Dienstag, 9. Dezember 2014

Rezension: The Slow Regard Of Silent Things – Kingkiller Chronicles 2.5 von Patrick Rothfuss

The Slow Regard Of Silent Things
Patrick Rothfuss
Hardcover
176 Seiten
17,90 Euro

Meine Ausgabe hat das Cover der Amazon Kindle-Ausgabe und kostet mehr, als das Hardcover vom DAW Verlag.


Inhaltsangabe:

Deep below the University, there is a dark place. Few people know of it: a broken web of ancient passageways and abandoned rooms. A young woman lives there, tucked among the sprawling tunnels of the Underthing, snug in the heart of this forgotten place.Her name is Auri, and she is full of mysteries.“

In seinem Vorwort und auch später in seinem Nachwort gibt der Autor zu, dass einige Leser das Buch vermutlich nicht kaufen bzw. lesen wollen, denn es habe nichts, was von einer Geschichte verlangt wird, oder was landläufig gebraucht werde.
Einige seiner Beta-Leser und viele seiner Fans haben ihm da widersprochen. Vielen schien das Buch wirklich gut gefallen zu haben.

Er schreibt auch, dass er das Buch all den zersplitterten und gebrochenen Seelen widmet. Zu denen sich der Autor auch selber zählt. Sich selbst und auch Auri.

Ich würde mich selbst nicht unbedingt als seelisch topfit bezeichnen, aber für mich war das Buch leider dennoch nichts.
Aber von Anfang an:

Cover und Aufbau:

Das Cover hat mir sehr sehr gut gefallen. Das dunkle Drumherum, das Mondlicht im Hintergrund, die Mädchengestalt mit dem weißen Haar – das alles passt zu der Atmosphäre, die Auri in den beiden vorherigen Büchern mitgebracht hat. Das Geheimnisvolle, das Mysteriöse, die gebrochene Süße. Auch die groben schwarz-weißen Illustrationen im Buch passen zu dem Gesamtwerk. Soweit also gefiel mir das Buch sehr gut. Auch wenn mir persönlich weichere Striche besser gefallen.
Das Vorwort (später auch das Nachwort) ist liebevoll geschrieben. Und ich mag so was sowieso immer sehr gerne, wenn der Autor sich an seine Leser wendet.
Aber leider gefiel mir der restliche Inhalt des Buches nicht besonders gut.


Inhalt und Stil:

Zunächst fiel es mir sehr schwer alles zu verstehen. Erst dachte ich, es läge daran, dass mein Englisch so schlecht war, dann ging mir aber auch auf, dass vieles einfach zu gewollt „kunstvoll“ dargestellt war. Durch mangelnde Interaktion und durch die durchgehende Beschreibung – die notgedrungen daraus resultiert, dass außer Auri nicht eine einzige weitere Figur eingeführt wird – ist es schwer, neuartige Worte aus dem Kontext zu verstehen.

Ansonsten verliert für mich die Figur einiges an ihrer mysteriösen Art. Auri ist nicht mehr das kluge, scheue, geheimnisvolle Wesen, das dabei so niedlich wirkt und so viel Mitleid in mir weckt. Sondern Auri wurde für mich zu einem jungen Mädchen mit einem Trauma in ihrer Vergangenheit, einer ausgeprägten Zwangsstörung und einem Anflug von Autismus. Ihre Einsamkeit desozialisiert sie und ihre Neigung den meisten Menschen fern zu bleiben isoliert sie. In meinen Augen ist sie nicht mehr das hübsche „Fantasymädchen“ sondern ein Kind, das dringend Hilfe braucht.

Zu Beginn des Buches scheint sie ja ein merkwürdiges, wenn auch stabiles Leben zu führen, aber später wird deutlich, wie wackelig ihre selbstgebaute Welt ist.
Sie leidet an Panikattacken, sie scheint eine deutliche Essstörung zu haben und sie ertrinkt lieber, als etwas zu tun, das sich nicht „richtig“ anfühlt. Ihr Selbsterhaltungstrieb ist minimal und einige ihrer Verhaltensweisen zeigen eine Neigung zu selbstverletztenden Verhalten. 
Auri empfand ich zeitweise als richtiggehend nervig. Und ich brauche auch keine acht Seiten Text, wie sie Seife herstellt. Ich habe nichts gegen eine dahin gehende Thematik, aber ich hatte andere Erwartungen und die wurden enttäuscht.

Teilweise ist der Schreibstil sehr hübsch. Kunstvoll, poetisch eben. Manche Sätze fügen sich nahtlos aneinander wie ein Gedicht. Aber an viel zu vielen Stellen war es mir dann doch zu pathetisch. Zu viel Spielerei. Übertriebenes Getue mit den einzelnen Worten. Was das ganze langwierig machte und mir auf die Nerven ging.

Fazit:

Ich hatte also einige Erwartungen an das Buch. Hatte gehofft, dass es mir Auri näher bringt. Im Nachhinein wäre es mir lieber gewesen, ich hätte das Buch doch nicht gelesen. Dann wäre mir das Mädchen immer noch so sympathisch wie zuvor. Es hätte mir die mysteriöse Aura nicht zerstört und ich könnte noch immer Patrick Rothfuss' Schreibstil ehren und bewundern.
Aber man muss nicht alles auf die Spitze treiben.
Das Buch wirkt fast wie Angeberei und ich wäre sogar wütend, wenn der Autor in seinem Nachwort nicht so sanfte und vorsichtige Worte gefunden hätte.
Also ich bin ein wenig enttäuscht.


Kommentare:

  1. "In meinen Augen ist sie nicht mehr das hübsche „Fantasymädchen“ sondern ein Kind, das dringend Hilfe braucht."
    Das ist interessant, da ich Auri schon immer so gesehen habe. Ich habe sie auch nie als niedlich empfunden, sondern eben als eine gebrochene Seele, bei der ich schon seit ihrem ersten Auftritt gern wissen wollte, was ihr in der Vergangenheit schlimmes widerfahren ist.
    Wenn ich dann endlich mal "The Wise Man's Fear" gelesen habe, werde ich mir auf jeden Fall diesen Roman vornehmen - und hoffe mal, dass er mir besser gefällt als dir.

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  2. Die gebrochene Seele habe ich in ihr durchaus gesehen, aber dennoch hatte sie auch immer etwas Mystisches für mich. Leider gibt das Buch in keinster Weise etwas darüber preis was mit Auri in der Vergangenheit geschehen ist. Aber ich denke, das ist so ein Buch, das jeder entweder mag oder eben nicht. Ich halte Rothfuss für einen guten Autoren und ich mag ihn sprachlich sehr, aber das Buch war einfach kein Buch für "mich". ;) Hoffe es gefällt dir besser. Von der Aufmachung her ist es auf jeden Fall sehr hübsch.

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    1. Oh, das klingt jetzt allerdings eher unerfreulich - ich würde doch so gern wissen, was mit Auri in der Vergangenheit geschehen ist! Na, hoffentlich wird das dann in "Doors of Stone" noch irgendwann aufgeklärt.
      Die Aufmachung ist zwar hübsch, aber für mich wenig entscheidend, da ich wohl ohnehin das ebook kaufen werde.

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