Freitag, 17. Juli 2015

Kurz-Rezension: Forbidden von Tabitha Suzuma

Das Buch war ja mal vor längerer Zeit in aller Munde. Damals habe ich es nicht gelesen und auch diesmal war ich mir nicht sicher, ob ich das lesen muss. Letztendlich wollte ich nur wissen, was dahinter steckt und habe es gelesen.
Letztendlich bin ich froh, dass ich durch bin und rückblickend hätte ich es nicht lesen müssen.
Auch hier einige Kritikpunkte, die mir das Lesen vor allem in der zweiten Hälfte arg verleidet haben.
Diese Rezension mit Spoilern

Forbidden
Tabitha Suzuma




  1. Die erste Hälfte gefiel mir sehr gut. Wir bekommen eine sehr beklemmende, sehr atmosphärische, sehr realistische Darstellung der beiden Geschwister Maya und Lochan. Lochan leidet an einer Sozialphobie, wird gemieden, ist dabei aber sehr intelligent.
    Er kümmert sich rührend um seine drei jüngeren Geschwister und ist ihnen mehr ein Vater.
  2. Maya war dagegen zu Beginn etwas blasser, wirkt ein wenig normaler, hat aber auch auch merklich mit der Familiensituation zu kämpfen. Hilft Lochan, so gut wie sie kann und ist ihren drei Geschwistern mehr eine Mutter als eine große Schwester.
    Der Vater ist schon lange ausgezogen. Die Mutter die ihre Kinder nicht will, die sich jung fühlen will, ihren neuen Liebhaber f*ckt, die ein schweres Alkoholproblem hat und die sich nie blicken lässt. Dazu ein rebellischer Teenager und Geldsorgen. Das alles lastet auf der kleinen Familie. Und Lochan und Maya haben das Gefühl, dass nur sie einander verstehen und sondern sich daher aus dem natürlichen Sozialleben ab.
  3. Soweit so gut. Die Situationen gehen einem nahe. Der Schreibstil ist eindringlich. Die Annäherung der beiden wird gut beschrieben. Vielleicht etwas dramatisch, aber nachvollziehbar.
    Zeitweise haben mir vor allem Szenen, die sich um die jüngste Schwester drehen, die Tränen in die Augen getrieben.
  4. Leider geht es von da an nur bergab. Lochan und Maya verlieben sich also. Und damit beginnt das Drama. Sie streiten, heulen, schreien, zweifeln und sind mal über alle Maßen glücklich und dann wieder vollkommen down.
    Drama ist verständlich. Sie sind immerhin Bruder und Schwester. Aber die Darstellung ist so dermaßen überzogen und over the top, das ich das kalte Grausen bekam. Panikattacken, Prügelleien, Soft-Porno-Szenen.
    Und immer wieder Lehrer und Eltern, Nachbarn und Krankenschwestern, die zwar misstrauisch sind, aber offensichtlich gar nichts – GAR NICHTS – unternehmen.

Ich habe in einer Grundschule gearbeitet – in einem sozialschwachen Viertel – wir hatten alle drei Tage das Jugendamt vor der Tür stehen.

Aber okay.

  1. Das Ende war dann das furchtbarste von allem. Lochan und Maya werden beim Sex erwischt. (Danke, für die eindrücklich geschilderten Szenen -.-) Und Lochan wird verhaftet. Er will, dass Maya in als Vergewaltiger hinstellt. Hier ist also immernoch keine Einsicht der Figuren zu erkennen, dass etwas geändert werden muss. Das war 5% vor dem Ende. 
    Maya tut es nicht. Um sie zu schützen, erhängt sich Lochan in seiner Zelle, statt hier zur Ansicht zu kommen, dass sich etwas GRUNDLEGEND ändern muss. Immerhin ist er bereits erwachsen. Ich hatte erwartet, dass er zumindest am Ende überlegt handelt. Tut er aber nicht. Tun sie alle nicht. 
  2. Statt dass dann aber die ganze Story hinterfragt wird. Wie kommt es dass sich zwei Geschwister ineinander verlieben (Aus Missbrauch entsteht Isolation – Isolation führt zu Inszest etc. und ist therapiebedürftig) wie geht es mit der familiären Situation weiter, was kann man da unternehmen, wie helfen, ist die Moral der Geschichte, dass Maya und ihre Geschwister das Jugendamt belügen und die Situation beibehalten wird. Maya liebäugelt mit Selbstmord und entscheidet sich – erstmal – dagegen. Buch ENDE. An keiner Stelle setzt hier der Verstand ein, das Hinterfragen, irgendeine Form von Logik. 
  3. Ich war fassungslos. Dass Maya immer noch nicht begriffen haben soll, dass es den Kleinen vielleicht im System tatsächlich besser gehen könnte, auch wenn sie getrennt werden. Dass auch ihr vielleicht geholfen werden könnte. Dass immernoch das Drama im Vordergrund steht. Dass alles darauf hinaus läuft: „Jeder sollte lieben dürfen, wen er will“ - Ich sehe das im Grunde ja auch so. Aber in diesem Fall entsteht diese alles entscheidende, viel zu übertriebene Liebe aus Isolation und Vernachlässigung. Das ist nicht gesund. Wenn zwei Menschen sich so sehr aneinander hängen und klammern (egal ob Inszest oder nicht) ist das einfach krankhaft. Aber darüber wird nicht ein einziges Wort verloren.
  4. Ich empfinde das Buch als erschreckend uneinsichtig, dass tatsächlich eine falsche Botschaft übermittelt.

Von mir bekommt das Buch insgesamt 3 Sterne. Weil es leicht zu lesen war, die erste Hälfte sehr einfühlsam geschrieben war und ich durchaus geweint habe. Aber letztendlich kann ich es nicht empfehlen. Es hinterfragt zu wenig, es bietet zu wenig Möglichkeiten. Das Drama ist viel zu überzogen und dreht sich seitenweise nur im Kreis.

Und ich kann es nicht leiden, wenn die erste Liebe als DIE EINE, ALLES ÜBERSTEHENDE, EWIGE Liebe hingestellt wird. Werdet Erwachsen. Meine Fresse.  

1 Kommentar:

  1. Und wieder ein Buch, was ich sicher nicht lesen werde.

    Dein Schlusswort unterschreib ich sofort :-D

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