Montag, 2. März 2015

Rezension:_The Book of you von Claire Kendal

The Book of You
Claire Kendal
Harper 1. Januar 2015
Taschenbuch
ISBN: 978-0007531677
Thriller
366 Seiten
11,76 Euro

Kurzbeschreibung
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Clarissa is becoming more and more frightened of her colleague, Rafe. He won't leave her alone, and he refuses to take no for an answer. He is always there. Being selected for jury service is a relief. The courtroom is a safe haven, a place where Rafe can't be. But as a violent tale of kidnap and abuse unfolds, Clarissa begins to see parallels between her own situation and that of the young woman on the witness stand. Realizing that she bears the burden of proof, Clarissa unravels the twisted, macabre fairytale that Rafe has spun around them - and discovers that the ending he envisions is more terrifying than she could have imagined.

Allgemeines

Von der Firma aus musste ich letztens einige Tage in England verbringen. Wir befanden uns im schönen Kurort Royal Tunbridge Wells, was zu Kent gehört.
Wirklich viel gesehen habe ich von dem Ort nicht, da wir die meiste Zeit im Hotel verbringen mussten.
Am Flughafen, auf dem Weg nach Hause hatte ich noch ein paar Pfund über und gegessen hatte ich schon und außerdem wollte ich das fremde Geld nicht wieder mit nach Hause schleppen, also habe ich mir spontan dieses Buch gekauft.
Ich habe eine ganze Weile gesucht, aber so richtig ansprechen wollte mich keines. Der Titel war mir aber schon beim Betreten der Buchhandlung ins Auge gefallen und daher griff ich als letztes dann doch dazu. Und siehe da der Klappentext gefiel mir von allen am Besten, also habe ich es mitgenommen.
Eigentlich las ich gerade am dritten Band der Feuerreiter seiner Majestät, aber ich war doch zu neugierig und so habe ich die ersten 51 Seiten auf dem einstündigen Flug direkt verschlungen.

Das Buch an sich

… hat mir extrem gut gefallen. Die erste Hälfte des Buches ist nicht im eigentlichen Sinne aufregend. Es geschieht nicht viel, Action gibt es eigentlich gar nicht, auch kein Blut, oder spritzende Gedärme.
Es ist vor allem Clarissas eigentlich ruhiger Alltag, der immer wieder von ihrem Stalker durcheinander gebracht wird.
Und gerade das macht die Spannung aus. Diese Kleinigkeiten, das Eindringen in Situationen, in denen man sich geschützt fühlen sollte, geborgen. Dinge, die für andere selbstverständlich sind, werden für die Protagonistin zum Spießrutenlauf.
Und die Taten des Stalkers spitzen sich immer weiter zu. Stellenweise denkt man, dass es möglich ist, dass sie Schutz findet, oder Verständnis, aber letztendlich...

Aufbau

Die Situationen, in denen es um den Stalker geht werden aus Clarissas Sicht erzählt. Sie schreibt jede Begegnung, jedes Zusammentreffen, alles Relevante in ein Notizbuch und adressiert ihre Notizen an Rafe, ihren Stalker. Diese Passagen sind fett gedruckt.
Alles andere wird aus der dritten personalen Sicht erzählt. Der Leser begleitet also sowohl Clarissa, als auch ihre Gedanken.
Am Anfang fand ich die Szenen, wo Rafe auftaucht sogar spannender als die anderen, aber je weiter die Handlung voran schritt, desto mehr habe ich mich vor den fettgedruckten Passagen gefürchtet. Das Paranoide, die Angst, die Blicke im Nacken, das Getriebene – all das was die Protagonistin erlebt, habe ich ebenfalls gefühlt. Und genau das Macht für mich die Qualität eines Thrillers aus.

Die meiste Zeit über was das Buch definitiv ein Buch mit einer Tendenz zu 5 Sternen. Leider gab es dann am Ende einen Moment, wo mir nicht direkt klar war, dass Clarissa nicht mehr träumt und das was geschieht wirklich geschieht.
Wäre mir das sofort klar gewesen, hätte ich die folgende Szene als sehr viel bedrückender, furchtbarer und schlimmer empfunden. Daher musste ich einen halben Punkt abziehen. Außerdem bin ich mir nicht so sicher, dass die Eskalation wirklich auf diese Art und Weise und so deutlich und detailliert hätte beschrieben werden müssen. Aber nun gut, spannend blieb es, wenn auch leicht vorhersehbar.

Das Ende war genau richtig gewählt. Der Leser bekommt die Zeit nach der Eskalation noch einmal vor Augen geführt. Es ist kein Happy-End – was auch nicht passend gewesen wäre, aber auch kein schlimmes Splatter, Tod und Verderben-Ende.
Stellenweise empfand ich Clarissas Schicksal fast als ungerecht, auch wenn man so einiges vorher sicher schon hätte erahnen können.

Charaktere

Die Protagonistin Clarissa gefiel mir außergewöhnlich gut. Sie wirkte klug, überlegt, bodenständig, ruhig. Und vor allem höflich. Sie ist vieles, was ich selbst nicht bin und daher habe ich ihren Mut und ihre Weitsicht wirklich bewundert, auch ihre Geduld und ihre Liebe zu Stoffen und zum Nähen. Ich mochte sie.
Sie hätte eine nette Frau von nebenan sein können, eine Person, mit der man gerne befreundet gewesen wäre, jemanden, den man gerne um sich hat.
Und gerade deshalb ist das was ihr geschieht vermutlich auch so schlimm. Weil sie es einfach nicht verdient hat. Weil es nicht ihre Schuld ist, weil sie alles richtig macht und doch...

Über die anderen Personen mag ich gar nicht mal so viel sagen. Jede Figur ist für sich schlüssig und glaubwürdig. Manche sympatisch und manche zum Hassen. Aber kein Charakter wirkte blutleer oder gesichtslos. Ich war also sehr angetan.

Fazit:

Das Buch ließ sich extrem schnell und mit sehr viel Spannung lesen. Der „Horror“ ist hintergründig und liegt in den kleinen Dingen verborgen.
Clarissa ist die einzige Figur, die man so richtig kennen lernt, aber auch das wirkt passend und schlüssig, denn sie ist durch das was ihr geschieht dazu gezwungen sich abzuschotten.
Ich habe die Handlung fieberhaft verfolgt und bin sehr zufrieden mit dem Ende.

Nahezu perfekt.

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