Montag, 21. September 2015

Rezension: Liebe ist was für Idioten. Wie mich. Von Sabine Schoder

Liebe ist was für Idioten. Wie mich.
Sabine Schober
Fischer Verlag
E-Book
291 Seiten



Kurzbeschreibung

Viki hat es nicht leicht im Leben. Und an ihrem 17. Geburtstag kifft sie zu viel und landet mit dem Sänger der Schulband im Bett, den sie eigentlich nicht leiden kann. Daraus entsteht mehr, als sie je gedacht hatte, aber Probleme werfen schnell ihre Schatten.


Einführung

Um ehrlich zu sein, hätte ich das Buch in der Buchhandlung nicht mal mit der Kneifzange angefasst. Der Klappentext und das Cover hätten mich beide ziemlich abgeschreckt. Kitschige Liebesschnulze für Jugendliche – alles schon hundertmal gehört? Ich hätte im Normalfall einen riesigen Bogen darum gemacht.
Jetzt hatte ich aber Langeweile und habe auf einem Blog eine sehr liebevolle Rezension zu dem Buch gefunden. Und auch die Aussage, dass es so ganz anders wäre, als man es vielleicht erwarten könnte.
Ich war neugierig und wollte herausfinden, WAS genau an dem Buch bitte so anders sein soll.
Also habe ich die Leseprobe bei Amazon gelesen.
Und dann direkt das ganze Buch.


Meinung

Ich bin verliebt. In das Buch. In Viki. In Jay und in den Schreibstil. Und ich weiß nicht mal wieso genau. Nicht, dass die Geschichte an sich besonders innovativ ist – das eher nicht. Aber alles andere stimmt auf den Punkt und ich war nicht mal genervt – und das passiert bei Jugendbüchern wirklich äußerst selten.

Allen voran der Schreibstil.
Ich habe es so genossen, wie wunderbar die Autorin mit den Worten umgehen kann. Wie poetisch, wie bildlich ihr Stil streckenweise ist, ohne es jemals zu übertreiben. Ich liebe es, wie sie mit einfachen Sätzen eine ganze, dichte und mitreißende Atmosphäre aufbauen kann.
Es war ein Leichtes sich in das Buch fallen zu lassen, mitzufiebern und vor allem – ganz großes Kino – mitzufühlen.

„Unter Mels Lippen beben Worte, die sie zurückhält. Eine Neun auf der Richterskala, mindestens. Wenn sie ausbricht, gibt es Tote.“
S43

Jede kleinste Emotion (auch wenn mir Vikis beste Freundin ein bisschen zu albern war manchmal) trifft perfekt den richtigen Punkt.
Egal ob es sich um positive oder negative Emotionen handelt, sie waren da. Fühlbar. Ich konnte lachen und zwischendurch zog sich mein Herz zusammen. Am Höhepunkt des Buches, kurz vor Ende flossen sogar Tränen.
Wunderbar.


Aber auch die Charaktere – vor allem Viki und Jay – aber Viki noch mehr – haben es mir angetan.
Viki hat ein echt mieses Leben und viele Situationen sind mir bekannt. Und daher konnte ich ihre Art damit umzugehen, ihre Gefühle und ihre Handlungsweise, vor allem aber ihre Denkweise wirklich gut nachvollziehen.
Auch ihr Sarkasmus war sehr erfrischend. Ich fühlte mich Jahre in meine Vergangenheit zurück gesetzt. Aber nicht auf negative Weise. Viki gefiel mir wirklich sehr.

Jay bleibt ein bisschen blass. Wirkt manchmal eher wie ein Statist, der die Bühne für Viki bereitet, so dass sie noch mehr als Protagonistin strahlen kann. Aber Jay wird so liebenswert beschrieben, dass ich das der Autorin nachsehen will.
Er ist endlich mal eben nicht der Badboy, auch wenn er stellenweise so rüber kommen soll, glaube ich.
Aber er hat auch genug Ecken und Kanten, so dass ich ihn mir auch nicht als Ehemann meiner Tochter vorstellen will. Aber die Ansätze sind da und ich mochte ihn gern.

Die Nebenfiguren sind manchmal ein bisschen übertrieben dargestellt. Aber so erhalten sie Charakter und Wiedererkennungswert und auf Grund der großen Gefühlspalette mag ich auch das der Autorin verzeihen. Außerdem sorgen sie für den ein oder anderen lichten Hoffnungsschimmer, oder lustigen Moment, so dass man als Leser nicht das Gefühl hat in ein depressives schwarzes Loch geworfen zu werden und in kitschigem Selbstmitleid zu ertrinken.

Die Autorin schafft perfekt die Gradwanderung zwischen Schmerz und Verzweiflung und dramatischen aber nicht überzogenen Szenen.


Fazit

Ich bin froh, dass ich aus Neugierde immer mal wieder über den Tellerrand hinaus schaue und dann hier und da auf solche Schätzen stoße.
Außerdem muss ich mich selbst loben dafür, dass ich auch Rezensionen zu Büchern lese, die mich ansonsten nicht groß interessieren und sogar die Leseproben dazu lese.

Nein – um mal ernst zu bleiben – das Buch gefiel mir außerordentlich gut. Ich würde es durchaus weiter empfehlen.  

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