Dienstag, 21. Oktober 2014

Rezension: Schwarzes Prisma – Die Licht-Trilogie 1 von Brent Weeks

Schwarzes Prisma

Brent Weeks
Blanvalet (19. Sep. 2011)
Broschiert
ISBN: 978-3442268160
Originaltitel: Black Prism – The Lightbringer 1
800 Seiten
15 Euro

Nicht mehr als guter Durchschnitt.

Kurzbeschreibung:

Gavin Guile ist der hoch geehrte Lord Prisma. Allein seine magischen Fähigkeiten, seine Intelligenz und seine Überzeugungskraft bewahren den unsicheren Frieden im Reich. Doch Gavin bleiben nur noch fünf Jahre zu leben. Fünf Jahre, um fünf unmögliche Ziele zu erreichen. Da erfährt er, dass er einen Sohn hat, und von der Gefahr für dessen Leben. Doch um den unschuldigen Jungen zu retten, muss Gavin sein dunkelstes Geheimnis offenbaren – und damit das Reich zerreißen. Denn sein Leben fußt auf einer Lüge, und seine Macht ist lediglich geraubt. Kann er diesen Preis bezahlen, um sein einziges Kind zu retten?

Allgemeines:

Ich bin unsicher woran es genau liegt, dass mich das Buch nicht vollständig in seinen Bann ziehen konnte.  Entweder war ich von all den großartigen Sanderson-Büchern einfach viel zu verwöhnt, oder es waren dann doch all die feinen Schönheitsfehler, die diesem Buch abträglich waren.

Charaktere:

Da waren zu aller erst einmal die Charaktere, die mich auf ganzer Linie so gar nicht überzeugen konnten.

Gavin soll wohl sympathisch wirken, innerlich zerrissen, ein guter Mann, der Fehler macht und gemacht hat. In meinen Augen ist er aber nur Super-Guy, der arrogant ist, selbstgerecht, machtsüchtig, abhängig und vor allem ein Jammerlappen. Ob er lebt, oder stirbt oder was er macht interessiert mich einfach absolut nicht. Die ach so großen Geheimnisse, die ja angeblich niemand kennt, kennt irgendwie am Ende doch jeder schon, sind absolut vorhersehbar und wenig überraschend.

Kip wirkt plump. Er soll wohl der liebenswerte Vollidiot-Nicht-perfekte-Held sein, aber leider ist er nicht nur körperlich plump. 
Seine Gedankengänge sind teilweise arg stumpf, er macht die dümmsten Sachen, muss sich immer wieder aus der Scheiße helfen lassen, und dazu ist er eine Ansammlung Teeniehafter Hormonprobleme. 
Hey, ein Meuchelmörder hätte ihn beinahe gerade umgebracht, aber hey, Spitzenhöschen… *sabber* Oh man, ich habe mich furchtbar fremd geschämt. 
Leider ist er auch der einzige Charakter, der mit der Zeit ein wenig erträglicher wird und mit seiner frechen, vorlauten Schnauze, zumindest ansatzweise so etwas wie Interesse bei mir wecken konnte.

Die Frauen dagegen sind mir allesamt ein Graus. Mal davon abgesehen, dass sie vollkommen austauschbar sind und ich mir nicht mal die Mühe machen wollte, mir die Namen zu merken, sind sie alle wunderschön, überaus begabt und ach so arm dran. Leider haben sie es in meinen Augen nicht besser verdient. Wer so naiv und rosarot auf eine Welt reagiert, sollte sich in einer Kammer einschließen und den Schlüssel wegwerfen.
Ein Beispiel? Gerne! Eine von ihnen bricht in ein Kellerloch ein, entkommt gerade so einer furchtbaren Explosion, springt dem Tod gerade so vom Schüppchen, landet mit Prellungen, Schnittwunden und schweren Verletzungen allein mitten im Nirgendwo und ihr erster Gedanke ist: „Oh, mein Gott, ich habe einen Pickel auf der Nase“ Wie bitte? Hier wurde der Sense of Believe so dermaßen strapaziert, dass ich nur noch traurig lächeln konnte. Zeitweise wurde ich richtig ärgerlich.

Die Nebenfiguren sind so wahnsinnig blass und alle gleich, dass sich auch hier das Merken der Namen nicht lohnt. XY ist so unglaublich groß, muskulös, stark, wunderschön und magisch begabt…. Wow! Ich kann nur die Augen verdrehen.

"Es schmerzt, von einer Lüge abzulassen, aber es schmerzt noch mehr, eine Lüge zu leben." Schwarzes Prisma, Seite 720

Magiesystem und Weltengestaltung:

Das Magiesystem hat durchaus interessante Ansätze und könnte einiges an Potential bieten, bleibt aber irgendwie auch reichlich unerklärt. Wieso und wie genau jetzt das Licht in Luxin gewandelt werden konnte bleibt irgendwie unklar und ebenso ist auch die Konsistenz von Luxin irgendwie so wirsch beschrieben und gibt ein so großes Durcheinander ab, dass ich irgendwann nicht mehr genau wusste, welche Farbe jetzt was genau macht, außer natürlich die typischen Klischees. Grün ist wild, rot zornig und leidenschaftlich und blau kühl und sachlich und so weiter und so fort.

Alles andere bleibt irgendwie außen vor. Die Farbwichte, Magier, die zu viel Magie eingesetzt haben und halb wahnsinnig geworden sind, waren dagegen jedoch ein guter Ansatz und scheinen ja auch in den Folgebänden noch wichtig zu werden.

Der magische Dolch dagegen war schon wieder so klassisch, dass es mich nicht weiter berührt hat.

Ich hätte an dieser Stelle vielleicht gerne noch ein wenig mehr über die Chromeria und den Unterricht dort erfahren, dann wäre mir das Magiesystem vielleicht auch ein wenig klarer geworden.

Die Welt an sich besteht aus verschiedenen Bereichen, die leider auch nicht gerade vor Unterschieden und Innovation strotzen. Und irgendwie scheinen alle rothaarig zu sein. Aber mal abgesehen von dem unterschiedlichen Aussehen der Völker (und Brent Weeks scheint von den Unterschieden im Aussehen echt besessen zu sein, so oft und bei jedem Charakter wird das fünfzig Mal wiederholt) scheint es sonst keine Abgrenzungsmerkmale zu geben.
Mal davon abgesehen, dass der Umstand, dass Gavin durch seine Superkräfte die halbe Welt durchqueren kann, jetzt weder zur Logik bei trägt noch dazu Interesse für die Welt zu wecken.

"Verlassene Gassen. Verlassene Häuser. Kleine Topfpflanzen, verlassen auf Fenstersimsen und noch nicht verwelkt. Der Tod wird auch zu dir kommen, kleine Blume." Seite 754

Plot und Stil:

Teilweise war es gerade in den Kriegsszenen durchaus spannend gestaltet und man will schon irgendwie wissen, wie es weiter geht und daher ist das Buch auch relativ schnell und leicht zu lesen, aber so richtig interessant ist der Plot nicht. 
Viele Dinge gehen einfach zu schnell und es fehlt vor allem an Atmosphäre und emotionaler Reife. Die meisten Szenen hatten einfach keine Tiefe und so ließ mich fast das ganze Geschehen ziemlich kalt. Mal davon abgesehen, dass kaum etwas wirklich überraschend war.

Stellenweise ist Weeks Stil ganz poetisch, aber dann gibt es wieder einen Bruch, die Umgangssprache blitzt hervor, oder ein innerer Monolog mischt sich so plötzlich mit der Erzählung eines personalen Erzählers, dass es einfach unschlüssig wirkt.
Teilweise wechselt auch innerhalb von wenigen Sätzen die Perspektive, was das ganze irgendwie unrund macht.



Fazit:


So richtig überzeugen konnte mich das Buch nicht. Aber trotz meinem Gemecker war die Geschichte interessant genug um sie verfolgen zu wollen und Kip und Gavin haben durchaus einige lesenswerte Szenen. Wenn mein SUB irgendwann mal nicht mehr so hoch ist, denke ich darüber nach mir auch die Folgeteile zuzulegen. 

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