Dienstag, 3. Februar 2015

Re-Read-Rezension: Der Verrat – Kushiel 2 von Jacqueline Carey

Ich kann mich nahezu in allen Punkten an meine frühere Rezension anschließen. Wenn auch eben nicht in allen.
Grundsätzlich muss ich sagen, dass mir das Buch wohl beim zweiten Lesen etwas besser gefallen hat, als beim ersten und dass ich mich auch deutlich weniger aufgeregt habe.

Dennoch zusammenfassend:

Phedres Zeit in Terre D'Ange und auch die Zeit in La Serenissima haben mir sehr gefallen. Das Intrigenspiel und die vielen Namen und Verwandtschaftsgrade zu durchschauen war zwar eine Herausforderung, aber eine, die ich genossen habe und die durchaus Spannung aufgebaut hat.
Gerade die Interaktion zwischen der Protagonistin und ihrem Gefährten dem Cassilinen Joscelin war aufregend dramatisch, herzzerreißend, bekümmernd, aber irgendwie auch wundervoll zu verfolgen.
Denn es sind Szenen, die einem nahe gehen, die man verstehen kann und in die man sich ohne Probleme hinein versetzen kann.
Die Politik in Verbindung mit dem was die Protagonistin ausmacht ist wagemutig, macht aber auch den besonderen Reiz der Romane aus.

"Die Spiele, denen wir auf dem Spielbrett der Erde nachgehen, hallen durch das Gewölbe des Himmels wider." Seite 456

Der Schreibstil wirkt auf mich immer noch gewöhnt flüssig und anregend poetisch, so dass es mir leicht gefallen ist, mich fallen zu lassen, Beschreibungen, Dialoge, aber auch innere Monologe zu genießen und auf mich wirken zu lassen.
Dass die Reihe aus der Sicht der Ersten Person geschrieben ist wirkt nicht weiter störend, ebenso wenig, dass Phedre schon mal Geschehnisse, oder Wissen aus der Zukunft andeutungsweise vorweg nimmt. Ganz im Gegenteil, dieser Umstand steigert die Erwartungshaltung und lässt mich als Leser ihren Weg nur neugieriger verfolgen.
Im Zuge dessen müssen auch die Erotikszenen genannt werden, die ebenfalls nicht allzu sehr ins Detail gehen, lustvoll und tatsächlich erotisch geschrieben sind und auf jede Form von platten Phrasen, obszönen Worten und Beschreibungen verzichten.
Obwohl es vor allem um das Thema Lustgewinn an Schmerz geht, hat man hier eben keinen standarisierten Softporno vorliegen, sondern die Herangehensweise an das Thema wirkt fantastischer im wahrsten Sinne des Wortes, verbindet sich mit Anspielungen aus den vielen verschiedenen, sehr gut ausgearbeiteten Religionen und Kulturen und bekommt somit eine ganz andere Bedeutung.
Es steht natürlich im Vordergrund, dass die Protagonistin eine Anguissete ist, eine von Kushiel gezeichnete Person, die Lust am Schmerz, der Unterwerfung und Demütigung empfindet, aber Phedre ist eben so viel mehr als das.
Gerade im zweiten Teil rückt das Thema Sex stark in den Hintergrund und Phedre ist mehr die Spionin und politische Gefährtin der Königin, als alles andere.

"Liebe ist hart, härter als Stahl, und dreimal so grausam. Sie ist so unerbittlich wie die Gezeiten, und in ihrem Kielwasser folgen Leben und Tod." Seite 675

Auch habe ich beim zweiten Lesen die Hauptfiguren gar nicht so sehr als jammernde Weicheier gesehen, sondern habe ich mich auf den Respekt konzentriert, den ich empfunden habe, für jemanden, für den Geduld und Abwarten zur heren Qual wird.
Auch das Ende habe ich dieses Mal nicht als allzu überzogen empfunden, sondern als gerecht dem Leser gegenüber. Viele Stränge und Fragen und vor allem den Mainplot abzuschließen und nicht nach einem sehr langsamen Buch ein plötzliches Ende einzufügen.

Dennoch hat das Buch seine Schwächen.
Ich muss zugeben, dass mir die vielen Kulturen und Länder und deren Sitten sehr gut gefallen haben, denn sie sind mit Bedacht gewählt und durchaus voller Tiefe.
Dennoch empfand ich die Ortswechsel als zu willkürlich, zu schnell aufeinander folgend und daher die Figuren teilweise nicht als tiefgehend genug.
Dennoch sind die Charaktere immer noch sauberer und eingängiger gezeichnet, als viele Figuren in anderen Romanen.
Viele von ihnen sind mir trotz der Kürze ihres Auftauchens durchaus ans Herz gewachsen. Eine besondere Vorliebe mag ich für die Piraten empfunden haben, gerade für den ehemaligen Sklaven Glaukos und seinen Herrn Kazan.

"Trauer heilt, sagt man in Eisande; ungeweinte Tränen vergiften die Seele wie ein Geschwür."
Seite 539

Ich weiß nicht, ob man das Buch hätte kürzen können, oder ob es dann an Flair und Charme verloren hätte, aber dennoch wollten mir die vielen Wechsel in den Handlungsorten nicht so recht gefallen.
Auch war die Lösung des Problems deutlich weniger episch und aufsehenerregend als das Finale im ersten Teil.
Dennoch hatte ich bei so mancher Szene, gerade gegen Ende so einige Tränen in den Augen, weil ich sehr gerührt von dem Mut einiger Figuren gewesen bin.
Mein einziger Wermutstropfen ist aber dennoch, dass die Antagonistin, die ich von ganzem Herzen hasse, immer wieder mit dem Leben davon kommt.

"Viel zu schnell war es vorbei, und es war zu spät um es ungeschehen zu machen. Die Liebe wird von einem gewissen Wahnsinn begleitet."
Seite 406

Daher, und weil einige Szenen ein wenig langatmig waren und die Ortswechsel zu schnell von Statten gingen, bekommt das Buch von mir nur 3,5 Sterne.

Dennoch habe ich es gern gelesen und kann die Reihe bis hier hin nur empfehlen. Den ersten Band der Trilogie habe ich richtiggehend geliebt.  

Kommentare:

  1. Ich hab Band 3 immer noch nicht gelesen und das ist nun schon so viele Jahre her! Ich werde wohl im Sommer auch Band 1 + 2 rereaden um dann endlich den dritten zu lesen. :)

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    1. An den ersten Band konnte ich mich ja bemerkenswert gut erinnern. Im Forum gabs zu beiden eine Leserunde, vielleicht genügt das als Auffrischung ja sogar :) Aber schön zu lesen sind die Bücher auf jeden Fall. Bisher mag ich Band 3 sogar ganz gerne. Das geht endlich mal in eine etwas andere Richtung und ist kein Aufguss von Band 1 und 2. ^^

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