Mittwoch, 5. August 2015

Rezension: Die Chemie des Todes David Hunters erster Fall von Simon Beckett

Das Buch an sich fand ich gar nicht übel, aber letzt endlich bin ich doch ein wenig verärgert.
Aber von Vorne:



Das Buch an sich ist ganz gut geschrieben. Es lebt weniger von der Spannung, oder von den Ermittlungen, sondern eher von der trüben, hitzeflimmernden Atmosphäre Manhams. Das bedrückende Gefühl nicht atmen zu können, einer diffusen Gefahr ausgesetzt zu sein, ein Fremder zu sein.
Ein wenig lebt es auch von den verschiedenen Figuren. Leider sind diese weniger gut ausgearbeitet, als ich es mir gewünscht hätte.
Die Figuren erinnern all zu sehr an die Klischees vom typischen englischen Dorfbewohner, - der Pfarrer, der Gärtner, die alten Damen, der Wirt, alle...
Der Protagonist an sich ist mir zeitweise zu passiv. Er scheint das Trauma seiner Vergangenheit noch nicht überwunden zu haben und es auch nicht zu wollen.
Er wirkt, als vergrabe er sich gerne in seinem Selbstmitleid und seiner ausweglosen Situation. Zudem kommt, dass sein (ehemaliger) Beruf zwar kurz zum Tragen kommt, aber eben keine tragende Rolle spielt. Wäre er Bäcker, hätte das Buch fast genauso gut funktioniert.

So kommt es, dass der Hauptaugenmerk der Geschichte nicht auf den verschwundenen Frauen und den Morden liegt, sondern eher einer Charakterstudie gebrochener Persönlichkeiten gleicht.
Das ganze Buch ist sehr ruhig geschrieben, sehr klar, sehr unaufdringlich und das Pacing ist eher langsam. Dennoch wird es auch nicht so richtig langweilig.
Dem Autor gelingt es sehr gut den Leser zum Weiterlesen zu motivieren, ohne dabei das Tempo sonderlich anziehen zu müssen.
Was ich nicht so besonders mag ist, dass immer und immer wieder Sätze wie „Wenn er das mal eher gewusst hätte“ - oder „Er konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass...“ eingestreut wurden. Sie sollen Spannung suggerieren, wirken in diesem Roman aber eher gewollt.
Sie wären nicht nötig gewesen, damit ich mit Interesse weiter gelesen hätte.

Leider hat das Buch noch ein weiteres wirklich großes Manko.
Der Autor hält sich für subtiler als er ist. Ab knapp der Hälfte des Buches wusste ich, wer letztendlich der Bösewicht sein musste. Ich wusste nicht genau die Gründe, aber ich konnte es erahnen. Da brauchte ich keine Hinweise, die mir wie ein Zaunpfahl vorkamen und ich brauchte auch all diese sinnlosen falschen Fährten nicht, die viel zu offensichtlich wirkten, als dass ich darauf hätte herein fallen können.
Ich lese selten Thriller oder Krimis und daher bin ich normalerweise sehr stolz, wenn ich vor den Figuren weiß, wer der Killer ist, aber in diesem Fall wirkte das so offensichtlich, dass ich statt stolz zu sein, nur deftigen Ärger empfand.
Letztendlich blieb es dennoch spannend, da ich gerne wissen wollte, wann der Protagonist dahinter kommt, aber auch das führte nur zu neuem Ärger, denn der Hauptcharakter scheint blind und taub zu sein. Ja er macht sich Sorgen um die entführte Frau und ja, er hat ein Trauma hinter sich, aber dennoch...

Ich war verärgert, dass der Autor dem Leser die Lösung so eindringlich auf die Nase bindet. Er wiederholt unnötigerweise Sätze, die ablenkend wirken sollen, die aber in ihrer Häufigkeit nur Misstrauen erregten.
Leider war ich auch von dem Motiv nicht gänzlich überzeugt. Es werden verschiedene Antriebe beschrieben, aber leider passen diese mit dem Handlungsmuster nicht überein.
Und dann am Ende die seitenweise Beichte des Bösewichts – Bösewichte reden immer gerne – leider erfüllt dieser Umstand ebenso das Klischee.
Aber das Ende zieht sich sowieso unangenehm in die Länge. Irgendwann war die Luft einfach raus und die Auflösung hätte problemlos 20 Seiten eher erfolgen können ohne dem Buch zu schaden. Dazu kommt leicht irrationales Verhalten des Bösewichts, das dem Ganzen einen weiteren Hauch von Unglaubwürdigkeit verleiht.

Der Epilog des Buches hat mich dann wieder verwöhnt. Ich mag das Ende/Ende und bin grundsätzlich nicht unzufrieden das Buch gelesen zu haben.  

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