Donnerstag, 19. März 2015

Rezension: Kirschblütentage von Nancy Salchow

Kirschblütentage
Nancy Salchow
Knaur (November 2014)
Taschenbuch
ISBN 13: 978-3426515037
336 Seiten
8,99 Euro

Kurzbeschreibung:

"Eine Plastikrose mit einer Uhr in der Mitte, ein Teelichthalter aus grünem Glas, ein altes Buch - drei von vielen Dingen, die die zerstrittenen Eltern Jasmin und Vincent und ihre heftig pubertierenden Kinder plötzlich überall im Haus finden.
Gegenstände, die Erinnerungen wecken an eine Urlaubsreise voller Lachen, an den Duft von warmen Apfelkuchen oder an die Kirschblüten auf dem Weg zum Haus in den Anfangszeiten einer Ehe. Aber diese Funde sind kein Zufall. Sorgfältig hat Emilia, die kürzlich verstorbene Großmutter, in ihren letzten Tagen diese Spuren gelegt. In der Hoffnung, ihre auseinanderbrechende Familie wieder zusammenführen zu können. Doch ist der Zauber der Erinnerung stark genug?"

Kirschblütentage ist ein süßes Büchlein irgendwie, lässt sich schnell lesen und kann auch durchaus unterhalten, schafft es aber nicht sich durch Aufbau, Charaktere oder Stil wirklich aus der Masse abzuheben.

Damit ist für mich schon im Grunde alles gesagt, denn es fällt mir schwer über Bücher, die ich als durchschnittlich, oder (wie dieses hier) eben einen Ticken besser als Durchschnitt empfunden habe, eine wirklich aussagekräftige und ausführliche Rezension zu schreiben.

Die Geschichte ist eine typische Familiengeschichte. In der Ehe krieselt es, vor allem durch die Gewohnheit und die Verschiebung von Prioritäten. Die Kinder sind in einem Alter, wo es zu Schwierigkeiten und Schererreien kommt und in all dem Durcheinander stirbt die Großmutter, die das labile Gebilde zusammen gehalten hat.

Im Klappentext wird von all den Kleinigkeiten erzählt, die die Großmutter kurz vor ihrem Ableben versteckt, eben um die Familie zu retten, leider kommen mir diese Kleinigkeiten als gar nicht so wichtig vor. Die Autorin hat es in meinen Augen nicht geschafft diesen Kniff wirklich sinnvoll in die Tat umzusetzen.
Ich hatte einfach erwartet, dass diese Kleinigkeiten richtig fest an die Erinnerungen gebunden sind und irgendwie helfen. Aber leider wirken sie nur wie eine blasse Nebensache. Generell sind mir die Erinnerungen teilweise zu wage, teilweise zu belanglos und irgendwie auch nicht besonders emotional ansprechend.
Gerne hätte ich vor allem mehr von den titelgebenden Kirschblütentagen erfahren. Aber diese kommen arg zu kurz.

Die Charaktere sind mir bis auf den Ehemann eigentlich ganz sympathisch. Die Ehefrau vielleicht ein bisschen zu sehr die Übermutter, die Tochter ein bisschen zu zickig, aber ansonsten okay.
Den Ehemann konnte ich weder leiden noch nachvollziehen, was aber vermutlich daran liegt, dass mir Fremdgehen fern liegt und ich den Verrat an versprochener Treue als unverzeihlich erachte.
Daher war mir dann das verkitschte Ende ein bisschen zu viel. Denn statt sich auf das Motiv des "Um die Ehe kämpfens" zu stützen und dabei zu bleiben, muss am Ende doch noch das Motiv des "Ihr seid doch füreinander geschaffen" dazu kommen. Das war mir ein wenig zu rosa rot und ein bisschen zu romantisch an den Haaren herbei gezogen. 

Ansonsten war Buch ganz gut. Genau die richtige Länge, keine unnötigen, langatmigen Szenen, die Reaktionen waren fast durchgehend nachvollziehbar, auch wenn die Auflösung am Ende ein wenig künstlich in die Klänge gezogen wurde.
Zeitweise gab es sogar sehr schöne Sätze und ein paar Worte zum Nachdenken, aber im Grunde erzählt der Roman eine dieser Geschichten, die sich einmal ganz angenehm lesen lassen, die einen sanft berühren, wie Schmetterlingsflügel, aber auch schnell wieder vergessen sind.

Gute Lektüre für Nebenbei.


"Denn wir alle spielen eine Rolle in diesem Spiel, das sich Leben nennt." Seite 270

Kommentare:

  1. Hallöchen :-)
    Das mit den Rezensionen zu durchschnittlichen Büchern kenne ich. Es ist manchmal wirklich schwer. Man will eigentlich nur schreiben:"War gut, hat alles so gepasst, aber nicht überragend."
    Ich finde es auch immer schwer, Vertrauensbrüche und Seitensprünge in Büchern nachzuvollziehen.

    Grüße
    Souci

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin ein bisschen erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Also was beide Themen angeht ;) War heute so schön im Fluss, musste unbedingt mal ein Rezensionen aufholen und online stellen ;)

      Löschen
  2. Ohja solche Rezensionen zu schreiben fällt mir auch sehr schwer, dagegen bei richtig miesen Büchern sag ich mal umso leichter :)

    Hmm Fremdgehen kann ich nicht ausstehen, da ich da leider schon meine Erfahrungen machen musste. Das tut man einem Menschen einfach nicht an, d.h. solche Charaktere fallen bei mir sofort durch.

    Aber schön geschrieben :) vlg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei richtig miesen Büchern macht das Rezensieren sogar manchmal richtig Spaß, wenn man sich richtig austoben kann und endlich seinen Frust von der Seele reden kann. Aber für richtig richtig überdurchschnittliche, totale Top Bücher schreibe ich auch gerne Rezensionen. :) Hab da auch meine Erfahrungen mit - möchte den Rest meines Lebens auf weitere verzichten und für mich selbst käm das nicht in Frage :) Und Danke!

      Löschen