er in jedem Augenblick des Wachseins als dumpfen Seelenschmerz empfand, flammte jedes Mal zu heißer Sehnsucht auf, wenn er sich zu viel Gefühl gestattete. Nicht von daheim zu träumen war klüger; es war besser, überhaupt nicht daran zu denken." Seite 110f

Selbst sehr schockierende oder aufwühlende Themen, wie Tarjas Folter, R’Shiels Probleme mit einem der Aufseher, der vermeintliche Verrat an den Rebellen, drohender Tod oder die wenigen Liebesmomente habe ich mit großer Distanz und später mit abflauendem Interesse gelesen.

Stilistisch hat das Buch ebenfalls seine Schwächen. Alle Charaktere (bis auf wenige Ausnahmen – Unterschichtdialekt) nutzen eine extrem hochgestochene, teilweise sehr unauthentisch wirkende Sprache. Dieses Überkanditelte zieht sich durch jede Kommunikation, egal in welcher Szene.

Dazu kommt, dass die Autorin (oder vielleicht der Übersetzer) große Probleme mit Schimpfworten zu haben schien. Selbst wenn ein Charakter in große Wut geriet, wirkten die Flüche und Schimpfworte wie absichtlich abgeschwächt. Da fielen dann schon mal so Worte wie „Kleine Schlunze“ – wo ein saftiges „Schlampe“ oder ähnliches angebrachter gewesen wäre.



Eigentlich war es mir letztendlich auch egal, was mit den Figuren geschieht oder ob meinetwegen Medalon nieder brennt. Meistens habe ich mich nach Hythria zurück gesehnt.
Ich habe nur mit Interesse weiter gelesen, weil ich die Harshini ganz spannend finde und die Interaktion mit den Göttern, allen voran Dace dem Gott der Diebe unglaublich interessant und teilweise sogar witzig fand.

Charaktere:

Tarja wirkt zeitweise einfach zu perfekt. Und auch das Geheimnis um seine Herkunft wird mir zu schnell gelöst. Ab und an trifft er zu offensichtlich die falschen Entscheidungen, aber auch wenn er relativ blass und ohne Tiefe bleibt, ist er durchaus ein Sympathieträger. Zu Beginn des Buches hatte ich mir tatsächlich eine Liebesgeschichte mit ihm und R’Shiel gewünscht. Als ich sie dann bekam, war ich aber enttäuscht, wie nebensächlich und erzwungen sie wirkte.

R’Shiel dagegen ist für mich der absolute Wackelkandidat. Sie ist natürlich perfekt. Schön und klug und was Besonderes, aber ihre aufmüpfige Art (ich kann das nicht positiv sehen und es „rebellisch“ nennen) und ihre Zickereien, ihre ständigen Launen, ihre Wechselhaftigkeit und ihre permanenten Ausraster gingen mir schon stark an die Nerven. 
Gott sei Dank, ändert sich das irgendwann aber es blitzt leider immer wieder durch. Es ist ja im Plot verankert, das sehe ich ein, aber die Umschwünge wirken zu krass um glaubhaft zu bleiben. Teilweise wollte ich sie erwürgen. Aber wie gesagt, gegen Ende kam ich ganz gut mit ihr zurecht.



Die anderen Charaktere – die Götter mal ausgenommen und auch Brakandaran – sind mir meistens zu schwarz/weiß. Die Bösewichte sind natürlich oberböse, sadistisch und triebgesteuert und haben Spaß am Foltern, sind machtgierig und sowieso alles was man so sein muss, wenn man böse ist. 
Und die „Guten“ sind Schablonen. Die meisten kann man austauschen. Und wenn nicht Tarja oder Brak ständig für sie mitdenken würden, würden vermutlich alle wie Zombies eine Klippe runter rennen und dabei auch noch jubeln.

Die Charaktervielfalt aus den Legenden fehlte mir hier sehr.

Das Ende jedoch fügte sich nahtlos ein. Auch wenn es mir dann doch etwas zu einfach und leicht gelöst wurde.

"'Du bist dort Mensch,' versicherte Tarja, indem er auf ihr Herz deutete, 'wo es am meisten zählt." Seite 681

Fazit:

Ich habe das Buch trotz aller Kritikpunkte wirklich gerne gelesen, auch wenn es mir am Ende dann doch etwas zu langatmig wurde. Einige Stränge bergen sehr viel Potential und könnten in den Folgebänden noch einiges reißen.

Es ist durchaus gut, dass ich die beiden Folgeteile schon im Regal stehen habe, da ich die Hoffnung habe, dass die Charaktere sich noch ein wenig entwickeln und einige interessante Plotpunkte etwas besser ausgearbeitet sind. 

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