Mittwoch, 14. Januar 2015

Rezension: Die Worte des Lichts – Sturmlicht-Archive 3 von Brandon Sanderson

Die Worte des Lichts
Brandon Sanderson
Heyne-Verlag (27. Okt. 2014)
Gebunden
Originaltitel: Words of Radiance – The Stormlight Archive 2 – (Part 1)
ISBN: 978-3453267473
976 Seiten
24,99 Euro

Kurzbeschreibung:

Noch immer sind die Zustände in Alethkar und Umgebung von Großstürmen und dem fortwährenden Krieg mit den Parschendi gezeichnet.
In mitten all dieser Wirren, versuchen Adolin und sein Vater Dalinar das Volk zu vereinen. Als wäre das noch nicht schwierig genug, bedroht eine neue Gefahr die Menschen.
Auch Kaladin und Shallan müssen sich an ihre neuen Lebensumstände gewöhnen und haben mit allerlei unterschiedlicher Gefahren zu kämpfen.
Werden sie es schaffen, sich selbst und ihre Gefährten zu schützen, während ein übermenschlicher Attentäter sein Unwesen treibt und dabei nicht vor Fürsten und Königen Halt macht?

Die Aufmachung:

Auch bei diesem Buch kommt man nicht umhin, die wunderbare Aufmachung zu bewundern. Wieder einmal hat sich der Heyne Verlag hier selbst übertroffen.
Die bereits aus dem Original bestehenden farblichen Karten im Buchdecken, dazu all die perfekte Illustrationen im Inneren des Buches. Im Anhang eine Leseprobe zum vierten Teil und ein Überblick über das Ars Arcanum.
Auch wenn mir vor allem der Inhalt eines Buches wichtig ist, ist es dennoch eine Freude ein so wunderschön aufbereitetes Buch in den Händen zu halten.
Diese Ausgabe ist ihr Geld mehr als wert.

Innerer Buchrücken- hinten


Magie und Weltenbau:

Aber nicht nur das Äußere des Buches lässt mich ins Schwärmen geraten. Auch der Inhalt hat mich wieder voll und ganz überzeugt.
Die Handlung wird nahtlos fortgeführt und schließt direkt an Teil 2 der Serie an. Ich will mich über das Setting und das Magiesystem gar nicht mehr so sehr auslassen, da ich beides schon in den Rezensionen zu den ersten beiden Bänden über den grünen Klee gelobt habe, aber eine Randbemerkung sollte erlaubt sein.
Das Setting weiß noch immer zu überzeugen. Die raue Umgebung der zerbrochenen Ebenen, die gewaltigen Großstürme und die Flora und Fauna, die sich an das harte Leben angepasst haben wirken in sich absolut logisch und überzeugend. Es ist immer wieder eine Freude, vor allem durch Shallans neues über die Umwelt zu erfahren.

Auch die Magie wird immer komplexer und faszinierender. Gerade in diesem Band bekommt der Leser immer mehr Informationen, wie die verschiedenen Arten der Magie vielleicht funktionieren, woran sie gebunden sind und so weiter.
Auch die Sprengsel, die mir in den ersten beiden Teilen so wahnsinnig gut gefunden habe und die zunächst eher wie eine Randerscheinung wirkten, bekommen in diesem Teil erhöhte Aufmerksamkeit. Und was soll ich sagen?
Ich habe es geliebt.

Syl Kaladins Sprengsel ist mir zwar immer noch nicht so sympatisch, wie ich mir das gerne wünschen würde, aber es ist ein anderes Sprengsel, ein weiterer Begleiter eines Protagonisten dazu gekommen, das den Namen „Muster“ trägt. Und dieses Sprengsel faszinierte mich direkt von Beginn an und ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Sprengsel weiter gehen wird.

Die Vergangenheit Roschars spielt natürlich auch wieder eine große Rolle. Zitate aus Liedern und Büchern, die den Kapitels voran gestellt werden, geben dem Leser Stück für Stück neue Informationen. Aber auch diese bleiben teilweise wage und geben dem Leser somit die Gelegenheit zu Spekulationen und eigenen Ideen.

Ich für meinen Teil interessiere mich vor allem für die Orden der Strahlenden in der Vergangenheit und bin mehr als gespannt, ob diese immer mehr in den Vordergrund gerückt werden.
Gerade was die Hintergrund-Geschichte angeht, kann ich es kaum erwarten, dass endlich Februar ist und ich den nächsten Teil in den Händen halten und lesen kann.
Denn die Handlung wird immer komplexer und je mehr sie sich erweitert, desto mehr verdichtet sie sich auch. Dazu will ich so viel mehr gar nicht sagen, denn dies würde zu viele Spoiler zu den ersten beiden Teilen erhalten.



Handlung und Charaktere:

Nur soviel:

Die Handlung rund um Kaladin war wieder aller erste Sahne. Die Kirsche auf dem Kuchen. Quasi perfekt. Sie ist spannend, abwechslungsreich, und bereitet Gänsehaut. Auch der Strang um Adolin und Dalinar gefällt mir eigentlich ganz gut, auch wenn er ruhiger und politischer daher kommt.
Leider hat mir diesmal der Handlungsstrang rund um Shallan nicht so besonders gut gefallen. Gerade zu Beginn des Buches, bis etwa zur Mitte war sie „unterwegs“ und diese Reise zog sich teilweise doch wie Kaugummi und trug letztendlich zur Gesamtheit weniger bei. An dieser Stelle hätte man gerne kürzen können und ihre Erfahrungen im Nachhinein vielleicht in einen Rückblick zusammenkürzen können.
Dennoch auch das ist Meckern auf hohem Niveau. Denn auch in dieser etwas langatmigen Zeit im Buch bekommt man viele Hintergrund-Informationen zu einigen rätselhaften Vorkommnissen.

Nur eine einzige Stelle wirkte auf mich extrem negativ.
Es gab eine Deus ex Machina-Stelle (oder soll ich sagen: Gladius ex Machina?) in dem Shallan-Strang. Das war dieser Moment, wo man sich denkt. Das kam jetzt aber ein bisschen plötzlich und hätte vielleicht einige Hinweise gebraucht zuvor, damit es noch glaubwürdig bleiben kann. Leider hat mir das die Figur der Shallan auch gehörig verleidet.

Während sie am Anfang durchaus noch ihre natürlichen Schwächen hatte, wird sie immer mehr zur Powerfrau, zur magischen Alleskönnerin, zu weltgewandten Diplomatin usw. usf. Ihre Schwächen werden zwar immer noch erwähnt, aber durch ihre Handlungen wird die Erwähnung zur reinen Farce.
Zumal der Umstand des plötzlichen Deus ex Machina, Shallan nicht einmal sonderlich überrascht, irritiert oder zum Nachdenken anregt. Generell wird dieser Umstand, der durchaus wichtig war, später fast gar nicht mehr erwähnt. Vollkommener Unsinn, in meinen Augen. Sanderson hat es gar nicht nötig, auf solche Kniffe zurück zu greifen um Spannung zu generieren.
Aber ich bin dennoch mal gespannt, wie es damit weiter gehen wird.

"Es war lediglich die Erinnerung an Mut. An Leidenschaft. An all das, was man haben wollte, - damit man es begehrte, umfasste und an sich brachte." Worte des Lichts, Brandon Sanderson

Was ich sonst noch positiv anmerken muss ist, dass Shallans Vergangenheit in Rückblicken immer mehr beleuchtet wird. Ihre Erfahrungen in ihrer Jugend, auch ihre Familie bringen sie dem Leser deutlich näher und gereichen durchaus zu etwas mehr Verständnis für Shallans Verhalten.
Auch die Zwischenspiele, die in anderen Umgebungen Roschars spielen und die andere Charaktere zur Hauptperson haben sind durchaus abwechslungsreich zu lesen, auch wenn mich die Hauptgeschichte des Buches sehr viel mehr interessiert.

Dennoch auch hier, gibt es eine Neuerung, die ich durchaus sehr zu schätzen weiß. In den Zwischenspielen erfährt der Leser plötzlich sehr viel über eine Parschendi namens Eschonai. (Eschonai klingt so Hebräisch, nicht wahr? So ähnlich wie Adonai – Herr) Und gerade dieser Perspektivwechsel hilft die typischen Färbungen von Schwarz und Weiß aufzulösen und der Geschichte noch mehr Grautöne zu verleihen und sie zu einer echten Sanderson zu machen. Hier für also Hut ab.
Und jetzt noch eine stumme Bitte an das Universum: Bitte, bitte lass den Autor mehr über die Ryschadium-Pferde schreiben. Nein, noch besser, lass Kaladin von einem erwählt werden. Bitte, bitte. Das würde mein Klein-Mädchen-Herz wieder ganz doll hoch schlagen lassen.

Fazit:

Diese Punkte also zusammengenommen kann man nur sagen, dass Sandersons Weltengestaltung, sowohl was die Völker, die Magie, die Geografie und Religion(en) angeht, gewaltig, faszinierend, kreativ und authentisch ist.

Auch die Charaktere sind so voller Persönlichkeit, dass sie quasi lebensnah wirken, auch wenn Shallan sich vielleicht ein wenig zur Mary-Sue entwickelt, was schade ist.
Ich kann kaum erwarten, den nächsten Band in den Händen zu halten.

Diese Bücher entwickeln sich zu einem besonders spannenden und epischen Werk. Eine Reihe, die sicherlich irgendwann zu dem Besten gehört, was ich je gelesen habe. Bisher liebe ich die Bände und bin glücklich, dass die Deutschen Leser an die 20 Bände insgesamt zu erwarten haben.

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