Mittwoch, 21. Januar 2015

Rezension: Der Pfad der Seelen – Die Seelen Trilogie von Anna Kendall

Der Pfad der Seelen
Anna Kendall
Blanvalet (August 2011)
ISBN: 978-3442267927
Broschiert
Originaltitel: The Soulvine Moor Chronicles 1 – Crossing Over
384 Seiten
14 Euro

Kurzbeschreibung:

Roger Kilbourne hat die Gabe das Reich der Toten zu besuchen. Doch so wie jede Gabe Segen und Fluch zu gleich ist, gelingt ihm dieser Übergang nur, wenn er zuvor große Schmerzen erleidet.
Roger wächst bei seinem gewalttätigen Onkel auf, später jedoch findet er eine Anstellung bei Hofe und gerät auf Grund seiner Fähigkeiten in eine höfische Intrige, die sein Leben und das von anderen auf den Kopf stellen wird.

Allgemeines:

Gekauft habe ich das Buch damals im Sternverlag in Düsseldorf. Damals dürfte das Buch gerade erst erschienen sein und mich interessierte der Klappentext schon sehr und da ich sowieso im absoluten Kaufrausch war, musste das Buch mit nach Hause.
An dieser Stelle würde ich jetzt gerne ein künstliche Pause einfügen und tief seufzen.
Es gibt keine Worte dafür, wie sehr ich dieses Buch verabscheue. Ich möchte auch nicht sagen, dass es mich „enttäuscht“ hat, denn das wäre doch zu harmlos ausgedrückt. 
Ich finde dieses Buch einfach nur furchtbar. Dabei kann ich nicht sagen, dass es sich nicht schnell oder flüssig lesen lassen würde, das schon, aber der Inhalt und die Figuren sind einfach absolut nicht mein Fall. (Schon wieder untertrieben.

Handlung und Weltenbau:

Im Grunde ist es egal, wo genau ich anfange, denn sowohl Stil, Handlung, Weltenaufbau, Magie und Figuren haben mir nicht zugesagt.
Die Welt an sich ist flach, einfallslos und ideenarm. Eine „typisch“ mittelalterlich angehauchte Welt, ohne große Überraschungen, später kommen dann zwar Gewehre dazu, wirken aber fehl am Platz und wenig innovativ. Auch die Umgebung rund um den Palast, die Insel Gloria, weißt keine interessanten Facetten auf und könnte so eins zu eins aus einem anderen Buch übernommen worden sein.
Es mag spitzfindig wirken, aber sein Land Königinnenreich zu nennen und ein anderes Land dann eben „Das Königinnenreich von Prinzessin Isabelle“ (oder so ähnlich) wirkt einfach so, als habe die Autorin gar keine Lust gehabt sich näher mit ihrer Welt zu beschäftigen.
Aber diese Lustlosigkeit zeigt sich auch noch an anderen Dingen. Dazu aber später.

Ebenso einfallslos und flach wie das Setting ist auch die Handlung an sich. Armer Roger hat einen bösen Onkel, irgendwann (ich versuche es Spoilerfrei zu halten, falls es jemand noch lesen mag -.-) ist er von seinem Onkel befreit, dann landet er im Palast als Diener. Arbeitet sich hoch, wenn man das so sagen kann, gerät aus Versehen in eine Intrige, muss fliehen, versucht seine Mami zu finden und den Ursprung seiner Magie.
Könnte spannend sein in seiner Einfachheit, das sehe ich ein. Aber ebenso lapidar wie ich es beschrieben habe, läuft die Geschichte auch ab. Nirgendwo kommt Spannung auf, Atmosphäre fehlt vollständig. Es werden ein paar Fragen aufgeworfen, keine wird beantwortet. Als Leser bekommt man nur halb angefangene Sätze aufgetischt, damit die Spannung künstlich aufrecht erhalten wird. Aber eigentlich ist man spätestens nach dem 30sten Mal einfach nur noch genervt.
Man erfährt bis zum Ende quasi nichts. Höhepunkt (wenn man es denn so nennen mag) und Ende fügen sich nahtlos unspektakulär ein und an keiner Stelle kommt Spannung auf, weil man einfach weiß, dass die Autorin schon wieder eine haarsträubende Idee aus dem Ärmel schütteln wird, die weder authentisch noch realistisch wirkt.
Alles plätschert so vor sich hin und nichts kann einen auch nur irgendwie fesseln oder berühren.
Die Palastintrige ist auch eher von der "einfacheren" Sorte, durchschaubar, schnell entschlüsselt und ach ja - natürlich - die bösen Wilden

Die Charaktere:

Kommen wir zu dem größten Kritikpunkt an diesem Roman. Die Charaktere sind allesamt furchtbar. Und am Schlimmsten von Allen ist der Ich-Erzähler Roger. Ich bin wirklich sprachlos. So ein ekelhafter, selbstsüchtiger, jämmerlicher, strunzen-dummer, arroganter, hormongesteuerter kleiner Pi.... an Charakter.
Ich hasse diesen Jungen regelrecht. Schön und gut, manchmal braucht man eben „graue“ Charaktere, aber das ist Roger nicht. Roger soll Mitleid erwecken beim Leser, und zur Identifikation einladen, aber das schafft die Figur einfach nicht.
Er jammert, er weint, er ist der Arme, er trägt die Last der Welt, dabei hat er doch so viel Mehr verdient. Er hat viel erfahren, versteht aber die einfachsten Zusammenhänge nicht, hechelt irgendeiner (ebenso dummen, hirnverödeten) Lady hinterher, ist blind vor Liebe (bzw. vor Geilheit) und torkelt und schwankt durch sein Leben.
Ein Charakter ohne Daseinsberechtigung. Angeblich hat er ja wenig Erfahrung mit dem Leben, aber in seinen Beobachtungen wirkt er so derbe arrogant und weiß alles besser und glaubt alles besser zu können, dass die innere Logik vollkommen abhanden kommt.
Das einzige was man ansonsten noch über Roger erfährt ist, dass er alle vier Seiten lang eine Erektion hat, weil er irgendein Mädchen angesehen, oder aus Versehen berührt hat. Oder, dass er deswegen irgendwo im Busch verschwindet. Bei allem Respekt, aber das sind Dinge die ich über einen 14jährigen wirklich nicht wissen will. Und auch nicht über sein Sexleben. Zum Teufel, wirklich! 
Vor allem nicht so platt und fehl am Platze. Ich habe mich also sowohl über die Figur an sich, als auch über seine Darstellung aus Autorensicht nur aufregen können.
An dieser Stelle möchte ich einfach den Mantel des Schweigens über diesen Charakter decken.

Leider sind auch die anderen Charaktere nicht wirklich facettenreicher oder besitzen mehr Tiefe. Die oben schon angesprochene Lady Cecilia ist der Inbegriff meiner weiblichen Hassfiguren. Ein Dummchen, immer blöde am kichern, arrogant und natürlich wunderschön. Generell werden alle Figuren nur nach ihrem Aussehen beurteilt. Die meisten Frauen sind Schönheiten, die die es nicht sind, sind Roger sowieso nicht wertvoll genug um sich mit ihnen zu beschäftigen.
Dann wäre da noch die Küchenmagd Maggie, die anscheinend vor lauter Hormonschwankungen nicht weiß wo oben und unten ist und in jedem zweiten Satz die Stimmung ändert. Sie war noch die sympatischste Figur, leider ist sie in Roger vernarrt, was sie jeden Respekt verlieren lässt.
Die Königin ist ein Klischee und im Grunde so uninteressant, das es nicht viel zu ihr zu sagen gibt, außer vielleicht dass die Autorin an dieser Stelle nicht so richtig wusste, welche Art von Frau, sie eigentlich erschaffen wollte. Also unausgegoren, in sich nicht stimmig und generell eine Farce.
Die komische Kräuterhexe, deren Namen ich schon vergessen habe, sollte wohl mysteriös wirken und Stimmung in das Buch bringen, aber auch hier hat die Autorin das Thema verfehlt. Aus irgendwelchen Gründen will diese Figur nicht mit der Sprache heraus rücken und ging mir so sehr auf die Nerven, dass ich sie eigentlich nur schütteln wollte.
Alle anderen Namen sind Randbemerkungen, die es nicht wert sind, dass man sich näher mit ihnen beschäftigt.

Stil:

Wie gesagt leicht und schnell ließ sich das Buch lesen. Also keine umständlichen Satzkonstruktionen oder übertrieben angewendete Wortwahl, aber stellenweise doch ein wenig umgangssprachlich. An dieser Stelle weiß ich nicht, ob es an der schlichten Übersetzung liegt, oder am Originaltext, aber normalerweise bin ich vor allem vom Blanvalet Verlag doch etwas mehr Qualität gewöhnt.
Vor allem in den Schlachtszenen ist mir der krumme Sprachgebrauch am stärksten aufgefallen. Etwas weniger Umgangssprache im Erzähltext (in Dialogen ist das ja vollkommen okay), dafür etwas mehr Stimmung hätte diesen Szenen gut getan.
Aber andererseits war da auch nicht mehr viel zu retten. Man kann auf einer halben Seite keine Schlacht, inklusive Emotionen beschreiben.
Roger lässt sowieso alles kalt. Er jammert zwar immer gerne über sein schweres Los, aber im Grunde ist der Junge eiskalt. „Oh, ich habe jemanden getötet, ja oh weh, ich Armer, aber naja egal...“ - „Eine tobenden Schlacht... naja...“, „Ich habe eine halbe Welt zerstört, oh ich Armer, aber naja....“ Das in einer Tour. Am Anfang braucht es ja auch ach so große Schmerzen um ins Totenreich zu wechseln, später genügt es dann, wenn er sich auf die Zunge beißt. Alles sehr inkohärent... aber ich schweife schon wieder ab.
Am liebsten würde ich mich stundenlang nur über diesen Protagonisten aufregen.

Fazit:

Absolut nicht empfehlenswert. Platte Story, dümmliche Charaktere, lust- und einfallslose Welten- und Magiegestaltung, schlechter Stil, ein hassenswerter Protagonist, keine Atmosphäre, keine Stimmung, absolut keine Emotionen.

Die aufgeworfenen Fragen lassen mich kalt, mich interessant einfach die Auflösung des ganzen nicht. Ich werde diese Reihe definitiv nicht zu Ende lesen.  

Kommentare:

  1. Schade, das Cover sieht eigentlich so vielversprechend aus. ABER: Ich sehe gerade, dass du den ersten Band von Christopher Lodes Trilogie liest! Ich fand ihn damals wirklich sehr gut und bin schon sehr gespannt, wie dir das Buch gefällt

    Viele liebe Grüße aus England! :)
    Nazurka

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    1. Ich bin jetzt etwas bei der Hälfte. Zu Beginn erinnerte mich das Ganze an ein anderes Steam-Punk Buch das ich mal angefangen habe, jetzt gehts aber. Ich finde das Buch nicht überragend, aber es ist guter Durchschnitt. Bisher tendiere ich so zu drei Sternen :) Aber das andere Buch würde ich lieber nicht lesen ^^

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  2. Ich liebe deine Reviews zu schlechten Buechern :D (zu guten natuerlich auch ;-) ) Hoert sich echt schrecklich an, erinnert fast schon an Melliandra, den Albtraum schlechthin :D

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    1. Gnihihi, danke dir. Manchmal muss man einfach Dampf ablassen, auch wenn ich hinterher fast ein schlechtes Gewissen habe. Melliandra ist schwer topbar auf der Furchtbarkeits-Skala ^^

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